Tarifkonflikt IG Metall beginnt Warnstreiks

Die IG Metall fordert 8 Prozent mehr Lohn: Sechs Wochen nach Verhandlungsbeginn präsentieren nun die Arbeitgeber einen ersten Vorschlag. Die Auseinandersetzung wird schärfer.
IG Metall: Die Gewerkschaft fordert für die 3,8 Millionen Einnahmen in der Metall- und Elektroindustrie acht Prozent mehr Lohn

IG Metall: Die Gewerkschaft fordert für die 3,8 Millionen Einnahmen in der Metall- und Elektroindustrie acht Prozent mehr Lohn

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

In der Metallindustrie stehen nach einer ergebnislosen dritten Verhandlungsrunde erste Warnstreiks in der Nacht von Freitag auf Samstag bevor. Die Gewerkschaft IG Metall kündigte in Bayern und Baden-Württemberg am Donnerstag erste Arbeitsniederlegungen in Nachtschichten an. Die Arbeitgeber hatten in der dritten Runde eine Offerte vorgelegt. Sie bieten nach Angaben des Dachverbandes Gesamtmetall bundesweit eine steuer- und abgabenfreie Inflations-Ausgleichsprämie in Höhe von 3000 Euro für eine Laufzeit von 30 Monaten. Eine dauerhaft wirksame Tabellenerhöhung sei denkbar.

Die Chefs der großen beiden IG-Metall-Bezirke, Johann Horn und Roman Zitzelsberger, wiesen das als völlig unzureichend zurück. "Jetzt geht's in die Warnstreiks", erklärte Zitzelsberger in Böblingen.

Die IG Metall fordert für die 3,8 Millionen Einnahmen in der Metall- und Elektroindustrie acht Prozent mehr Lohn bei zwölf Monaten Laufzeit. Der bayerische Verhandlungsführer Horn sagte, es sei eigentlich kein Angebot, weil die Arbeitgeber gar nicht auf die Gewerkschaftsforderung eingingen. "Damit provozieren die Arbeitgeber den Widerstand der ersten." Zudem seien keine Zeitpunkte für die Auszahlung der 3000 Euro oder die Tabellenerhöhungen genannt. Zitzelsberger bezifferte die Pauschale auf ein Plus von zwei Prozent. "Dem Angebot fehlt der Wumms", sagte Daniel Friedrich, Verhandlungsführer bei der IG Metall Küste. Außer bei der Einmalzahlung blieben die Arbeitgeber im Ungefähren. "Und dafür verlangen sie eine automatische Differenzierung und auch noch die Möglichkeit.

Rezession trifft Firmen schwer

Eine Einmalzahlung hilft unmittelbar und besonders den Arbeitnehmern in den unteren Lohngruppen, sagte Gesamtmetall-Präsident Stefan Wolf. Die Arbeitgeber zeigen damit ihre Bereitschaft, vorhandene Spielräume zu nutzen. Die Arbeitgeber argumentieren mit der einsetzenden Rezession, die viele Firmen schwer treffen werden. Der Verhandlungsführer des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall, Harald Marquardt, erklärte, die Pauschale bedeute ein Plus von mehr als zehn Prozent in der unteren Entgeltgruppe. Die Forderung der IG Metall bedeute, die Belastung durch die höheren Verbraucherpreise komplett den Unternehmen aufzubürden. Die litten aber genauso stark unter Inflation. Die Maßnahmen der Politik kompensierten die Inflation bei einem Durchschnittsverdiener um vier bis sieben Prozent.

In den kommenden zwölf Monaten gebe es kein Wachstum, das verteilt werden könne, erklärte Gesamtmetall-Chef Stefan Wolf. "Selbst das gewerkschaftseigene Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) rechnet für 2023 mit Schrumpfen der Wirtschaft statt mit einem Wachstum." Die Verhandlungen werden nach Angaben der IG Metall in Bayern und Baden-Württemberg am 8. November.

In der Chemie-Industrie vereinigten sich Gewerkschaft und Arbeitgeber vergangene Woche auf ein neues Tarifpaket. Es sieht Sonderzahlungen von insgesamt 3000 Euro sowie tabellenwirksame Entgelterhöhungen von jeweils 3,25 Prozent zum Januar 2023 und Januar 2024 vor. Die Laufzeit endet am 30. Juni 2024. Der Chef der Chemiegewerkschaft IG BCE, Michael Vassiliadis, sieht in dem Abschluss Signalwirkungen auch für andere Branchen.

sio/Reuters
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