Ifo, IMK, IW Prognosen der Wirtschaftsforscher driften auseinander

4,9 Prozent oder nur 3 Prozent? Zwischen den aktuellen Wachstumsprognosen für die deutsche Wirtschaft liegen Welten - zwei Institute haben den Ausblick gesenkt, eines zeigt sich optimistisch. Alle Prognosen eint: Corona bleibt die große Unbekannte.
Schemenhaft: Der nur schwer abzuschätzende Verlauf der Pandemie in Deutschland prägt die Konjunkturprognosen der wichtigsten Wirtschaftsforschungsinstitute

Schemenhaft: Der nur schwer abzuschätzende Verlauf der Pandemie in Deutschland prägt die Konjunkturprognosen der wichtigsten Wirtschaftsforschungsinstitute

Foto: Boris Roessler/ dpa

Trotz des verlängerten Lockdowns wird sich die Wirtschaft dieses Jahr nach Ansicht der Ökonomen des gewerkschaftsnahen Instituts IMK kräftig erholen. Die Düsseldorfer Volkswirte sagen für 2021 ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 4,9 Prozent voraus.

Ganz anders sehen es die Forscher des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Das IW hat am Mittwoch seine BIP-Prognose für das laufende Jahr von 4 auf 3 Prozent gesenkt, ebenso das Ifo-Institut, das jetzt statt 4,2 "nur" noch 3,7 Prozent Wirtschaftswachstum erwartet. Zuvor hatten bereits die Wirtschaftsweisen mit plus 3,1 Prozent ihre Prognose um 0,6 Prozentpunkte zurückgeschraubt.

Treibende Kräfte des Wachstums sind laut IMK in diesem Jahr der sehr dynamische Außenhandel und der private Konsum: Letzterer werde in Schwung kommen, wenn Einschränkungen gelockert würden und die Verbraucher das in der Krise angesparte Geld ausgeben könnten. Auch Investitionen lieferten voraussichtlich spürbare positive Impulse, wie sich aus der Prognose des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung ergibt.

"Medizinisch ist die Corona-Pandemie leider längst noch nicht besiegt und damit bleiben Risiken. Aber ökonomisch stehen die Zeichen nach dem harten Jahr 2020 erst einmal auf Entspannung", so der wissenschaftliche Direktor des IMK, Sebastian Dullien.

Vor allem wegen der nicht abflauenden Pandemie haben die IW-Forscher ihre Konjunkturprognose gesenkt. Die deutsche Wirtschaft werde im laufenden Jahr um 3 Prozent wachsen und 2022 um 4 Prozent, erklärte das IW. Im Dezember waren die Kölner Ökonomen für 2021 noch von vier Prozent Wachstum ausgegangen. "Bisher haben die Lockdowns bereits 250 Milliarden Euro gekostet. Derzeit läuft ein Wettlauf zwischen Injektionen und Infektionen", sagte IW-Direktor Michael Hüther (58).

"Wir müssen schnell impfen, um möglichen Resistenzen durch Mutationen zuvorzukommen." Ein langer dritter Lockdown wäre ein teurer Rückschlag für Unternehmer und Einzelhändler. "Zudem würde die Spaltung der Volkswirtschaft in eine robuste Industrie und darbende Lockdown-Branchen immer tiefer gehen und weitreichende soziale Folgen haben", warnte Hüther.

IW warnt vor Spaltung der Volkswirtschaft

Erst Anfang 2022 werde die Wirtschaft wieder ihr Vorkrisenniveau erreichen. Der private Konsum, der 2020 noch um 6 Prozent eingebrochen war, werde in diesem Jahr insgesamt nur stagnieren. Denn steigende Infektionen und anhaltende Geschäftsrestriktionen halten die Menschen laut IW vom Geldausgeben ab. "Wenn das Impfen gelingt, ist im zweiten Halbjahr 2021 mit einer kräftigen Belebung samt Nachholeffekten zu rechen, was aber nicht für ein Gesamtjahresplus reicht."

Das Ifo-Institut begründete seine gegenüber Dezember gesenkte Prognose ebenfalls mit der anhaltenden Corona-Krise. "Sie verschiebt den erwarteten kräftigen Aufschwung nach hinten", betonte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser (49) am Mittwoch. Die Corona-Krise dürfte bis Ende nächsten Jahres voraussichtlich 405 Milliarden Euro kosten, gemessen an entfallender Wirtschaftsleistung.

Corona-Krise könnte bis Ende 2022 405 Milliarden Euro kosten

Die Wirtschaftsleistung war im vergangenen Jahr um 4,9 Prozent eingebrochen. Die Zahl der Arbeitslosen dürfte nach der Ifo-Prognose dieses Jahr leicht zurückgehen von 2,70 auf 2,65 Millionen. Die Arbeitslosenquote würde damit von 5,9 auf 5,8 Prozent sinken. Die Verbraucherpreise dürften um 2,4 Prozent steigen. Die Prognose hänge allerdings entscheidend vom weiteren Verlauf der Krise ab, betonten auch die Wirtschaftsforscher des Ifo.

rei/dpa-afx/Reuters