Krankenhaus-Studie Mehr Tote durch Behandlungsfehler als im Straßenverkehr

In deutschen Krankenhäusern sterben jährlich mehr Menschen durch Behandlungsfehler als im Straßenverkehr. Das zeigt ein AOK-Report. Die Lösung lautet demnach: stärkere Spezialisierung.
Operation: 1 Patient von 1000 stirbt durch einen Behandlungsfehler

Operation: 1 Patient von 1000 stirbt durch einen Behandlungsfehler

Foto: Corbis

Berlin - Durch Behandlungsfehler in Krankenhäusern sterben fünf Mal mehr Menschen als durch Unfälle im Straßenverkehr. Es sei von 19.000 Toten pro Jahr auszugehen, sagte der Leiter des Instituts für Gesundheitssystemforschung an der Uni Witten/Herdecke, Max Geraedts. Die Zahl habe sich allen Erkenntnissen zufolge in den vergangenen sechs Jahren kaum geändert.

Insgesamt sterbe 1 Patient unter 1000 durch einen Operationsfehler, mangelnde Hygiene oder einen falschen Umgang mit Arzneien, erläuterte er bei der Vorstellung des neuen AOK-Krankenhaus-Reports. Zu Fehlern komme es insgesamt bei einem Prozent der 19 Millionen Behandlungen pro Jahr.

Laut Geraedts steigt das Risiko mit dem Alter, der Komplexität sowie der Anzahl der Beteiligten an der Behandlung. Abhilfe schaffen könnten elektronische Verschreibungssysteme, Trainingskonzepte für Notfälle, Register zu neuen Medizinprodukten und Behandlungen, eine ausreichende Hände-Desinfektion sowie ein offener Umgang mit Fehlern.

Die neue Bundesregierung will durch eine Reform die Krankenhausversorgung verbessern. Dies soll unter anderem durch eine Kopplung der Vergütungen an die Qualität der Leistungen erreicht werden.

Eng gekoppelt ist das Ergebnis einer Klinikbehandlung mit der Häufigkeit eines Eingriffs. Bei Hüft-Operationen etwa sei in dem Fünftel der Kliniken mit den wenigsten Eingriffen zu 37 Prozent häufiger eine erneute Operation notwendig als in denjenigen mit den meisten Eingriffen, erläuterte Jürgen Klauber vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO), das den Report herausgibt.

Für zu früh geborene Babys geht es um Leben und Tod: Das Risiko zu sterben ist für sie in Kliniken mit 15 Frühchen pro Jahr um 87 Prozent höher als in Krankenhäusern, die in zwölf Monaten mehr als 45 Fälle betreuen. AOK-Verbandsgeschäftsführer Jürgen Dehn forderte, die Krankenhäuser müssten sich auf das spezialisieren, was sie gut können und in ihrer Region gebraucht werde, anstatt kleine Unikliniken sein zu wollen.

ts/rtr