Kommentarreihe Wie stark ist Deutschland wirklich?

Deutschland findet sich gerade sensationell. Aber trifft das auch die Realität? manager magazin online hat die Chefs der Dax-30-Konzerne um ihre Sicht auf den Wirtschaftsstandort Deutschland gebeten.
mm-Kommentarreihe: Wie stark ist Deutschland wirklich?

mm-Kommentarreihe: Wie stark ist Deutschland wirklich?

Foto: [M] DPA; mm.de

Ein Land ist beseelt von sich selbst. Nicht mehr nur Marktführer in Europa, der Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft lässt alle Grenzen fallen. Deutschland ist nun ein Modell für die Welt.

Die Schlichtheit dieser Argumentation ist schon per se verdächtig. Die spanische Fußball-Nationalmannschaft wurde 2008 Europameister, 2010 Weltmeister, 2012 wieder Europameister. Mit mannschaftlicher Geschlossenheit und dem ganzen Pipapo, der dem deutschen Team nun angeheftet wird. War Spanien - ist Spanien - deswegen gleich ein Modell für die Welt?

Der Transfer des fußballerischen Erfolgs auf Gesamt-Schland ist ein Sieg der Sehnsucht nach Einfachheit gegen den bohrenden, aber eben auch aktivierenden Selbstzweifel, der Ewigkeiten als Hauptmerkmal der deutschen Seele galt. Deutschland will endlich seinen Platz an der Sonne gefunden haben - auch weil zugegebenermaßen die makroökonomischen Daten Entspannung verheißen.

Sven Clausen, stellvertretender Chefredakteur

Sven Clausen, stellvertretender Chefredakteur

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Olaf Ballnus

Das Sonnendeck füllt sich, es brutzelt das Gehirn und vielerorts engt sich das deutsche Denken ein. "Die Zeit" titelte unlängst zu den Verhandlungen über das europäisch-amerikanische Handelsabkommen TTIP: "Beherrschen uns bald die Amerikaner?". Der Herausgeber der Wirtschaftszeitung "Handelsblatt" forderte jüngst seine Leser auf, sich doch nicht so viel im Ausland umzuschauen. Man habe doch auch in Deutschland tolle Unternehmen, Daimler beispielsweise.

Zu Hause ist es halt doch am einfachsten und für viele daher offensichtlich auch am schönsten.

Aber ist Deutschland wirklich so stark, wie es sich fühlt? Oder setzt es gerade vor lauter Selbstzufriedenheit seine Stärke als Wirtschaftsstandort auf's Spiel?

Das manager magazin hat die Vorstandsvorsitzenden der 30 wichtigsten deutschen Aktiengesellschaften nach ihrer Meinung gefragt. Ihre Unternehmen sind globalisiert, sie leben täglich den Standortvergleich. Die Autoren sind als Navigatoren also bestens geeignet.

Es birgt immer ein gewisses Risiko, sich als Vorstandsvorsitzender eines Dax-30-Konzerns politisch zu äußern, gerade jetzt in einer solchen Euphorie-Phase und großkoalitionären Konstellation. Umso mehr freuen wir uns, dass zahlreiche Unternehmenslenker sich auch wirtschaftspolitisch verantwortlich fühlen. In loser Reihenfolge veröffentlichen wir in unserer Online-Ausgabe in den kommenden Tagen ihre Positionen zum vermeintlichen Sonnenstaat D.. Sie zeigen das gesamte Spektrum. Vor allem aber treiben sie der Republik hoffentlich den diskursiven Stillstand aus.

Wenn Sie mitdiskutieren wollen, freue ich mich über Ihre Zuschriften unter chefredaktion@manager-magazin.de . Bitte geben Sie auch an, ob wir Ihren Beitrag auf manager-magazin.de dokumentieren dürfen. Und nun: Wünsche ich Ihnen eine anregende Lektüre.

Lesen Sie auch die Analyse in der Juli-Ausgabe des manager magazins zu den Bedrohungen für den Standort Deutschland.

Wie stark ist Deutschland wirklich?

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