Weniger Firmen erhöhen Preise Ifo erwartet bald sinkende Inflation

Das Ifo-Institut sieht erste Zeichen für ein Abflauen der Inflation in der zweiten Jahreshälfte. Grund dafür ist, dass per Saldo weniger Firmen die Preise erhöhen wollen, wie die Münchner Wirtschaftsforscher am Freitag unter Berufung auf eine Befragung mitteilten.
Höchster Stand seit Ende 1981: Derzeit liegt die Inflation in Deutschland bei 7,4 Prozent

Höchster Stand seit Ende 1981: Derzeit liegt die Inflation in Deutschland bei 7,4 Prozent

Foto: NICHOLAS KAMM / AFP

Das Ifo-Institut rechnet mit einem allmählichen Abflauen der deutschen Inflation ab Jahresmitte. Grund dafür ist, dass im Mai erstmals seit Monaten der Anteil der Firmen sank, die ihre Preise in den kommenden drei Monaten erhöhen wollen, wie die Münchner Forscher am Freitag mitteilten. Er fiel auf 57,8 Punkte, von 61,8 im April. "Das ist immer noch der zweithöchste Wert seit 2005", erklärte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Aber die Tendenz spreche dafür, dass die Monatsraten der Inflation in der zweiten Jahreshälfte langsam von über sieben Prozent auf unter sechs Prozent sinken dürften. "Für das Gesamtjahr rechnen wir mit rund sechs Prozent."

Derzeit liegt die Inflation in Deutschland bei 7,4 Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit Ende 1981. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht die Mai-Daten am Montagnachmittag. Wie aus einer Reuters-Umfrage unter 15 Analysten hervorgeht, dürfte die Inflationsrate sogar auf 7,6 Prozent gestiegen sein. Dies wäre dann der höchste Stand seit Februar 1974. Der Ukraine-Krieg hat die Preise für Energie und Rohstoffe massiv in die Höhe getrieben. Allerdings verteuern sich auch Nahrungsmittel spürbar.

In der Euro-Zone dürfte die Inflationsrate ebenfalls steigen und einen neuen Rekord erreichen. Der Reuters-Umfrage zufolge wird die für Dienstag anstehende Jahresteuerung im Währungsraum auf 7,7 Prozent klettern, nach 7,4 Prozent im April. "Im Euro-Raum ist ein Erklimmen der Acht-Prozent-Marke möglich", erklärten die Volkswirte der BayernLB. Die Experten von UniCredit gehen davon aus, dass sich der Preisschub seinem Höhepunkt nähert. Der Chefökonom der Berliner Sparkasse, Uwe Dürkop, erwartet, dass Eingriffe der Politik den Anstieg der Energiepreise vorübergehend zwar begrenzen. "Doch dürften sich Nahrungsmittel nochmals verteuert haben, so dass die Gesamtrate noch weiter steigt."

Die Ausnahme bei den vom Ifo befragten Branchen bildet der Einzelhandel, wo der Anteil der Firmen mit Preiserhöhungen im Mai etwas kletterte, von 75,6 auf 77,4 Punkte. Der Anteil der Industriefirmen, die ihre Preise anheben wollen, sank von 72,6 auf 67,4 Punkte, im Großhandel von 79,3 auf 68,1, bei den Dienstleistern von 51,4 auf 46,7 und am Bau von 64,7 auf 56,9.

Die Stimmung der deutschen Wirtschaft hat sich im Mai trotz vieler Risiken insgesamt aufgehellt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg auf 93,0 Punkte von 91,9 Zählern im Vormonat und damit das zweite Mal in Folge. Von Januar bis März wuchs die Wirtschaft zwar um 0,2 Prozent. Im laufenden zweiten Quartal könnte das Bruttoinlandsprodukt wegen des Kriegs in der Ukraine, der hohen Inflation und der Corona-Lockdowns in China allerdings schrumpfen.

sio/Reuters