Koalitionsstreit Zwei Drittel wollen nach Corona im Homeoffice bleiben

Für die meisten Beschäftigten im Homeoffice überwiegen die Vorteile. Ein Rechtsanspruch auf wenigstens 24 Tage im Jahr, wie von Arbeitsminister Hubertus Heil vorgeschlagen, stößt in der Union aber auf Widerstand.
Homeoffice wird für rund 15 Millionen Beschäftigte zur Normalität

Homeoffice wird für rund 15 Millionen Beschäftigte zur Normalität

Foto: Jens Kalaene / picture alliance/dpa

Rund zwei Drittel der Arbeitnehmer wollen einer Befragung zufolge auch nach der Coronavirus-Krise einige Tage pro Woche im Homeoffice arbeiten. Ähnlich viele plädieren für einen Rechtsanspruch darauf, wie aus einer am Montag veröffentlichten Studie hervorgeht. Sie wurde vom Bundesarbeitsministerium bei den Forschungsinstituten IAQ, ZEW und IZA in Auftrag gegeben und im Juli und August durchgeführt.

Als Vorteil nannten die Befragten insbesondere die Zeitersparnis, weil der Weg zur Arbeit wegfällt. Außerdem könnten so Privatleben und Arbeit besser miteinander vereinbart werden. Allerdings wird der Kontakt zu den Kollegen in vielen Fällen vermisst, weswegen die meisten Befragten nach der Pandemie weniger häufig das Homeoffice nutzen wollen.

Einige Tage zu Hause und einige Tage im Büro ist entsprechend für zwei Drittel das Optimum. 84 Prozent gaben an, für sie sei es wichtig, einen Arbeitgeber zu haben, der dies ermögliche. 63 Prozent sind für einen Rechtsanspruch auf Homeoffice, sofern keine wichtigen betrieblichen Gründe dagegen sprechen. Die Idee ist vor allem bei Frauen beliebt, 74 Prozent sprechen sich für einen solchen Rechtsanspruch aus.

CSU attackiert Gesetzentwurf, Kanzlerin hält sich zurück

Arbeitsminister Hubertus Heil (47, SPD) hatte am Wochenende gesagt, wo es möglich sei, sollten Angestellte einen gesetzlichen Anspruch von mindestens 24 Tagen pro Jahr für mobile Arbeit bekommen. Ein entsprechender Entwurf wird derzeit in der Bundesregierung abgestimmt.

Vom Koalitionspartner CDU/CSU kam aber bereits Kritik. Der SPD-Politiker sei "mit seinen neuen Regulierungsfantasien auf dem Holzweg", sagte CSU-Generalsekretär Markus Blume (45) am Montag. Deutschland habe gezeigt, dass Homeoffice im Zuge von Corona vielerorts zur Selbstverständlichkeit geworden sei. "Wir brauchen ein modernes Arbeitsrecht und keine neuen Bürokratiemonster: Für die einen sind 24 Homeoffice-Tage zu viel, für die anderen viel zu wenig", sagte Blume.

Eine Sprecherin von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (62, CDU) sagte, er habe zuletzt bereits keinen grundsätzlichen Bedarf für eine gesetzliche Regelung gesehen. Es brauche weniger Bürokratie, nicht mehr Regelungen. "Ich bin überzeugt, dass viele Betriebe von sich aus mehr Homeoffice ermöglichen, aber es passt eben nicht überall, vor allem wenn der direkte Kontakt zu Kunden und Mitarbeitern notwendig ist", hatte der CDU-Politiker Ende Mai gesagt.

Regierungssprecher Steffen Seibert (60) sagte, das Kanzleramt sei momentan mit dem Arbeitsministerium in der sogenannten Frühkoordinierung, erst später würden weitere Ministerien zur Abstimmung hinzugezogen. Schon im Koalitionsvertrag sei aber vorgesehen, mobiles Arbeiten zu fördern und zu erleichtern inklusive eines rechtlichen Rahmens dafür.

Arbeitszeiterfassung und Arbeitsunfälle auch zu Hause

Aus Kreisen des Arbeitsministeriums verlautete, mit dem geplanten Rechtsanspruch solle die Jobzufriedenheit erhöht werden. Es gehe viel mehr als vor der Corona-Krise gedacht. Es müsse aber verhindert werden, dass Homeoffice auf eine längere Arbeitszeit hinauslaufe.

"Arbeitgeber müssen künftig dafür Sorge tragen, dass ihre Beschäftigten, die regelmäßig mobil arbeiten, die gesamte Arbeitszeit täglich vollständig erfassen. Verstöße können mit bis zu 30.000 Euro geahndet werden." Unfälle im Homeoffice seien Arbeitsunfälle. "Zudem werden Unfälle auf den Wegen zwischen Homeoffice und Kinderbetreuung als Wegeunfall mitversichert."

Grünen und Linken geht Heils Vorschlag ebenso wie dem Deutschen Gewerkschaftsbund nicht weit genug. Mit einem Anspruch auf zwei Tage Homeoffice pro Monat bleibe das Arbeiten von zu Hause für diejenigen, "deren Arbeitgeber nicht flexibel sind, eine seltene Ausnahme von der Regel und wird nicht Teil einer neuen Arbeitsnormalität", sagte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linke-Bundestagsfraktion, Sabine Zimmermann (59).

FDP und Wirtschaftsverbände hingegen forderten, wann und wie Homeoffice möglich ist, solle den Personalverantwortlichen der Betriebe überlassen bleiben.

ak/reuters/dpa-afx
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