Konsumklima Februar Verbraucherstimmung bricht im Lockdown ein

Die Anschaffungsneigung der Verbraucher ist im harten Lockdown regelrecht eingebrochen. Damit sie sich nachhaltig erholt, müssten die Infektionszahlen viel stärker zurückgehen, sagen Forscher. Laut RKI ist das aktuell nicht der Fall.
" ... und keiner geht shoppen": Der harte Lockdown hat die Anschaffungsneigung der Bürger deutlich gedrückt. Ein Grund könnte aber auch die höhere Mehrwertsteuer sein, sagen einzelne Ökonomen.

" ... und keiner geht shoppen": Der harte Lockdown hat die Anschaffungsneigung der Bürger deutlich gedrückt. Ein Grund könnte aber auch die höhere Mehrwertsteuer sein, sagen einzelne Ökonomen.

Foto: Georg Wendt/ DPA

Die Verbraucherstimmung hat sich im harten Lockdown zu Jahresbeginn deutlich eingetrübt. Für Februar prognostizierte das Marktforschungsinstitut GfK am Mittwoch in ihrem Konsumklima-Barometer einen Wert von minus 15,6 Punkten und damit 8,1 Punkte weniger als im Januar. "Regelrecht zusammengebrochen" sei die Anschaffungsneigung der Konsumenten, erklärten die Forscher.

"Die Schließung von Gastronomie und weiten Teilen des Handels Mitte Dezember 2020 hat die Konsumneigung ähnlich hart getroffen wie beim ersten Lockdown im Frühjahr des vergangenen Jahres", erläuterte GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl. Das Konsumklima stehe im ersten Quartal nun vor schwierigen Zeiten.

"Für eine nachhaltige Erholung ist es notwendig, dass die Infektionszahlen stärker als bislang zurückgehen, damit die Maßnahmen spürbar gelockert werden können", erklärte Bürkl. "Das heißt, die für dieses Jahr von vielen erhoffte Erholung wird noch etwas auf sich warten lassen."

Neuinfektionen gegenüber Vortag verdoppelt

Tatsächlich gehen die Infektionszahlen in Deutschland nur langsam zurück, schwanken mitunter stark und haben sich am Mittwoch gegenüber dem Vortag sogar verdoppelt, wie jüngste Meldungen des Robert Koch-Instituts (RKI) zeigen. Am Mittwoch berichtete das Institut 13.202 neue Fälle binnen eines Tages. Das waren mehr als doppelt so viele wie am Vortag, als 6408 ausgewiesen wurden, allerdings weniger als vor einer Woche (15.974). Die Zahl der Menschen, die im, mit oder an dem Virus starben, erhöhte sich den Angaben zufolge um 982 auf 53.972. Die Sieben-Tage-Inzidenz sank auf 101,0 nach 107,6 am Dienstag. Die Bundesregierung will diesen Wert auf unter 50 drücken, bevor die Corona-Regeln gelockert werden könnten.

Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes steigt offenbar

Gesunken sind nach Angaben der Marktforscher auch die Einkommensaussichten der Konsumenten, da durch den Lockdown die Wahrscheinlichkeit gestiegen sei, dass es in den betroffenen Branchen zu einer Pleitewelle kommt. Dies erhöhe die Angst einer Reihe von Beschäftigten vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. "Zudem dürfte als Folge des harten Lockdowns die Anzahl der Kurzarbeiter wieder zunehmen, was ebenfalls die Einkommen der Haushalte beeinträchtigt", erklärte das Institut.

Für die Konjunkturerwartung der Verbraucher verzeichneten die GfK-Forscher hingegen nur leichte Verluste. Dies erklärten sie neben dem insgesamt "stabilen Arbeitsmarkt" auch damit, dass mit dem verarbeitenden Gewerbe ein wesentlicher Teil der deutschen Wirtschaft nicht von Schließung betroffen ist.

Höhere Mehrwertsteuer könnte Konsumneigung auch bremsen

Insofern sehen einzelnen Ökonomen auch noch einen anderen möglichen Grund für die abgestürzte Konsumneigung. "Der Sturzflug der Anschaffungsneigung bei einem gleichzeitig nur geringen Rückgang der Konjunkturerwartungen legt nahe, dass für einen guten Teil der Stimmungseintrübung auch die Erhöhung der Mehrwertsteuer mitverantwortlich war", sagt Ökonom Andreas Scheuerle von der Dekabank.

Für ihre repräsentativen Studien zum Konsumklima führt die GfK monatlich Interviews mit Verbrauchern zu ihrer Konjunkturerwartung, ihrer Einkommenserwartung und ihrer Anschaffungsneigung. Für die aktuelle Erhebung wurden vom 7. bis 18. Januar rund 2000 Menschen befragt. Der Konsum gilt als eine wichtige Stütze der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland.

rei/AFP, dpa-afx