Ifo-Geschäftsklima Wirtschaft schaltet einen Gang höher

Nicht mehr allein: Die deutsche Wirtschaft brummt bereits und die Unternehmen rechnen auch mit einer Erholung in den Nachbarländern. Das Geschäftsklima ist so gut wie seit 18 Monaten nicht mehr. Manager rechnen fest mit dem Aufschwung in Europa.
Baukräne in Stuttgart: Lange war Deutschland die Konjunkturlokomotive in Europa. Nun wachsen die Hoffnungen, dass mit dem Ende der Rezession in Europa auch die Nachfrage in den Nachbarländern wieder anzieht

Baukräne in Stuttgart: Lange war Deutschland die Konjunkturlokomotive in Europa. Nun wachsen die Hoffnungen, dass mit dem Ende der Rezession in Europa auch die Nachfrage in den Nachbarländern wieder anzieht

Foto: Christoph Schmidt/ picture alliance / dpa

München - In den Chefetagen der deutschen Wirtschaft setzen die Manager fest auf den Aufschwung. Die Stimmung der Vorstände ist so gut wie seit fast anderthalb Jahren nicht mehr. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im August auf 107,5 Zähler von 106,2 Punkten im Juli, wie das Münchner Institut am Dienstag zu seiner Umfrage mitteilte.

Das ist bereits der vierte Anstieg in Folge und zugleich der höchste Wert seit April 2012. Ökonomen hatten mit 107,0 Zählern gerechnet. "Die deutsche Wirtschaftschaltet einen Gang höher", sagte Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen.

Die Unternehmer schätzten auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate besser als im Vormonat ein. Das Barometer legte auf 103,3 Zähler von 102,4 Punkten zu. Zudem wurde die Lage deutlich besser bewertet. "Wir befinden uns im Aufschwung", sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe. Das Barometer für das Verarbeitende Gewerbe stieg ebenfalls auf den höchsten Wert seit April 2012.

Dabei verbesserten sich sowohl die Lage als auch die Geschäftsaussichten. Die Firmen erwarten insbesondere stärkere Impulse vom Exportgeschäft. Im Einzelhandel trübte sich die Stimmung hingegen leicht ein. Dabei wurde die Lage etwas schlechter eingeschätzt, während sich die Geschäftserwartungen leicht aufhellten.

Großhandel zeigt sich optimistisch - Euphorie am Bau ebbt ab

Im Großhandel hat sich das Geschäftsklima sogar deutlich verbessert, während die Stimmung in der Baubranche gesunken ist. Sie liegt jedoch weiterhin deutlich über dem langfristigen Durchschnitt. "Die Euphorie am Bau ebbt zwar etwas ab, die Geschäfte laufen aber weiterhin sehr gut", so Wohlrabe. "Die erneute Verbesserung des Geschäftsklimas passt ins Bild. Die Konjunktur hat im zweiten Quartal überzeugt, eineinhalb Jahre Rezession in Europa sind erst einmal vorbei", sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner.

In Deutschland hat die Wirtschaft nach der Winterflaute sogar wieder kräftig Wind unter den Segeln: Die Wirtschaftsleistung legte im Frühjahr um 0,7 Prozent zu. Neben den steigenden Konsumausgaben der Verbraucher hatten dabei auch anziehende Investitionen zum Wachstum beigetragen.

Das Ifo-Institut wertet dies als Zeichen dafür, dass sich der Investitionsstau in Deutschland auflöst. Insbesondere im Verarbeitenden Gewerbe berichteten Firmen davon, dass sie ihre Produktpalette ausweiten wollten.

Dax gibt deutlich nach: Syrien wiegt schwerer als ifo-Index

An der Börse verpufften die positiven Konjunkturdaten weitgehend: Sorgen um einen möglichen Militärschlag der USA gegen Syrien belasteten den deutschen Aktienmarkt, der Dax  baute seine Verluste auf rund 1,5 Prozent aus.

Der Ifo-Index wird monatlich durch die Befragung von rund 7000 Unternehmen ermittelt. Den letzten deutlichen Rückgang des Ifo-Index hatte es im Januar gegeben. Seither ging es lediglich im März und April zweimal in Folge leicht abwärts. Erst nach drei Veränderungen in eine Richtung sprechen Volkswirte von einer möglichen Trendwende.

ts/dpa-afx/reuters
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