Freitag, 6. Dezember 2019

Verband der Automobilindustrie Hildegard Müller soll neue VDA-Chefin werden

Hildegard Müller: Die 52-Jährige gilt als bestens vernetzt in der CDU und pflegt einen guten Kontakt zu den Grünen, zudem kennt sie sich mit Lobbyarbeit aus

Die frühere CDU-Politikerin Hildegard Müller soll neue Chefin des Verbands der Automobilindustrie (VDA) werden. Das berichten mehrere Medien übereinstimmend unter Berufung auf Industriekreise. Das VDA-Präsidium müsse aber noch zustimmen.

Die 52-Jährige gilt als bestens vernetzt in der CDU - sie war Staatsministerin im Bundeskanzleramt von Angela Merkel. Zudem kennt sie sich mit alternativen Antrieben aus: Bis Oktober war Müller als Netzchefin bei der RWE-Tochter Innogy Börsen-Chart zeigen zuständig für die Ladeinfrastruktur von Elektroautos. Ihr Kontakt zu den Grünen gilt daher ebenfalls als gut. Das könnte helfen, falls es auf Bundesebene nach der nächsten Wahl zu einer schwarz-grünen Koalition kommt. Lobbyarbeit ist für die gelernte Diplom-Kauffrau ebenfalls kein Fremdwort: von 2008 bis 2016 war sie Vorsitzende der Geschäftsführung des Bundesverbands für Energie- und Wasserwirtschaft.

Neben Müller war auch der frühere Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Günther Oettinger, zuletzt als Kandidat genannt worden. Auch Sigmar Gabriel, ehemaliger Außen- und Wirtschaftsminister, sollte den Job übernehmen - er winkte aber Anfang November ab.

Der Posten des Spitzenlobbyisten der Autoindustrie muss neu besetzt werden, nachdem der frühere Ford-Manager Bernhard Mattes im September ausgerechnet während der Automobilausstellung IAA in Frankfurt seinen Rücktritt angekündigt hatte. Mattes war von den großen Autoherstellern und Zulieferern seit einiger Zeit kritisiert worden, weil ihm die nötigen politischen Kontakte fehlten. Er war erst seit März 2018 VDA-Präsident, seine Amtszeit lief eigentlich bis Ende 2020.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) ist einer der einflussreichsten Lobbyverbände in Deutschland, die Autobranche mit mehr als 800.000 direkt Beschäftigten eine Schlüsselindustrie. Der Verband gilt als schwer zu führen, weil er die verschiedenen Interessen der Hersteller sowie der Zulieferer unter einen Hut bringen muss. Die Autoindustrie steht seit Jahren wegen des Dieselskandals schwer unter Druck. Ein weiteres großes Thema ist die Klimadebatte und der angepeilte Umbau des Autoverkehrs in Richtung E-Mobilität.

mg/dpa

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