Wirtschaftlicher Schaden Hochwasser stoppt Schifffahrt auf dem Rhein

Im Süden und Osten Deutschlands gilt wegen überschwemmter Flusstäler Katastrophenalarm, die Bundeswehr soll helfen. Nun bekommt auch der Westen die Folgen der starken Regenfälle zu spüren. Ein Autowerk hat die Produktion vorübergehend eingestellt.
Unbefahrbar: Der Rhein bei Mainz

Unbefahrbar: Der Rhein bei Mainz

Foto: DPA

Mainz/Passau/Erfurt - Nach den starken Regenfällen der vergangenen Tage ist die Schifffahrt auf dem Rhein in der Nacht zum Montag an mehreren Orten eingestellt worden. Betroffen sei der Abschnitt bei Kaub sowie die Strecke zwischen Speyer und Bingen, sagte am Morgen eine Sprecherin des Hochwassermeldezentrums in Mainz. Schon zuvor hatten die Schiffsführer langsamer und weiter entfernt vom Ufer fahren müssen. Der Scheitel in Mainz wird für die Nacht zum Dienstag erwartet. Für die kommenden Tage sagte der Deutsche Wetterdienst in Offenbach ruhiges Wetter voraus.

Das Zwickauer Werk von Volkswagen  hat wegen des Hochwassers in Sachsen vorübergehend die Produktion eingestellt. Die Frühschicht sei abgesagt worden, weil Mitarbeiter wegen der Fluten nicht zur Arbeit hätten erscheinen können und der Nachschub an Teilen unklar gewesen sei, sagte ein VW-Sprecher am Montag in Wolfsburg. Das Werk selbst sei nicht überflutet.

Am Wochenende seien etwa 170 Einwohner aus einer angrenzenden Gemeinde auf dem Fabrikgelände untergebracht worden, die wegen des Hochwassers aus ihren Wohnungen evakuiert wurden. Die Spätschicht solle genutzt werden, um den Nachschub an Karosserieteilen zu sichern und die Lackieranlage aufzufüllen, damit die Produktion in der Nacht wieder anlaufen könne.

Etwa jedes neunte Bauunternehmen klagte im Mai über witterungsbedingte Behinderungen. "Das sind so viele wie seit mindestens 20 Jahren nicht mehr", sagte der Chefvolkswirt des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB), Heiko Stiepelmann, am Montag. "In den Überschwemmungsgebieten laufen die Baugruben voll." Nach dem extrem langen Winter seien ohnehin schon Rekordauftragslisten aufgelaufen, die nun nicht abgearbeitet werden könnten.

Die Hochwasserlage in weiten Teilen Süd- und Ostdeutschlands hat sich weiter verschärft. In Passau sind die Wasserstände in der Nacht zum Montag erneut gestiegen. "Wir rechnen damit, dass im Laufe des Tages an Inn und Donau die historischen Höchststände von 1954 erreicht werden", sagte am Morgen ein Sprecher des Passauer Krisenstabs. Am Inn betrug der Wasserstand bereits 9,60 Meter, an der Donau 12 Meter. Auch in Thüringen bleibt die Lage an den Flüssen kritisch. Dort unterstützen Soldaten der Bundeswehr seit Sonntagabend die Einsatzkräfte vor Ort.

Die Passauer Altstadt und andere Teile des Zentrums der Dreiflüssestadt sind großflächig überspült. In der Altstadt musste der Strom abgestellt werden. Mehr als 300 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Bayerischem Roten Kreuz und Technischem Hilfswerk arbeiteten am Limit. Am Montagmorgen wurden 150 Soldaten der Bundeswehr zur Hochwasserhilfe in der Stadt erwartet. Am Mittag sollte der Krisenstab der Landesregierung zusammenkommen.

Erste Dämme brechen

Seit Sonntagabend helfen 50 Soldaten in Bad Köstritz nahe Greiz bei der Deichsicherung, wie das Landeskommando am Montagmorgen mitteilte. Weitere 70 Soldaten sind seit der Nacht in Gera im Einsatz, um beim Sichern der Deiche zu helfen. Die Kleinstadt Gößnitz wurde am Sonntag komplett geräumt.

Erste Dämme hielten den Wassermassen nicht mehr Stand und brachen, so in Kolbermoor bei Rosenheim und im thüringischen Serbitz. Bei Tausenden Einwohnern allein in Mittelsachsen fiel der Strom aus. Viele Schulen in den Hochwassergebieten blieben am Montag geschlossen.

In Sachsen hat das Hochwasser von Weißer Elster, Mulde und Chemnitz bereits zahlreiche Gebiete überschwemmt. Mehrere Landkreise im westlichen Teil des Freistaates riefen Katastrophenalarm aus. Vielerorts sollten Schulen am Montag geschlossen bleiben. Im Landkreis Mittelsachsen fiel bei einigen tausend Einwohnern der Strom aus. Besonders kritisch war die Lage an der Weißen Elster in der Region Leipzig und an der Zwickauer Mulde.

Das Hochwasser behindert auch den Bahnverkehr in Bayern. Insbesondere in Süd- und Niederbayern seien einige Strecken unterbrochen, sagte am Montagmorgen ein Sprecher der Deutschen Bahn. Betroffen sind unter anderem die Verbindungen München-Salzburg, Traunstein-Ruhpolding sowie zwischen Weilheim und Garmisch-Partenkirchen. Der Bahnhof Rosenheim wurde komplett gesperrt; dort stehen die Züge bereits seit Sonntagabend still.

Auch einige Nachbarländer waren von Wassermassen bedroht. Am Abend rief die tschechische Regierung den Notstand aus. In vielen Orten Österreichs wurden Räumungen angeordnet. An der Donau drohte bei weiter steigenden Pegelständen bis spätestens Dienstag eine Neuauflage des "Jahrhunderthochwassers" von 2002.

ak/dpa-afx/rtr
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