Handel im Stimmungstief Ifo-Geschäftsklimaindex fällt zum dritten Mal in Folge

Die Stimmung in Deutschlands Unternehmen ist so schlecht wie seit zwei Jahren nicht mehr. Das Ifo-Institut geht davon aus, dass die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal sinken wird. Auch die Inflation wird wohl weiter anziehen.
Die hohe Inflation belastet den Konsum: "Im Handel ist die Stimmung richtig schlecht"

Die hohe Inflation belastet den Konsum: "Im Handel ist die Stimmung richtig schlecht"

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Markus Scholz/ picture alliance/dpa

Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hat sich im August zum dritten Mal in Folge eingetrübt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel zwar nur minimal um 0,2 auf 88,5 Punkte, aber zugleich auf den tiefsten Stand seit Juni 2020, wie das Münchner Ifo-Institut am Donnerstag zu seiner Umfrage unter rund 9000 Führungskräften mitteilte. Ökonomen hatten sogar einen Rückgang auf 86,8 Punkte erwartet.

"Die Unsicherheit unter den Unternehmen bleibt hoch", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest (54). "Die Wirtschaftsleistung dürfte im dritten Quartal schrumpfen." Die Befragten äußerten sich zu ihrer Geschäftslage und zu den Aussichten etwas skeptischer als zuletzt.

Der Ukraine-Krieg, die Inflation und die Lieferengpässe  bremsen die Wirtschaft spürbar. "Eine Rezession ist nicht vom Tisch", sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe. "Wir gehen davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal um etwa ein halbes Prozent schrumpfen wird." Im Frühjahr hatte die deutsche Wirtschaft trotz der Folgen des Ukraine-Krieges noch ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent geschafft. Doch die Aussichten sind trübe: Die Bundesbank erwartet, dass die Wirtschaftsleistung im Sommer "in etwa auf der Stelle treten" wird und es im Winterhalbjahr auch als Folge der Gaskrise zur Rezession kommen könnte.

Dies sehen viele Fachleute ähnlich. "Verbraucher und Unternehmen leiden unter der Gaskrise, zumal die Konsumenten ihre Corona-Ersparnisse offenbar schon verbraucht haben", sagte Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer. "Wir erwarten für das zweite Halbjahr und das erste Quartal nächsten Jahres mehr denn je eine Rezession."

Lieferengpässe haben sich verringert

Immerhin haben sich die Lieferengpässe in der deutschen Industrie im August deutlich verringert. 62,0 Prozent der Unternehmen klagten über Material- und Lieferengpässe und damit so wenig wie seit gut einem Jahr nicht mehr, wie Ifo-Experte Wohlrabe weiter mitteilte. Im Juli waren es noch mehr als 73 Prozent. "Das ist zwar noch keine Entspannung, aber ein positives Signal", sagte der Experte. Die Knappheiten – etwa bei wichtigen Bauteilen wie Halbleitern – haben die Produktion in den vergangenen Monaten gedämpft und damit die Konjunktur belastet.

Keine Entspannung ist dagegen bei der Inflation in Sicht. "Immer noch knapp jedes zweite Unternehmen will in den kommenden drei Monaten die Preise erhöhen", sagte Wohlrabe. "Preiserhöhungen bleiben damit auf der Agenda." Die Verbraucherpreise sind zuletzt um 7,5 Prozent gestiegen. Für den Herbst werden sogar Inflationsraten von um die 9 Prozent erwartet.

Das lässt den Handel bereits um das Geschäft bangen. "Im Handel ist die Stimmung richtig schlecht", sagte Wohlrabe. "Die hohe Inflation belastet." Ähnlich sieht es im Gastgewerbe aus, das sich in diesem Sommer über gut gefüllte Restaurants und Hotels freuen kann. "Aber auch hier haben sich die Aussichten deutlich eingetrübt", sagte der Experte. "Das Gastgewerbe befürchtet, dass sich die Gäste wegen der hohen Inflation künftig zurückhalten werden." Im verarbeitenden Gewerbe blieb das Geschäftsklima dagegen unverändert, bei den Dienstleistern hellte es sich leicht auf, ebenso am Bau.

Das Ifo-Geschäftsklima gilt als Deutschlands wichtigster konjunktureller Frühindikator und basiert auf einer Umfrage unter etwa 9000 Unternehmen.

mg/Reuters, dpa-afx
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