Wachstumsprognose gesenkt Ifo erwartet bis zu 6,1 Prozent Inflation

Der Ukraine-Krieg wird die deutsche Konjunktur bremsen - unter anderem über stark steigende Preise, sagen Forscher des Ifo-Instituts. Die Inflationsrate könnte auf bis zu 6,1 Prozent klettern.
Energie bleibt teuer: Ob Spritpreise, Heizöl oder Strom - die hohen Energiekosten treiben die Inflation weiter an und mindern die Kaufkraft

Energie bleibt teuer: Ob Spritpreise, Heizöl oder Strom - die hohen Energiekosten treiben die Inflation weiter an und mindern die Kaufkraft

Foto: IMAGO/Revierfoto

Russlands Krieg in der Ukraine bremst die Wirtschaft und beschleunigt nach Einschätzung des Ifo-Instituts die Inflation in Deutschland. "Wir erwarten in diesem Jahr nur noch zwischen 2,2 und 3,1 Prozent Wachstum", sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser am Mittwoch. Bisher hatten die Münchner Ökonomen und Regierungsberater noch mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 3,7 Prozent gerechnet. Die Inflation dürfte auf 5,1 bis 6,1 Prozent steigen. Das wäre die höchste Rate seit 1982. Im Dezember waren die Ökonomen noch von 3,3 Prozent ausgegangen.

Durch den Anstieg der Verbraucherpreise gehe allein bis Ende März Kaufkraft von etwa 6 Milliarden Euro verloren. Die vollen Auftragsbücher der Industrie und die Normalisierung bei der Pandemie gäben der Konjunktur zwar einen kräftigen Schub. Aber der Krieg "dämpft die Konjunktur über deutlich gestiegene Rohstoffpreise, die Sanktionen, zunehmende Lieferengpässe bei Rohmaterialien und Vorprodukten sowie erhöhte wirtschaftliche Unsicherheit", sagte Wollmershäuser.

Viel hängt von der Entwicklung der Energiepreise ab

Wegen der unsicheren Lage berechnete das Ifo-Institut zwei Prognosen, die unter anderem eine unterschiedliche Entwicklung der Energiepreise unterstellen. Sie wirken sich in diesem Jahr insbesondere auf die privaten Konsumausgaben aus: Diese könnten zwischen 3,7 und 5,0 Prozent steigen. Die Ausrüstungsinvestitionen der Unternehmen dürften zwischen 0,0 und 3,9 Prozent klettern. Die Arbeitslosigkeit allerdings werde kaum unterschiedlich ausfallen, hier rechnet das Ifo mit 2,26 bis 2,29 Millionen Menschen. "Jedoch dürfte die Kurzarbeit im pessimistischen Szenario deutlich zunehmen."

Das optimistische Szenario nimmt an, dass der Ölpreis von rund 101 Euro pro Fass schrittweise sinkt auf 82 Euro Ende 2022, und der Preis für Erdgas parallel dazu von 150 Euro pro Megawattstunde auf 108 Euro fällt. Im pessimistischen Szenario steigt Öl auf 140 Euro pro Fass bis Mai und sinkt dann erst ab auf 122 Euro zum Jahresende. Erdgas dürfte hierbei bis Mai auf 200 Euro steigen und dann nach und nach auf 163 Euro pro Megawattstunde sinken.

Im Dezember hatte das Ifo-Institut seine BIP-Schätzung wegen der verschärften Corona-Lage und hoher Inflation bereits von 5,1 Prozent deutlich gesenkt. Auch andere führende Forschungsinstitute wie das Kieler IfW, das Essener RWI oder das IWH aus Halle haben ihre Wachstumsprognosen wegen der Folgen des Ukraine-Kriegs vor kurzem massiv gestutzt

rei/dpa-afx/Reuters