Bertelsmann-Studie Wo Eltern am meisten für die Kita-Betreuung zahlen - und wo am wenigsten

Laut Bertelsmann-Stiftung sollte Politik sich für Qualitätsverbesserung einsetzen, statt Gebührenverzicht anzustreben

Laut Bertelsmann-Stiftung sollte Politik sich für Qualitätsverbesserung einsetzen, statt Gebührenverzicht anzustreben

Foto: Rainer Jensen/ dpa

Für Verbesserungen der Kitaversorgung bei gleichzeitiger Einführung einer generellen Beitragsfreiheit für Eltern müsste der Staat nach Berechnungen der Bertelsmann-Stiftung erhebliche Summen zusätzlich bereitstellen. Beide Vorhaben zusammen würde etwa 15,3 Milliarden Euro jährlich erfordern, teilte die Stiftung am Montag mit. Die Bundesregierung habe für die laufende Legislaturperiode aber nur 3,5 Milliarden Euro zugesagt. Die Stiftung forderte eine klarere Prioritätensetzung.

"Bei der Kitafinanzierung klaffen Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander", erklärte Vorstand Jörg Dräger. Dem von Politikern gegebenen Versprechen der Beitragsfreiheit fehle "die finanzielle Substanz". Es sei zu befürchten, dass die Qualität auf der Strecke bleibe. Dräger sprach sich dafür aus, das Ziel einer generelleren Beitragsfreiheit für alle Eltern unabhängig von ihrem Einkommen zugunsten einer Qualitätsoffensive in den Kitas zurückstellen.

Bundesweit fehlten Erzieher, und die Betreuungsschlüssel stimmten in vielen Kitas nicht, erklärte Dräger. "Jetzt alle Eltern zu entlasten, würde den politischen Handlungsspielraum für den Qualitätsausbau unnötig verengen." Dieser sei wichtiger als die Beitragsfreiheit. Allerdings sollten alle armutsgefährdeten Eltern vollständig von Kitagebühren sowie Zusatzkosten befreit werden.

Dräger verwies dabei unter anderem auch auf eine für die Studie erhobene Umfrage, derzufolge eine Mehrheit der Eltern bereit sei, für eine bessere Kitaqualität höhere Gebühren zu zahlen. Dies ist demnach sogar relativ unabhängig von deren finanzieller Situation.

So würden der Stiftung zufolge 59 Prozent der Eltern oberhalb der Armutsrisikogrenze für mehr Personal und bessere Ausstattung höhere Beiträge akzeptieren. Dies gilt aber auch für 53 Prozent der Eltern unterhalb dieser Schwelle. Als armutsgefährdet gilt einer häufig herangezogenen Definition zufolge, wer nicht mehr als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens zur Verfügung hat.

Als Basis für ihre Berechnungen zu den Kosten des Qualitätsausbaus nutzte die Stiftung Daten ihres eigenen sogenannten Ländermonitors frühkindliche Bildungssysteme, der alle zwei Jahre die Situation der Kitas in den Bundesländern analysiert. Die Umfrage wurde für den sogenannten Elternzoom erstellt. Dafür wurden tausende Eltern befragt.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) erklärte zu der Studie, die eingeplanten 3,5 Milliarden Euro für die Kindertagesbetreuung seien eine "gute Grundlage für qualitative Verbesserungen", von denen Kinder, Familien und Erzieher profitieren würden.

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Weil Fachkräfte fehlten, werde der Bund parallel zum Gute-Kita-Gesetz eine Fachkräfteoffensive auf den Weg bringen, erklärte Giffey. "An dem Konzept dafür arbeiten wir gerade." Wichtig sei aber auch, dass Erzieher besser bezahlt werden müssten.

Wie die Studie auch deutlich macht, variiert die Höhe der Kitagebühren je nach Wohnort stark. Die finanzielle Belastung sei ungerecht verteilt, bemängelte die Stiftung - und forderte Kita-Beitragsfreiheit für armutsgefährdete Familien. Je nach Bundesland schlügen die Kita-Gebühren unterschiedlich stark zu Buche:

Am meisten geben demnach Eltern in Schleswig-Holstein mit 8,9 Prozent ihres Nettoeinkommens für die Kita aus, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern (7,8), Niedersachsen (7,3) und dem Saarland (7,2). Besonders wenig zahlen Familien in Berlin (2,0), Rheinland-Pfalz (4,0) und Hamburg (4,3). Das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen liegt - wie Bremen - mit 6,6 Prozent leicht über dem Bundesschnitt. Ähnlich sieht es in Hessen (6,7), Baden-Württemberg (6,5), Brandenburg (6,2), Thüringen (6,1) und Bayern (5,9) aus.

afp/dpa-afx/akn
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