Mittwoch, 27. Mai 2020

Wissenschaftler fordern Aufstockung in der Corona-Krise Deutschland in Europa Schlusslicht bei Kurzarbeitergeld

Hunderttausende Betriebe in Deutschland haben Kurzarbeit angemeldet: Allein bei Volkswagen sollen in der Corona-Krise rund 80.000 Beschäftigte in Deutschland in Kurzarbeit gehen.
Julian Stratenschulte/ DPA
Hunderttausende Betriebe in Deutschland haben Kurzarbeit angemeldet: Allein bei Volkswagen sollen in der Corona-Krise rund 80.000 Beschäftigte in Deutschland in Kurzarbeit gehen.

Deutschland ist bei der Höhe des gesetzlich gezahlten Kurzarbeitergeldes nach einer aktuellen Studie Schlusslicht unter den europäischen Ländern mit vergleichbaren Regelungen. Während in Deutschland die Beschäftigten lediglich 60 oder in Haushalten mit Kindern 67 Prozent des entgangenen Nettoentgelts erhalten, wird in vielen anderem europäischen Ländern ein deutlich höheres Kurzarbeitergeld von 80 bis zu 100 Prozent bezahlt.

Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) hervor. Die Forscher des zur gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung gehörenden Instituts drängen deshalb auf eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes in Deutschland.

Gewerkschaften in Deutschland fordern dies insbesondere für Geringverdiener, da 60 oder 67 Prozent des Einkommens oft nicht ausreichten, um die laufenden Kosten abzudecken. Ohne die vorgeschlagene Aufstockung müssten viele von ihnen voraussichtlich zusätzlich Hartz IV-Leistungen beantragen, warnen die Gewerkschaften als auch die Wissenschaftler des WSI.

Von den 15 europäischen Ländern, die in der Untersuchung berücksichtigt wurden, zahlen vier Staaten (Irland, Dänemark, die Niederlande und Norwegen) ein Kurzarbeitergeld, das bis zu 100 Prozent des Lohnausfalls kompensiert.

Kommunale Arbeiter würden bei Kurzarbeit aufstocken

In Frankreich, Schweden, Österreich, Großbritannien, Italien und der Schweiz liegt das Kurzarbeitergeld bei 80 Prozent oder mehr. In Spanien, Belgien und Frankreich wird der Lohnausfall zu 70 Prozent ausgeglichen. In der Regel gehen großzügigere Leistungen der Studie zufolge allerdings mit einer kürzeren Bezugsdauer einher.

Angesichts dieser Vergleichszahlen drängen die Wirtschaftsforscher auf eine spürbare Anhebung des Kurzarbeitsgeldes auch in Deutschland auf mindestens 80 Prozent - mit einer Aufstockung auf bis zu 90 Prozent für Beschäftigte im Niedriglohnsektor. Denn es sei absehbar, dass das Kurzarbeitergeld während der Corona-Krise sehr häufig von Beschäftigten aus dem Dienstleistungssektor mit geringem Einkommen in Anspruch genommen werde.

Kommunale Arbeitgeber indes haben am Mittwoch mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi vereinbart, das Kurzarbeitergeld für untere und mittlere Gehaltsgruppen auf 95 Prozent und bei den übrigen auf 90 Prozent des Lohnausfalls aufstocken. Für die weitaus meisten Bereiche des öffentlichen Dienstes sei Kurzarbeit allerdings gar kein Thema. Bei den eigenwirtschaftlichen Betrieben wie Theatern, Museen oder im Nahverkehr sei Kurzarbeit aber möglich.

rei/dpa

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