Öl, Fleisch, Butter Inflation verteuert Lebensmittel erheblich

Im Mai lagen die Verbraucherpreise um 7,9 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats, bestätigte das Statistische Bundesamt. Inflationsraten auf dem derzeitigen Niveau gab es im wiedervereinigten Deutschland noch nie.
Inflation bei 7,9 Prozent: Vor allem Grundnahrungsmittel, wie Brot, Speiseöle oder Milchprodukte werden teurer

Inflation bei 7,9 Prozent: Vor allem Grundnahrungsmittel, wie Brot, Speiseöle oder Milchprodukte werden teurer

Foto: Michael Probst / AP

Die Inflation in Deutschland nimmt weiter Fahrt auf, ein Ende ist nicht in Sicht. Mit 7,9 Prozente erreichte die Inflationsrate nun den dritten Monat in Folge einen neuen Höchststand seit der Wiedervereinigung, wie das Statistische Bundesamt mitteilte und bestätigte damit eine erste Schätzung vom 30. Mai. Treiber der Inflation waren erneut vor allem Energieprodukte, doch auch Nahrungsmittel legten deutlich im Preis zu.

Im März 2022 hatte die Inflationsrate bereits bei 7,3 Prozent und im April dann bei 7,4 Prozent gelegen. Im Vergleich zum Vormonat April legten die Verbraucherpreise im Mai um 7,9 Prozent zu. "Eine ähnlich hohe Inflationsrate gab es zuletzt im Winter 1973/1974 im früheren Bundesgebiet", erklärte Behördenpräsident Georg Thiel (65). Damals waren infolge der ersten Ölkrise die Mineralölpreise stark gestiegen.

Auch aktuell sind vor allem Preiserhöhungen bei Energie die Hauptursache für die hohe Inflation. Energie verteuerte sich im Mai binnen eines Jahres um 38,3 Prozent. Die Preise für leichtes Heizöl verdoppelten sich nahezu (plus 94,8 Prozent); Erdgas verteuerte sich um 55,2 Prozent und Kraftstoffe wurden um 41,0 Prozent kostspieliger. Strom legte um 21,5 Prozent zu.

Krieg in der Ukraine beeinflusst Inflationsrate stark

Seit Beginn des Kriegs in der Ukraine habe sich der bereits zuvor beobachtete Anstieg der Preise für Energie merklich verstärkt und beeinflusse die Inflationsrate erheblich, hob das Statistikamt hervor. Hinzu kommen Lieferengpässe durch unterbrochene Lieferketten, auch aufgrund der Corona-Pandemie, sowie "deutliche Preisanstiege auf den vorgelagerten Wirtschaftsstufen."

"Aber wir beobachten auch Preisanstiege bei vielen anderen Gütern, besonders bei den Nahrungsmitteln", erklärte Thiel. Die Preise für Lebensmittel stiegen im Vergleich zum Mai 2021 um 11,1 Prozent. Damit habe sich der Preisauftrieb nach einem Plus von 8,6 Prozent im April erneut deutlich verstärkt, erklärte das Bundesamt.

Erheblich teurer wurden Speisefette und Speiseöle (plus 38,7 Prozent). Auch für Fleisch und Fleischwaren (plus 16,5 Prozent), Molkereiprodukte und Eier (plus 13,1 Prozent) sowie Brot und Getreideerzeugnisse (plus 10,8 Prozent) beobachteten die Statistiker Teuerungsraten im zweistelligen Bereich. Ohne die Bereiche Energie und Nahrungsmittel hätte die Inflationsrate im Mai laut Bundesamt bei 3,8 Prozent gelegen.

Das macht sich auch bei den Landwirten bemerkbar. Zu Beginn der Frühkartoffel-Ernte in der Pfalz hat die Erzeugergemeinschaft "Pfälzer Grumbeere" den Kostenanstieg für Landwirte im Vergleich zu 2021 auf 25 zu 30 Prozent geschätzt. "Der inflations- und kriegsbedingte Kostendruck, der angesichts der explodierenden Preise für Dünger oder Diesel auf den einzelnen Erzeugerbetrieben lastet, ist immens", sagte der Vorsitzende Hartmut Magin am Dienstag.

Wenig Hoffnung auf baldiges Absinken der Inflationsrate

Ein Ende der Situation ist nicht in Sicht. Der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, Sebastian Dullien, machte am Dienstag wenig Hoffnung auf ein baldiges Absinken der Inflationsrate. "Da sich bei den Preisen für Energie und Nahrungsmitteln auf dem Weltmarkt bislang keine Entspannung abzeichnet, dürfte auch die Inflation in Deutschland in den kommenden Monaten mindestens bis zum Jahresende hoch bleiben", erklärte er.

Die Linke sieht angesichts der enormen Preissteigerungen Millionen von Beschäftigten des Niedriglohnsektors "in einem finanziellen Überlebenskampf", wie Bundestagsfraktionschef Dietmar Bartsch (64) der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte. Er sprach von einem "Inflationstsunami".

Er forderte ein neues Entlastungspaket. "Die Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel sollte zumindest zeitweise auf null gesetzt werden", so Bartsch, Die Konzerne müssten verpflichtet werden, die Steuersenkung weiterzugeben.

mje/dpa/reuters