Dienstag, 23. April 2019

Gesetz soll Anspruch absichern SPD will Recht auf mobiles Arbeiten und Homeoffice durchsetzen

Arbeiten im Homeoffice: Keineswegs nur zum Vorteil von abhängig Beschäftigten

Arbeitnehmer sollen ein Anrecht auf Homeoffice und mobiles Arbeiten haben. So will es die SPD. Diese Form des Arbeitens bringt aber auch Nachteile mit sich. Zudem müssen sich Beschäftige in der Praxis dann womöglich stärker am tatsächlichen Arbeitsergebnis messen lassen und variable Vergütungen akzeptieren. Auch kürzere Ruhepausen werfen Arbeitgeber für die Heim- und mobile Arbeiter in die Diskussion.

Vor den Toren der Stadt günstiger wohnen, die tägliche Stunde Fahrtzeit sparen, die Arbeit zeitlich flexibel selbst einteilen, ohne dass einem der Chef oder Tisch-Kollege auf die Finger guckt - die Vorteile für ein Homeoffice oder mobiles Arbeiten liegen auf der Hand. Geht es nach dem Willen der SPD, sollen Arbeitnehmer künftig einen gesetzlich verbürgten Anspruch darauf haben, von zu Hause aus oder mobil zu arbeiten.

Die Diskussion ist nicht neu. Nun steckt die SPD aber bei Wählern in einem Umfragetief und will sich mit diversen Reformvorschlägen wie 12 Euro Mindestlohn, einer "Respekt-Rente" oder einer neu zusammengeführten Kindergrundsicherung ins Gedächtnis der Wähler hinein- und aus dem Umfragetief herausmanövrieren.

"Wir werden ein Recht auf mobiles Arbeiten und Homeoffice gesetzlich verankern, damit mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von den digitalen Vorteilen profitieren können", heißt es in einem Papier zur künftigen Arbeitswelt, das die SPD an diesem Sonntag bei einer Klausurtagung in Berlin beschließen will, wie die Zeitungen der Funke Mediengruppe am Donnerstag zuerst berichteten.

Derzeit könnten 40 Prozent der Beschäftigten in Deutschland theoretisch per Internet von zu Hause aus arbeiten, aber nur 12 Prozent bekämen ihren Wunsch nach flexibler Arbeit von den Arbeitgebern erfüllt, begründet die SPD ihre Forderung. Damit die Arbeitszeit im Homeoffice nicht ausufere, sollen Arbeitnehmer zugleich besser vor einer ständigen Erreichbarkeit geschützt werden.

Doch ständige Erreichbarkeit ist sicher nicht die einzige "Falle", in die Arbeitnehmer, die mobil oder im Homeoffice arbeiten wollen, tappen können.

Arbeitgeberpräsident will Homeoffice - um den Preis kürzerer Ruhezeiten

Zuletzt hatte sich auch Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer für eine Ausweitung der Homeoffice-Tätigkeit von Arbeitnehmern ausgesprochen. Die allerdings will Kramer eingebunden wissen in ein Konzept für flexiblere Arbeitszeiten, das dann die gesetzlichen vorgeschriebenen Ruhezeiten von elf Stunden zwischen zwei Arbeitstagen aufweichen würde.

In einer digital vernetzten Welt ließen sich die Ruhezeiten nicht jeden Tag einhalten und seien durch die Praxis in der Arbeitswelt auch längst überholt. Arbeitnehmer mit Familie und Homeoffice wünschten das auch, glaubt Kramer zu wissen.

Tatsächlich gehen zusehends mehr Menschen ganz oder teilweise ihrem Job auch im Homeoffice nach. Das Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) stellte in einer repräsentativen Umfrage fest, dass inzwischen 38 Prozent aller lohnabhängig Beschäftigten regelmäßig oder in Ausnahmefällen von zu Hause aus arbeiteten. Beim Gros der Befragten (62 Prozent) hätte der Arbeitgeber jedoch Heimarbeit untersagt.

Zur Wahrheit der vermeintlich so verlockenden mobilen Arbeitswelt gehört aber auch:

  • 45 Prozent der lohnabhängig Beschäftigten in Deutschland sind selbst der Überzeugung, dass der Job ihre Anwesenheit in der Firma erfordere.
  • Den Vorteilen des Homeoffice oder mobilen Arbeitsplatzes stehen auch nicht zu unterschätzende Nachteile gegenüber. So sind Menschen am mobilen oder Heimarbeitsplatz öfter Stresssituationen ausgesetzt - weil sich berufliche und private Sphäre in diesem Fall signifikant öfter gegenseitig stören, heißt es in einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Auch erledigten mobile Computerarbeiter oder Heimarbeiter Tätigkeiten deutlich öfter in ihrer Freizeit.
  • Zudem gehen die neuen Freiheiten des mobilen Arbeitens oder im Homeoffice nicht selten mit mehr Ergebnisverantwortung einher. Dies wiederum schlage sich zusehends öfter in variablen Vergütungsstrukturen nieder, heißt es in der Studie. Erfolgsabhängige Löhne aber sind keinesfalls jedermanns Sache.

mit Material von afp

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