Jahreswirtschaftsbericht Bundesregierung erwartet weniger Wachstum und steigende Inflation

Die Bundesregierung erwartet nur noch 3,6 Prozent Wirtschaftswachstum in diesem Jahr. Die Inflation werde im Schnitt mit 3,3 Prozent höher ausfallen als in 2020, heißt es im Jahreswirtschaftsbericht.
Robert Habeck, Olaf Scholz: Die Bundesregierung senkt die Wachstumsprognose für das laufende Jahr

Robert Habeck, Olaf Scholz: Die Bundesregierung senkt die Wachstumsprognose für das laufende Jahr

Foto: CLEMENS BILAN / EPA

Bereits am Sonntag sickerten erste Gerüchte durch, jetzt ist es offiziell: Die Bundesregierung senkt wegen der anhaltenden Corona-Pandemie ihre Konjunkturprognose für dieses Jahr. Für 2022 erwartet die Regierung ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 3,6 Prozent. Die Vorgängerregierung war im Herbst von 4,1 Prozent ausgegangen. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (52, Grüne) spricht im Jahreswirtschaftsbericht von einer schwierigen wirtschaftlichen "Aufholphase". Das Kabinett beschloss den Bericht am Mittwoch, Habeck wollte ihn im weiteren Tagesverlauf vorstellen.

Im ersten Quartal werde die Wirtschaftsleistung voraussichtlich noch durch die Corona-Pandemie und die entsprechenden Beschränkungen vor allem in den Dienstleistungsbereichen beeinträchtigt, heißt es in dem Bericht. "Mit zunehmender Impfquote sollte es gelingen, das Pandemiegeschehen bald nachhaltig einzudämmen und die Krisenhilfen zurückzufahren", so Habeck. "Dann wird sich auch die wirtschaftliche Erholung zusehends beschleunigen."

2021 legte die deutsche Wirtschaft mit 2,7 Prozent Wachstum zwar wieder zu. Allerdings fiel der vom Statistischen Bundesamt anhand erster Zahlen vermeldete Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts geringer aus als lange erhofft. Im Krisenjahr 2020 war die Wirtschaftsleistung um 4,6 Prozent eingebrochen.

Regierung rechnet mit 3,3 Prozent Jahresinflation

Nach einem Sprung der Inflation auf den höchsten Stand seit fast 30 Jahren können die Menschen in Deutschland nicht auf eine rasche Entspannung hoffen. "Insgesamt wird damit gerechnet, dass der Anstieg des Verbraucherpreisniveaus in diesem Jahr mit jahresdurchschnittlich 3,3 Prozent abermals deutlich ausfällt", heißt es im Jahreswirtschaftsbericht. Im Schnitt des vergangenen Jahres erhöhten sich die Verbraucherpreise um 3,1 Prozent. Vor allem höhere Energiekosten heizen die Inflation an.

Ein zentraler preistreibender Faktor in diesem Jahr bleiben laut Bericht Lieferengpässe etwa bei Halbleitern. Hier sei erst im Jahresverlauf 2022 wieder mit einer allmählichen Entspannung zu rechnen, heißt es im Bericht. Bis dahin dürften die Unternehmen die Preise merklich erhöhen. Außerdem werde es bei den Energiepreisen im ersten Halbjahr zu erhöhten Steigerungsraten gegenüber dem Vorjahr kommen, weil diese Preise erst im Jahresverlauf 2021 so stark zunahmen.

rei/dpa