Teil von Konjunkturpaket Bund beschließt Milliardeninvestitionen in Wasserstoff

Bundesministerin Anja Karliczek und Bundesminister Peter Altmaier bei der Vorstellung der Nationalen Wasserstoffstrategie.

Bundesministerin Anja Karliczek und Bundesminister Peter Altmaier bei der Vorstellung der Nationalen Wasserstoffstrategie.

Foto: BMBF/Hans-Joachim Rickel/Bundesministerium für Bildung und Forschung/obs

Als erste Umsetzung des Konjunkturpakets hat das Bundeskabinett nach Angaben der Regierung die lange umstritte Strategie zum Aufbau einer Wasserstoff-Industrie beschlossen. Damit will Deutschland weltweit die Nummer eins bei der Technologie werden. Das Konzept sieht dafür zusätzliche Mittel von neun Milliarden Euro vor. Bis spätestens 2040 sollen Elektrolyse-Kapazitäten von zehn Gigawatt aufgebaut werden. Dies entspricht der Leistung von zehn Atomkraftwerksblöcken.

Gefördert werden soll die Produktion durch Abgabe-Befreiungen für Strom aus Wind oder Sonne, mit dem Wasserstoff aus Wasser erzeugt werden soll. Zwei Milliarden Euro stehen zudem für Konzepte mit internationalen Partnern besonders in Europa bereit.

Mit Hilfe von Wind- oder Sonnenstrom erzeugter Wasserstoff gilt als zentraler klimafreundlicher Brennstoff gerade für die Industrie. Während bei Autos der direkte elektrische Antrieb favorisiert wird, fehlen klimafreundliche Lösungen für Schwerlaster, die Schifffahrt sowie Chemie- und Stahlindustrie.

Thyssen Krupp und RWE mit Vorzeigeprojekt

Mit Thyssenkrupp und RWE haben sich auch schon zwei Traditionskonzerne gefunden, die in dem Bereich ein erstes größeres Projekt vorantreiben wollen. Die Unternehmen hätten sich darauf verständigt, auf eine längerfristige Wasserstoff-Partnerschaft hinzuarbeiten, teilten die Konzerne am Mittwoch auf Nachfrage der Nachrichtenagentur Reuters mit.

Danach könnte der größte deutsche Stromkonzern RWE an seinem Kraftwerksstandort in Lingen im Emsland auf dem Weg der Elektrolyse mit Erneuerbaren Energien Wasserstoff produzieren, der zum Thyssenkrupp-Stahlwerk nach Duisburg transportiert wird. Möglich sei, dass der größte deutsche Stahlkonzern 70 Prozent des Bedarfs in dem für den Einsatz von Wasserstoff vorgesehenen Hochofen deckt. "Damit stünden rechnerisch rund 50.000 Tonnen klimaneutraler Stahl zu Verfügung", hieß es.

Bislang gibt es eine Reihe von kleineren Pilotprojekten der Netzbetreiber und Versorgungsunternehmen in diesem Bereich. Mit Thyssenkrupp und RWE steigen nun die industriellen Produzenten und Verbraucher ein, um die Versorgungskette hochzuskalieren. In der Stahlproduktion entstehen große Mengen Kohlendioxid, die durch den Einsatz von Wasserstoff im Hochofen erheblich reduziert werden können. Neben dem Umweltschutzaspekt erhofft sich die Schwerindustrie um Thyssenkrupp, Salzgitter und ArcelorMittal durch die Technologie langfristig auch Wettbewerbsvorteile gegenüber Billigherstellern aus Fernost.

Was noch alles fehlt

Allerdings ist die Umsetzung der Pläne von RWE und Thyssenkrupp noch an Bedingungen geknüpft. "Voraussetzung für das Zustandekommen der Kooperation ist unter anderem die Entwicklung eines dezidierten Wasserstoffnetzes, um den gasförmigen Wasserstoff von Lingen zum Hüttenstandort der Thyssenkrupp Steel Europe in Duisburg zu transportieren." RWE und Thyssenkrup wollen im Austausch mit Gasnetzbetreibern und den Behörden Lösungen für eine rechtzeitige Netzanbindung vorantreiben. RWE ist auch Teil des Projekts Get H2 Nukleus, in dem Konzerne wie BP, Evonik, Open Grid Europe und Nowega eine Infrastruktur für Wasserstoff aufbauen wollen.

"Die geplante Kooperation mit RWE ist ein wichtiger Schritt auf unserem Weg zur Klimaneutralität", sagte Thyssenkrupp-Stahlchef Bernhard Osburg. "Die angestrebte Liefermenge würde bereits zu großen Teilen zur Versorgung eines Hochofens mit grünem Wasserstoff ausreichen und die Produktion klimaneutralen Stahls für rund 50.000 Autos pro Jahr ermöglichen." Thyssenkrupp wolle zeigen, dass Klimamaneutralität im Stahl möglich sei. "Und wir drücken bei der Umstellung unserer Produktion aufs Tempo."

Die Umstellung eines der vier Hochöfen des Konzerns soll bis 2022 umgesetzt werden. Bis Mitte des Jahrzehnts solle möglichst der erste Wasserstoff in Richtung des Duisburger Stahlwerks strömen. Langfristig soll die gesamte Stahlproduktion, die heute jährlich etwa elf Millionen Tonnen umfasst, klimaneutral sein.

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"Wasserstoff ist ein zentraler Baustein für die Treibhausgasminderung in Deutschland", betonte der Chef von RWE Generation, Roger Miesen. Die Nationale Wasserstoffstrategie und die geplanten Finanzmittel von neun Milliarden Euro sorgten für den notwendigen Anschub. "Damit eine Wasserstoffinfrastruktur in Deutschland wirklich Fahrt aufnehmen kann, braucht es jetzt eine schnelle Umsetzung."

Thyssenkrupp will im Konzern bis 2030 den CO2-Ausstoß um 30 Prozent verringern und bis 2050 klimaneutral sein. Der von Umweltschützern immer wieder ins Visier genommene Versorger RWE wandelt sich derzeit durch die Übernahme der Ökostromgeschäfte von Innogy und der von E.ON zu einem der größten Ökostromerzeuger Europas. RWE will bis 2040 klimaneutral Strom produzieren.

rtr, dpa-AFX mihec
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