Mehr Firmen betroffen "Versorgung mit Holz bleibt ein großes Problem"

Steigende Preise, späte Lieferungen, zu wenig Baustoffe: Nicht nur der Mangel an Holz stellt die deutsche Baubranche laut Ifo-Institut derzeit vor Probleme.
Baustelle: Nicht nur Holz ist derzeit Mangelware in der Bauindustrie

Baustelle: Nicht nur Holz ist derzeit Mangelware in der Bauindustrie

Foto: imago images / Westend61

Deutschlands Bauunternehmen leiden immer stärker unter Materialmangel und steigenden Einkaufspreisen: In Umfragen des Ifo-Instituts in München berichteten 95,2 Prozent der Befragten im Juni von steigenden Einkaufspreisen in den vorangegangen drei Monaten. "Die Probleme sind vielfältig und haben sich gegenüber dem Vormonat nochmals verschärft", erklärte Felix Leiss vom Ifo-Institut am Donnerstag.

Im Hochbau meldeten demnach 50,4 Prozent der Betriebe Beeinträchtigungen durch Lieferverzögerungen. Im Mai waren es 43,9 Prozent gewesen und im April 23,9 Prozent. Im Tiefbau berichteten im Juni 40,5 Prozent der Befragten von Problemen bei der Beschaffung. Auch das ist laut Ifo ein spürbarer Anstieg gegenüber dem Vormonat, als es 33,5 Prozent waren. Im März sei im Tiefbau mit 2,9 Prozent kaum von Lieferproblemen die Rede gewesen.

"Die Versorgung mit Schnittholz ist immer noch ein großes Problem auf den deutschen Baustellen. Aber auch erdölbasierte Baustoffe sind knapp", erklärte Leiss. "So fehlt es vielerorts an synthetischen Dämmmaterialien, Kanalgrundrohren und anderen Kunststoffteilen." Dazu kämen die Lieferprobleme und Preissteigerungen beim Stahl.

Altmaier will mehr Fichten fällen lassen

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (63, CDU) hatte bereits vor wenigen Wochen vorgeschlagen, wieder mehr gesunde Fichten in Deutschland zu fällen, um dem Bauholzmangel und dem starken Preisanstieg entgegenzuwirken. Die derzeit geltende Beschränkung für den Einschlag von Fichtenholz solle "schnellstmöglich" rückgängig gemacht machen. Altmaier dringe auf eine Einigung mit den zuständigen Ressorts noch in dieser Legislaturperiode, also vor der Bundestagswahl im September.

Hintergrund ist eine Regelung, die erst im April in Kraft trat und damals den Preisverfall bei Fichtenholz stoppen sollte. Nach einer Rechtsverordnung des Bundeslandwirtschaftsministeriums dürfen Waldbesitzer und Forstbetriebe im laufenden Wirtschaftsjahr bis Ende September nicht mehr so viel Fichtenholz wie zuvor einschlagen - konkret nur maximal 85 Prozent der durchschnittlichen Erntemenge der Jahre 2013 bis 2017. Wegen einer Borkenkäferplage, Trockenheit und Stürmen mussten in den vergangenen Jahren sehr viele Fichten geschlagen werden, Folge waren übervolle Holzlager und sinkende Preise.

Im Frühjahr hatte sich die Lage jedoch umgekehrt, die Baubranche klagt nun über Holzmangel. An den internationalen Rohstoffbörsen schoss der Preis bis Anfang Mai um 70 Prozent in die Höhe. Inzwischen allerdings sieht das Bild schon wieder anders aus: Die Preise fielen auf das Niveau vor der jüngsten Rallye zurück. Dafür sorgte auch die Spekulation auf zusätzliches Holzangebot.

ak, la/dpa-afx
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