Wahlgewinner in Bayern - die Freien Wähler Wer ist Hubert Aiwanger?

Anhänger der Freien Wähler freuen sich auf der Wahlparty der Freien Wähler zur Landtagswahl über das Wahlergebnis

Anhänger der Freien Wähler freuen sich auf der Wahlparty der Freien Wähler zur Landtagswahl über das Wahlergebnis

Foto: Lino Mirgeler/ dpa

"Drei Stück an Ministerien werden wohl realistisch sein", sagte Hubert Aiwanger am Montag dem Radiosender Bayern 2 nach den Landtagswahlen. Aiwanger gehört zu den Siegern des Wahlabends in Bayern: Seine Freien Wähler erreichten mit rund 11,5 Prozent ein Rekordergebnis und sind nun die erste Wahl der CSU bei der Suche nach einem Koalitionspartner. Aiwanger machte deutlich, dass er dazu bereit ist: "Ich würde den Herrn Blume doch bitten, jetzt langsam zu einer Entscheidung zu kommen", sagte Aiwanger umgehend nach Bekanntgabe der ersten Prognosen am Sonntagabend zum CSU-Generalsekretär Markus Blume. "Die sollen sich bei uns melden." Im Laufe des Montags erhöhte Aiwanger seine Forderung auf bis zu fünf Ministerien.

Freie Wähler-Chef Hubert Aiwanger erwartet Koalitionsverhandlungen mit der CSU

Freie Wähler-Chef Hubert Aiwanger erwartet Koalitionsverhandlungen mit der CSU

Foto: MICHAEL DALDER/ REUTERS

In der deutschen Politik gab es vermutlich nur wenige Politiker, die so viele Ämter auf sich vereinen wie Aiwanger. Er ist Stadtrat und Kreisrat sowie Kreisvorsitzender, bayerischer Landesvorsitzender, Landtagsfraktionschef und fast schon nebenbei auch Bundesvorsitzender der Freien Wähler. Nun kann er sich nach zehn Jahren erfolgreicher Opposition auch noch auf ein Ministeramt freuen.

Der am 26. Januar 1971 in Ergoldsbach in Niederbayern geborene Aiwanger ist derjenige, der als Erster die Vormachtstellung der CSU brechen konnte. Aiwanger stieg mit seiner Wählergruppierung in Bayern nämlich zur ernst zu nehmenden Kraft auf, als die CSU von 2003 bis 2008 noch mit einer heute unvorstellbaren Zweidrittelmehrheit regierte.

Die Unzufriedenheit der Wähler nach der Reformwut von CSU-Chef und Ministerpräsident Edmund Stoiber und dem dann folgenden chaotischen Sturz Stoibers konnten Aiwanger und seine Mitstreiter nutzen und 2008 mit über zehn Prozent erstmals in den Landtag einziehen. Es handelte sich um Stimmen, die zum größten Teil von früheren CSU-Wählern kamen und die der CSU bis heute fehlen, wie sich auch am Wahlabend zeigte.

Schon 2008 erschienen die Freien Wähler vielen bereits als der natürliche Koalitionspartner der CSU. Doch der damals neue Ministerpräsident Horst Seehofer setzte darauf, dass sich die Freien Wähler ohne Regierungsbeteiligung als Phänomen von selbst erledigen. Da hatte Seehofer den zähen Aiwanger falsch eingeschätzt: 2013 zog er mit seinen Leuten erneut in den Landtag ein, dies hat er nun eindrucksvoll wiederholt.

In seiner Partei gebe es "die letzten vernünftigen Konservativen - nur mit uns wird es eine bürgerliche, wertkonservative Regierung geben", sagte Aiwanger kürzlich. Der Hauptvorzug seiner Partei ist aus seiner Sicht ihre Bürgernähe, die auch Aiwanger verkörpert.

Der zweifache Vater - seine Lebensgefährtin ist Freie-Wähler-Landrätin - scheint omnipräsent bei Veranstaltungen. Der studierte Agraringenieur betreibt einen kleinen Bauernhof in Rahstorf und ist Hobbyjäger. Und auch nach zehn Jahren in der Landespolitik spricht er so einen ausgeprägten niederbayerischen Dialekt, dass er manchmal Äußerungen wiederholen muss, damit sie verstanden werden.

An sich wäre Aiwanger also jemand, der wie der Idealtypus eines CSU-Politikers klingt. Doch bei seinem späten Einstieg in die Politik erst mit 30 Jahren entschied sich Aiwanger bewusst für die Freien Wähler. Die CSU war ihm zu arrogant, wie er einmal sagte. Nun will er den Christsozialen helfen, an der Regierung in München zu bleiben. Er werde Ministerpräsident Markus Söder (CSU) "machbare Vorschläge auf den Tisch legen", kündigte er an. Schon für Mittwoch seien erste Sondierungsgespräche geplant, die "sehr schnell in Koalitionsverhandlungen münden" sollten. Er gehe davon aus, dass Freie Wähler und CSU die maximale Frist von vier Wochen für die Regierungsbildung nicht ausschöpften. "Ich glaube, dass wir in 14 Tagen 80 Prozent ausverhandelt haben."

dpa/dpa-afx/rtr/afp/akn