Homeoffice-Pläne Wie Beschäftigte den Energieverbrauch von Unternehmen senken sollen

Um Energie zu sparen, setzen die Metall-Arbeitgeber nun auch auf die Hilfe der Beschäftigten. Diese sollen im Winter möglichst von zu Hause arbeiten und so die Kosten der Unternehmen senken.
"Zweifel angebracht": Soll die Energie in den Unternehmen oder in den Privathaushalten gespart werden?

"Zweifel angebracht": Soll die Energie in den Unternehmen oder in den Privathaushalten gespart werden?

Foto: Britta Pedersen / dpa

Der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Stefan Wolf (60), setzt im Fall einer Gasmangellage auf das Entgegenkommen der Mitarbeiter. "Ich glaube, dass es viele Mitarbeiter gibt, die versuchen, dem Unternehmen Strom und damit Kosten zu sparen und ihre Arbeitsplätze abzusichern, indem sie von zu Hause arbeiten", sagte Wolf der Deutschen Presse-Agentur. "Das erwarte ich auch."

"Wie dramatisch die Situation sein wird, wissen wir erst im Herbst, wenn klar ist, ob Putin das Gas komplett abstellt", so Wolf. Er fürchte, dass der russische Präsident "das machen und es uns heftig treffen wird". Dann müsse man alle Register ziehen. Die Unternehmen hätten alles, was an Einsparungen geht, vorgenommen. Bei Temperaturen in Büros seien sie aber an die Arbeitsstättenverordnung gebunden. "Man sollte darüber nachdenken, ob man die Arbeitsstättenverordnung nochmals ändert und wir auf 18 Grad runtergehen können", sagte Wolf. Aktuell sind in Arbeitsräumen, in denen überwiegend gesessen wird, 19 bis 20 Grad als Mindestwert festgelegt – je nach Arbeitsschwere.

IG Metall stellt sich gegen die Pläne

"Seine Produktionsmitarbeiter wird auch Herr Wolf sicher lieber in seinen Werken sehen", sagte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann (66) der Deutschen Presse-Agentur. Er habe zudem größte Zweifel, dass es wirklich energieeffizienter ist, wenn sehr viele Arbeitnehmer zu Hause arbeiten und dort Strom und Wärmeenergie verbrauchen, so Hofmann. "Und es geht ja um das Sparen von Energie in einer Krise und nicht um das Sparen für das Unternehmen." Zudem verbrauche das Abschalten und Wiederaufwärmen größerer Gebäude mehr Energie als das Durchheizen. "Also hier sind mehr als Zweifel angebracht", sagte Hofmann.

Die Menschen müssten umdenken, forderte Wolf. "Wir müssen darüber nachdenken, wie wir den Wohlstand, den wir haben, überhaupt halten können." Bislang sei es immer darum gegangen, den Wohlstand permanent zu vermehren. "Wir werden weniger zur Verfügung haben und werden unsere Ansprüche zurückdrehen müssen", sagte Wolf. Er sei fest davon überzeugt, dass man durch diese Krise durchkomme: "Das wird sicherlich nicht 2023 sein, aber vielleicht 2024 oder 2025." Und dann werde es auch wieder etwas zu verteilen geben.

Aus Sorge um mögliche Energieengpässe sind zu Monatsbeginn Sparvorgaben in Kraft getreten, die den Verbrauch im nächsten halben Jahr drücken sollen. Für Arbeitsstätten in der privaten Wirtschaft schreibt die Verordnung nicht vor, dass zum Beispiel in Büros die Raumtemperaturen verringert werden müssen. Es werde aber ermöglicht, dass Arbeitgeber auch im gewerblichen Bereich rechtssicher weniger heizen dürfen und Gelegenheit haben, dem Beispiel der öffentlichen Hand zu folgen. Dies sei Grundlage für Selbstverpflichtungen von Betrieben und betrieblichen Vereinbarungen zur Energieeinsparung.

hr/dpa
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