Personalwechsel in Berlin Diplomat mit Nato-Erfahrung wird Finanz-Staatsekretär

Finanzminister Christian Lindner wechselt seinen Staatssekretär aus. Er schickt seine rechte Hand Carsten Pillath zurück in den Ruhestand – und holt sich mit Heiko Thoms einen gut vernetzten Botschafter ins Haus.
Neue Struktur: Mit neuen Leuten wird das Bundesfinanzministerium neu ausgerichtet

Neue Struktur: Mit neuen Leuten wird das Bundesfinanzministerium neu ausgerichtet

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Jürgen Ritter / IMAGO

Bundesfinanzminister Christian Lindner (44) baut sein Ministerium um und tauscht dabei auch seinen Staatssekretär aus. Der FDP-Chef hat Heiko Thoms (54), zuletzt deutscher Botschafter in Brasilien, zum neuen Staatssekretär ernannt, wie mehrere Medien übereinstimmend berichten. Thoms übernimmt das Amt von Carsten Pillath (66). Zuvor hatte Lindner bereits einige Abteilungsleiter abberufen.

"Staatssekretär Dr. Carsten Pillath wird zum 1. April 2023 in den regulären Ruhestand zurückkehren, aus dem ich ihn zu meinem Amtsantritt im Dezember 2021 zurückgeholt hatte", schrieb Lindner laut der "Süddeutsche Zeitung " am Dienstag in seiner dritten "Ministermail" des Jahres.

Der Minister und seine rechte Hand: Christian Lindner und Carsten Pillath

Der Minister und seine rechte Hand: Christian Lindner und Carsten Pillath

Foto: Janine Schmitz / photothek / picture alliance

Pillath verlässt damit nach rund einem Jahr das Finanzministerium. Lindner hatten den erfahrenen EU-Spitzenbeamten und promovierten Ökonom damals geholt, damit er ihm in seiner neuen Rolle als Minister auch mit Blick auf die deutsche G7-Präsidentschaft zur Seite steht. Er habe ihn gebeten, seinen Start im ersten Jahr auf europäischer und internationaler Ebene mit seiner großen Erfahrung und Expertise zu begleiten, schrieb Lindner in seiner Mail. Sowohl bei der G7-Präsidentschaft als auch bei Verhandlungen auf EU-Ebene und in internationalen Organisationen habe er sich "stets auf sein Netzwerk und sein ausgezeichnetes Urteilsvermögen verlassen" können. Pillath war im ersten Ampel-Jahr auf allen internationalen Bühnen als Lindners rechte Hand präsent.

Diplomat mit Nato-Erfahrung

Sein Nachfolger ist im Finanzministerium noch eine unbekannte Größe. Laut seiner Vita  ist Heiko Thoms seit Juli 2020 Botschafter in Brasilien und war zuvor für drei Jahre Gesandter und stellvertretender Ständiger Vertreter Deutschlands bei der Nato in Brüssel. Zudem leitete der Diplomat das Ministerbüro und den Leitungsstab im Auswärtigen Amt in Berlin und war in der Amtszeit des damaligen Bundesaußenministers Guido Westerwelle (FDP) dessen Büroleiter. Laut Lindner verfügt er "über langjährige europapolitische Erfahrung in verschiedenen Funktionen und ist ein äußerst versierter multilateraler Verhandler", zitiert die "Wirtschaftswoche"  aus der Mail des Finanzministers an die Belegschaft. Internationale finanzpolitische Expertise habe er unter anderem bei der Neugestaltung des Nato-Haushalts und in mehrjährigen Verhandlungen zum Budget der Vereinten Nationen erworben.

Bekannter in der deutschen Wirtschaft ist dagegen seine Frau Anahita Thoms (41). Die Topjuristin berät Großkonzerne und Unternehmerfamilien national wie international, ist im Vorstand der Atlantik-Brücke, dem Lieblingsverein des deutschen Wirtschafts- und Politik-Establishments und seit 2020 Mitglied der Young Global Leaders des World Economic Forum zusammen mit Annalena Baerbock (42). Die Staranwältin arbeitet für die Düsseldorfer Großkanzlei Baker McKenzie, bei der EZB-Chefin Christine Lagarde (67) ihre erste große Karriere machte. Seit 2020 ist Anahita Thoms auch im Beirat für Sustainable Finance der Bundesregierung. Und ganz nebenbei inszeniert sie ihr Glamourleben wie sonst niemand aus der Business Community  - so auch kürzlich auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos.

Der Umbau im Finanzministerium hat strategische Gründe. Mit der Neubesetzung des Postens will Lindner laut seiner Mail Schwerpunkte im Ministerium setzen und der personellen Aufstellung eine langfristige strategische Perspektive geben.

Ähnliche Gründe nannte er, als er vergangene Woche mitteilte, dass vier Abteilungsleiter das Ministerium verlassen müssen. Drei der Stellen werden neu besetzt, eine andere fällt ganz weg, weil eine Abteilung aufgelöst wurde. Lindner sagte, er wolle das Ministerium stärker auf politische Vorhaben fokussieren.

dri
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