Sonntag, 21. April 2019

Flutfolgen Porsche macht wegen Lieferproblemen Pause

Keine Teile aus Bratislava: Der Zugtransport zum Leipziger Porsche-Werk stockt
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Keine Teile aus Bratislava: Der Zugtransport zum Leipziger Porsche-Werk stockt

Selbst abseits der Überschwemmungsgebiete spürt die Wirtschaft die Folgen des Hochwassers in Ostdeutschland. Die Politik will die zu erwartenden Milliardenschäden begleichen, hat aber die Rechnung ohne die EU gemacht.

Leipzig - Nach einem durch das Hochwasser erzwungenen Produktionsstopp will Porsche die Bänder in seinem sächsischen Automobilwerk möglichst bald wieder anlaufen lassen. Die Fertigung des Geländewagens Cayenne und des Panamera ruhe noch, sagte eine Sprecherin am Donnerstagvormittag. In den nächsten Stunden solle entschieden werden, wie mit der Spätschicht verfahren werde. Die Vorbereitungen für ein Wiederanlaufen der Produktion liefen bereits.

Porsche Börsen-Chart zeigen hatte am Mittwochabend angekündigt, die Bänder anzuhalten, weil die Karosserien für den Geländewagen Cayenne wegen der Überschwemmungen nicht in das Werk in Leipzig geliefert werden konnten. Die Karosserien für den Cayenne werden im Volkswagen-Werk im slowakischen Bratislava gefertigt und dann per Zug nach Leipzig transportiert. Wegen des Hochwassers stockt der Transport.

In Leipzig baut Porsche neben dem Cayenne auch die Limousine Panamera. Beim Panamera gab es laut Porsche keine Probleme mit der Lieferung, weil die Karosserien im VW-Werk in Hannover gebaut werden, doch laufen beide Modelle vom gleichen Band. In Leipzig werden täglich in drei Schichten 450 Fahrzeuge hergestellt. Den Produktionsausfall will Porsche in den nächsten Wochen durch zusätzliche Schichten aufholen.

Beim Mutterkonzern Volkswagen Börsen-Chart zeigen in Zwickau laufen die Bänder seit Montagnacht wieder rund, nachdem die Produktion zuvor wegen der Überschwemmungen angehalten worden war. Die Frühschicht war zu Wochenbeginn abgesagt worden, weil Mitarbeiter wegen der Fluten nicht zur Arbeit erscheinen konnten. Das Werk selbst war nach Unternehmensangaben nicht überflutet. "Wir hatten großes Glück", sagte ein Sprecher.

Schäuble verspricht Unterstützung über die Soforthilfe hinaus

Die Katastrophe beschäftigt an diesem Donnerstag auch den Bundestag. Bei der für den Vormittag geplanten Debatte zur Lage der Kommunen soll nach dem Willen aller Fraktionen auch über die Folgen und Konsequenzen der Rekordflut gesprochen werden.

Der Deutsche Städtetag hält angesichts der enormen Schäden in den Hochwasserregionen weitere Hilfen des Bundes für unumgänglich. "Die 100 Millionen Euro des Bundes sind als Soforthilfe angekündigt und als solche wichtig zur kurzfristigen Unterstützung", sagte Städtetagspräsident Ulrich Maly der "Saarbrücker Zeitung". Die Schäden würden voraussichtlich aber deutlich höher sein. Wegen des Hochwassers hatten am Mittwoch wieder Tausende Menschen ihre Häuser verlassen müssen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte den von Flutschäden betroffenen Bürgern weitere Unterstützung über die Soforthilfe hinaus zu. Es werde alles getan, um die langfristigen Schäden zu beheben, sagte Schäuble am Donnerstag im Bundestag. "Darauf können sich alle verlassen." Es werde solidarische Hilfe geleistet wie bei der Flutkatastrophe 2002.

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