Inflation Erzeugerpreise steigen mit Rekordtempo

Deutsche Hersteller haben ihre Preise im August wegen enorm hoher Energiekosten um durchschnittlich 45,8 Prozent angehoben – das ist der stärkste Anstieg gegenüber dem Vorjahresmonat seit Beginn der Erhebung im Jahr 1949.
"Unfassbarer Preishammer": Die Energiekosten lagen im August 139 Prozent höher als vor einem Jahr

"Unfassbarer Preishammer": Die Energiekosten lagen im August 139 Prozent höher als vor einem Jahr

Foto: IMAGO/Christian Ohde

In Deutschland hat sich der Preisauftrieb auf Herstellerebene auf bereits hohem Niveau erheblich verstärkt. Die Produzentenpreise erhöhten sich im August gegenüber dem Vorjahresmonat um 45,8 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte. Das ist deutlich mehr als der Zuwachs im Juli von 37,2 Prozent und der stärkste Anstieg seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1949. Die Erwartungen von Analysten, die im Schnitt mit plus 36,8 Prozent gerechnet hatten, wurden deutlich übertroffen.

Auch im Monatsvergleich erhöhten sich die Preise, die Produzenten für ihre Produkte erhalten, so stark wie nie. Der Anstieg von Juli auf August betrug 7,9 Prozent. Analysten hatten im Schnitt lediglich einen Zuwachs um 2,4 Prozent erwartet.

Ökonomen zeigten sich überrascht von der Stärke der Inflation auf Erzeugerebene. "Ein unfassbarer Preishammer", kommentierte LBBW-Volkswirt Jens-Oliver Niklasch die Entwicklung. "Das alles verheißt nichts Gutes für die Inflation. Sie ist gekommen, um zu bleiben." Die Produzentenpreise gelten als Vorläufer für die Entwicklung der allgemeinen Inflation.

Hauptgrund für den Preisschub ist laut Bundesamt die Entwicklung der Energiepreise. Diese lagen im August 139 Prozent höher als vor einem Jahr. Allein zum Vormonat verteuerte sich Energie um mehr als 20 Prozent. Strom war knapp 175 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Erdgas kostete mit einem Anstieg um gut 209 Prozent mehr als dreimal so viel wie vor einem Jahr. Neben Energie zogen auch die Preise für Vorleistungsgüter, Investitionsgüter sowie Gebrauchs- und Verbrauchsgüter deutlich an.

"Auch bei der Verbraucherpreisinflation ist mit neuen Rekordwerten zu rechnen"

"Damit enthalten die heutigen Erzeugerpreise eine gemischte Botschaft. Zwar macht die abnehmende Dynamik bei den Vorleistungsgüterpreisen Mut, dass auch der Anstieg bei den Verbraucherpreisen in den kommenden Monaten seinen Hochpunkt erreichen wird", so Ralph Solveen, Commerzbank-Ökonom, "allerdings zeigt der neuerliche Schub bei den Energiepreisen, dass hier ein beträchtliches Unsicherheitspotenzial liegt, und dass in den kommenden Monaten wohl auch bei der Verbraucherpreisinflation mit neuen Rekordwerten zu rechnen ist."

Die Erzeugerpreise wirken sich auf die Verbraucherpreise aus, an denen die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik ausrichtet. Sowohl in Deutschland als auch der Eurozone liegt die Inflation weit über dem mittelfristigen Preisziel der EZB von zwei Prozent. Die EZB stemmt sich mittlerweile mit deutlichen Zinsanhebungen gegen die hohe Teuerung. Sie hat aber wesentlich später mit Zinsanhebungen begonnen als andere Notenbanken.

hr/Reuters/DPA
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