Abkommen geschlossen Katar wird nun doch Flüssigerdgas nach Deutschland liefern

Der Energieriese Qatar Energy hat ein Abkommen über Flüssigerdgaslieferungen nach Deutschland geschlossen. Das Gas soll ab 2026 an das US-Unternehmen Conoco Phillips verkauft werden, das es nach Brunsbüttel liefert. Die Lieferungen decken aber nur einen Bruchteil des deutschen Bedarfs.
Deutschland als größter Gasmarkt Europas: Geplantes LNG-Terminal in Brunsbüttel

Deutschland als größter Gasmarkt Europas: Geplantes LNG-Terminal in Brunsbüttel

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Deutschland erhält Flüssigerdgas (LNG) aus Katar. Der US-Energiekonzern Conoco Phillips und Qatar Energy haben einen Vertrag zur Lieferung von Flüssigerdgas nach Deutschland unterzeichnet, wie Qatar Energy am Dienstag mitteilte.

Nach der Vereinbarung sollen ab 2026 jährlich zwei Millionen Tonnen LNG nach Deutschland gebracht werden, das entspricht etwa drei Prozent des jährlichen deutschen Gasbedarfs. Der Vertrag habe eine Laufzeit von 15 Jahren. Das Gas solle an den geplanten LNG-Terminal in Brunsbüttel geliefert werden. Zu dem Preis wolle man sich nicht äußern.

Qatar Energy sei zudem mit deutschen Unternehmen über weitere Gaslieferungen im Gespräch, erklärte der Chef von Qatar Energy, Saad al-Kaabi (55): "Wir haben gute Beziehungen zu deutschen Unternehmen und zur deutschen Regierung", sagte er. Das Gas für das jetzt geschlossene Abkommen kommt von den beiden katarischen Gasfeldern North Field East and North Field South, die vor der Küste des Golfstaates liegen.

Dem Branchenverband Zukunft Gas zufolge entspricht die vereinbarte jährliche Menge rund 30 Terawattstunden und damit etwa drei Prozent des derzeitigen Verbrauchs in Deutschland. "Wir müssen aber knapp 500 Terawattstunden ersetzen, die bislang über russische Gaslieferungen gedeckt wurden", sagte Vorstand Timm Kehler. Es gebe noch viel Arbeit, um die Versorgung langfristig zu sichern. Trotzdem sieht der Verband ein "positives Signal für die landbasierten LNG-Terminals".

Bundeskanzler Olaf Scholz (64; SPD) hatte erst in der vergangenen Woche erklärt, der Kauf von verflüssigtem Erdgas in Katar sei nicht vom Tisch. Deutschland versucht, ausbleibende Gaslieferungen aus Russland unter anderem mit LNG-Lieferungen zu ersetzen, für die an Nord- und Ostsee mehrere Terminals gebaut werden.

"15 Jahre ist super"

Robert Habeck

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (53; Grüne) begrüßt das Abkommen: "15 Jahre ist super", sagte Habeck am Dienstag auf einer Industriekonferenz in Berlin. Es hätte auch längere Verträge geben können, machte er deutlich. Zu konkreten Details des Geschäfts wollte sich Habeck nicht äußern, dies sei Sache der Unternehmen.

Mit Blick auf die Laufzeit verwies Habeck darauf, dass Deutschland bis 2045 klimaneutral werden will. Der Gasverbrauch müsse schrittweise verringert werden, sagte er. Habeck war im März in Katar, er war begleitet worden von einer Wirtschaftsdelegation. Das Emirat ist einer der weltweit größten Exporteure von Flüssigerdgas, Katar verfügt nach Russland und dem Iran über die drittgrößten Gasreserven weltweit. Zusammen mit dem Iran teilt sich Katar das weltweit größte Gasfeld, das vor der Küste des Landes liegt. Der allergrößte Teil des Exports geht nach Asien.

Vertrag über 27 Jahre mit China

Zuletzt hatten das Emirat und China ein langfristiges Gasabkommen unterzeichnet. Der Produzent Qatar Energy will über 27 Jahre insgesamt 108 Millionen Tonnen Flüssigerdgas an den chinesischen Konzern Sinopec liefern. Es handele sich um den längsten Gasliefervertrag in der Geschichte der Flüssigerdgasindustrie, hatte Minister Al-Kaabi erklärt.

Die ersten deutschen LNG-Terminals stehen unterdessen kurz vor dem Betriebsbeginn. Zwar sind die Gasspeicher derzeit fast voll, doch verflüssigtes Erdgas soll einen zusätzlichen Beitrag leisten. Wirtschaftsminister Habeck spricht von einem "zentralen Baustein für die Sicherung unserer Energieversorgung im kommenden Winter".

Bisher erhalten Deutschland und andere europäische Länder das über die Niederlande, Belgien oder Frankreich aufgenommene LNG vor allem aus den USA. Habeck bemühte sich auf einer Reise im Frühjahr um Lieferbeziehungen mit Katar. Das Emirat will dem Vernehmen nach Langfristverträge. Weitere wichtige LNG-Ausfuhrländer sind Australien, Malaysia und Nigeria.

Deutschland sei der größte Gasmarkt in Europa, erklärte al-Kaabi auf einer Pressekonferenz mit ConocoPhillips. Katar wolle zur Energiesicherheit beitragen.

hr/reuters, dpa
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