Sonntag, 31. Mai 2020

Kampf gegen Corona Erste deutsche Stadt will Mundschutz-Pflicht einführen

Wird das Tragen von Mundschutz künftig deutschlandweit zur Pflicht? Die WHO ist von der Maßnahme wenig überzeugt
Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa
Wird das Tragen von Mundschutz künftig deutschlandweit zur Pflicht? Die WHO ist von der Maßnahme wenig überzeugt

Die Stadt Jena plant in der Coronavirus-Pandemie eine Maskenpflicht. "In einer Woche soll das Tragen eines Mund-und-Nasen-Schutzes in Jenaer Verkaufsstellen, dem öffentlichen Nahverkehr und Gebäuden mit Publikumsverkehr verpflichtend werden", teilte die Stadt in Thüringen mit. Die Maßnahme sei vom Fachdienst Gesundheit angemahnt worden. Ziel sei es, die Sicherheit des Personals im öffentlichen Leben zu erhöhen. Neben Masken seien auch Tücher oder Schals als Schutz möglich, wenn sie Nase und Mund bedeckten.

Die Stadt hat nach eigenen Angaben eine Grundausstattung an Masken. Damit wolle man Pflegekräfte, Ärzte, Fahrer im öffentlichen Nahverkehr und andere Menschen in systemrelevanter Infrastruktur versorgen. An die Bevölkerung erging die Bitte: "Nähen Sie sich selbst und anderen Menschen den wichtigen Mund-Nasen-Schutz, um die Verbreitung des Virus einzudämmen."

Österreich und Tschechien verhängen Mundschutz-Pflicht

Die österreichische Regierung hatte am Montag unter anderem eine Mundschutz-Pflicht für Einkäufe in Supermärkten angekündigt. Die Supermärkte würden voraussichtlich ab Mittwoch mit der Verteilung von Masken an den Eingängen beginnen. Derzeit werde noch auf Lieferungen gewartet. Bei dem Mund-Nasen-Schutz handele es sich nicht um die hochwertigen Masken, die das Gesundheitspersonal benötigt. Auch Tschechien hat einen Mundschutz-Zwang in der Öffentlichkeit eingeführt.

Außenminister Maaß offen für Mundschutz-Pflicht

Bundesaußenminister Heiko Maas zeigte sich für diese Maßnahme offen. "Wenn es Sinn macht, sollte man so etwas nicht ausschließen", sagte er am Montag in einem "Bild"-Interview. Es müsse dann aber auch sichergestellt sein, dass die Masken geeignet sind, einen selbst oder andere zu schützen. "Es nützt nichts, sich irgendetwas ins Gesicht zu hängen, was überhaupt keine Schutzwirkung entfaltet."


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Maas rief auch zur internationalen Zusammenarbeit bei der Produktion und Verteilung von medizinischen Gütern in der Corona-Krise auf. "Es darf nicht zu einem Kampf oder gar zu einem Krieg um Schutzausrüstung, Beatmungsgeräte oder Masken ausarten." Das sei derzeit eine der größten Aufgaben für die internationale Staatengemeinschaft. "Wenn wir das nicht hinbekommen, glaube ich, werden am Schluss alle, aber alle darunter zu leiden haben."

WHO rät von Mundschutz ab

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus keinen Nutzen im allgemeinen Mundschutztragen. Es gebe keinerlei Anzeichen dafür, dass damit etwas gewonnen wäre, sagte der WHO-Nothilfedirektor Michael Ryan am Montag in Genf. Vielmehr gebe es zusätzliche Risiken, wenn Menschen die Masken falsch abnehmen und sich dabei womöglich infizieren. "Unser Rat: wir raten davon ab, Mundschutz zu tragen, wenn man nicht selbst krank ist", sagte Ryan.

mg/dpa-afx

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