Kampf gegen Corona Auch Deutschland führt Testpflicht für Einreisende aus China ein

In China steigen nach Aufhebung aller Beschränkungen die Corona-Zahlen rasant. Nach einigem Zögern verlangt auch Deutschland "mindestens einen Antigenschnelltest" für Reisende aus China – und will sogar das Abwasser von Flugzeugen checken.
Gesundheitsminister Karl Lauterbach: "Bei der Einreise kann es zu Stichproben kommen, um Virusvarianten zu erkennen"

Gesundheitsminister Karl Lauterbach: "Bei der Einreise kann es zu Stichproben kommen, um Virusvarianten zu erkennen"

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Kay Nietfeld / dpa

Wer künftig aus China nach Deutschland einreisen will, muss vorher einen Antigenschnelltest auf das Coronavirus machen. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (59) teilte am Donnerstag in Berlin eine entsprechende Änderung der deutschen Einreiseverordnung mit. Er reagierte damit auf eine entsprechende Empfehlung der Europäischen Union. Der SPD-Politiker lobte die Entscheidung der EU vom Mittwochabend. "Europa hat eine gemeinsame Antwort auf die Pandemie-Lage in China gefunden", erklärte er. Wann die neuen Regeln in Deutschland gelten sollen, blieb zunächst offen.

Gesundheitsexperten der 27 EU-Staaten hatten sich am Mittwochabend zwar nicht auf eine Testpflicht verständigen können, diese aber nachdrücklich empfohlen. Zudem raten die Experten auch zum Tragen einer medizinischen oder einer FFP2-Maske an Bord der Flugzeuge aus China.

"Für Reisende aus China bedeutet das, dass sie künftig bei Reiseantritt nach Deutschland mindestens einen Antigenschnelltest benötigen und dass es bei der Einreise dann zu Stichproben kommt, um Virusvarianten zu erkennen", teilte der Minister mit. "Darüber hinaus wird es ergänzende Abwasserkontrollen für China-Reisen geben."

Abwasseruntersuchung von Flugzeugen aus China

Am Frankfurter Flughafen werden Abwässer von aus China gelandeten Maschinen bereits untersucht. Der Krisenreaktionsmechanismus der EU hatte am Mittwochabend angesichts der Coronawelle in China empfohlen, dass Flugpassagiere aus der Volksrepublik einen Corona-Test vor Abflug vornehmen lassen müssen.

Die Regierung in Peking hatte Anfang Dezember unter dem Druck von Protesten und einer schwächelnden Wirtschaft eine abrupte Abkehr von ihrer strikten Null-Covid-Politik verkündet. Seitdem rollt eine Corona-Welle durch das Land mit rund 1,4 Milliarden Bewohnern.

Italien: Viele China-Reisende waren positiv

Zugleich nutzen Hunderttausende Chinesen die neue Reisefreiheit. Die Sorge vor massenhaft infizierten Chinesen, die nach Europa einreisen, ist nicht unberechtigt: Italien hatte zur Jahreswende die Virusproben von Passagieren zweier kürzlich durchgeführter Flüge aus China sequenziert. Etwa die Hälfte der Passagiere war positiv getestet worden, obwohl die meisten keine Symptome aufwiesen, berichtet unlängst die Nachrichtenagentur Bloomberg .

Neben Deutschland kündigten nun auch weitere Länder eine Testpflicht an. Aus Belgien und Schweden kamen am Donnerstag entsprechende Meldungen. In Schweden sollen Ankommende aus China beispielsweise ab Samstag und zunächst für drei Wochen einen negativen Test vorweisen. Einreisende auf Direktflügen nach Belgien sollen vor der Abreise künftig einen negativen Test vorweisen müssen. Andere Länder wie Italien, Frankreich oder Spanien hatten die Einreiseregeln in den vergangenen Tagen bereits auf eigene Faust verschärft.

Peking drohte bereits mit Gegenmaßnahmen

Peking kritisierte schon zu Wochenbeginn die verschärften Einreisebestimmungen und drohte mit "Gegenmaßnahmen". Die neuen Test-Regeln seien "diskriminierend" und entbehrten "einer wissenschaftlichen Grundlage". Zugleich aber hat Peking ein Angebot aus Brüssel abgelehnt, kostenlos mRNA-Impfstoff aus überschüssigen Beständen der Europäischen Union zu beziehen.

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist die Durchimpfungsrate in China unzureichend. Zur Bekämpfung des Coronavirus nutzt China nur die im eigenen Land hergestellten Impfstoffe von Sinovac und Sinopharm. Sie gelten als weniger effektiv.

Nach Einschätzung der EU-Gesundheitsbehörde ECDC hat die massive Corona-Welle in China allerdings wohl nur geringe bis keine Auswirkungen auf die epidemiologische Situation in Europa. "Die Varianten, die in China zirkulieren, zirkulieren auch schon in der EU, und stellen als solche keine Herausforderung für die Immunantwort von Bürgern der Europäischen Union und des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) dar", hieß es in einer Mitteilung vom vergangenen Dienstag. Weitere Gründen seien die relativ hohe Immunität und Impfquote unter Bürgern der EU und des EWR.

rei/Reuters/dpa-afx
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