Mittwoch, 21. August 2019

Streit um ökologische und soziale Standards Wirbel um indirekten Boykottaufruf von CSU-Minister

Stein des Anstoßes: Nationaltrikots von Adidas

2. Teil: Adidas erbost, Minister soll seine Behauptung widerrufen

Die betroffenen Konzerne zeigten sich indes wenig erfreut über Müllers Äußerungen, insbesondere Adidas. "Wir sind äußerst verwundert über die in der FAZ veröffentlichten Aussagen von Herrn Minister Müller und weisen seine faktisch falschen Vorwürfe mit Entschiedenheit zurück", erklärte eine Sprecherin auf Anfrage von manager magazin online.

Der Minister habe sich vor seinen Aussagen offensichtlich nicht ausreichend über die Beschaffungsaktivitäten von Adidas informiert. "Wir beziehen die deutschen Nationaltrikots aus China, nicht aus Bangladesch." Die Liste aller WM-Zulieferer hätte Mülller indes bereits 2013 auf der Website des Konzerns studieren können. Bangladesch tauche darauf genauso wenig auf wie die von dem Minister erwähnten afrikanischen Länder, betont die Sprecherin weiter.

Unabhängige Organisationen wie etwa der Dow Jones Sustainability Index zeichneten Adidas seit Jahren als führendes Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit und Arbeitsbedingungen in der Beschaffungskette aus, führte das Unternehmen weiter an. Man lade den Minister gern zu einem aufklärenden Gespräch nach Herzogenaurach ein, sagte die Sprecherin, machte aber unmissverständlich klar: "Gleichzeitig fordern wir ihn auf, Abstand von diesen faktisch falschen Vorwürfen zu nehmen."

Shell gibt sich etwas moderater

Shell reagierte etwas moderater auf die Vorwürfe des Ministers. Der Konzern sei extrem um Transparenz bemüht und reinige alle Austritte aus den eigenen Anlagen, teilte Shelll auf Anfrage mit.

Ein großes Problem im Nigerdelta seien Sabotage und kriminelle Handlungen. "In den letzten fünf Jahren gingen circa 30 Prozent der Austritte auf Verschulden von Shell zurück - Korrosion, technische Mängel oder menschliches Versagen. Dies bedauern wir und arbeiten daran, dies zu verbessern", hieß es. " Wir sind uns bewusst, dass jeder Austritt ein Austritt zu viel ist."

Mit seinem unternehmenskritischen Äußerungen steht CSU-Mann Müller in krassen Gegensatz zu seinem mittlerweile zum Rüstungskonzern Rheinmetall gewechselten Vorgänger Dirk Niebel (FDP). Dieser hatte sich auf die Fahnen geschrieben, die Wirtschaft in die deutsche Entwicklungspolitik stärker einzubinden.

Müller sieht seinen Ansatz hingegen deutlich breiter - "in den Überlebensfragen der Menschheit", wie er kürzlich in einem Interview mit Zeit online formulierte. Deutschland stehe "als reichste Industrienation" und jeder Einzelne in der Pflicht, einen Beitrag gegen die Armut zu leisten, erklärte er.

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