Wenige Tage vor dem Start Hauptstadtflughafen BER braucht noch mehr Geld

Mit nur neun Jahren Verspätung soll am Samstag der BER eröffnen. Schon jetzt scheint klar: Das Projekt wird noch mehr Steuergeld verschlucken. Ex-Chef Hartmut Mehdorn findet den BER trotzdem "schön, funktional und modern".
Partystimmung: Endlich soll es losgehen am BER.

Partystimmung: Endlich soll es losgehen am BER.

Foto: Ralf Müller / imago images/Photopress Müller

Nur wenige Tage vor der Eröffnung des Hauptstadtflughafens BER an diesem Samstag deutet sich an: Das Projekt braucht noch mehr Geld vom Staat. In der Corona-Krise sieht Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (46; CSU) weiteren Bedarf für staatliche Hilfen auch für den Hauptstadtflughafen BER. Der Flughafen eröffne in einer Zeit, in der der Luftverkehr die größte Krise ihrer Geschichte erlebe, sagte Scheuer am Dienstag. "Für den BER heißt das, dass wir uns die Wirtschaftspläne für die nächsten Jahre noch einmal intensiv anschauen müssen."

Die Eigentümer der Flughafengesellschaft – Berlin, Brandenburg und der Bund – unterstützen das Unternehmen in diesem Jahr bereits mit 300 Millionen Euro. Für kommendes Jahr ist ein Darlehen von rund 550 Millionen Euro zugesagt.

Die Politik müsse jetzt Lösungen anbieten, sagte Scheuer. Diese seien mit Nothilfen verbunden – auch für den BER. Das werde bei einem nationalen Luftverkehrsgipfel am 6. November besprochen.

Der Minister sagte zu, sich für mehr internationale Flüge am BER einzusetzen. "Ich bin mit Airlines in Kontakt. Aber dazu gibt es noch kein Licht am Ende des Tunnels, weil die Airlines momentan eher reduzieren. Aber Berlin ist unsere Hauptstadt, Berlin muss ein Drehkreuz sein."

Berlins amtierender Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup (64) stimmt Scheuer zu: "Berlin muss neben Frankfurt und München ein internationaler wichtiger Flughafen werden", sagte er am Dienstagnachmittag in Berlin. Vor der Pandemie habe man sehr gute Gespräche mit einer Reihe amerikanischer Airlines gehabt, auch in Asien gebe es viel Interesse, so der Flughafenchef. "In Amerika müssen wir den Markt erobern. Da sind wir dran. Nach Corona wird das auch funktionieren, weil wir endlich eine gute Infrastruktur haben."

Im asiatischen Markt sei die Unterstützung der Politik nötig. "Wir haben zu wenig Flugrechte nach China, wir haben zu wenig Flugrechte nach Middle East", sagte Lütke Daldrup. "Da muss die Bundesregierung mithelfen. Und wenn Herr Scheuer sagt, dass Berlin zum Drehkreuz wird, ist das ja die richtige Botschaft."

Hartmut Mehdorn: "Insgesamt keine Meisterleistung"

Angesichts der bevorstehenden Eröffnung am Samstag – neun Jahre nach dem einst avisierten Termin – äußerten sich auch die früheren Flughafen-Chefs zu dem Projekt. Hartmut Mehdorn (78) etwa sagte, der BER habe eine gute Zukunft. "Er ist ein schöner und funktioneller moderner Flughafen", so Mehdorn. "Seine Rolle als Wirtschaftsmotor der Region Berlin/Brandenburg wird sich nach kurzem Anlauf von selbst einstellen."

In den vergangenen Jahren waren sechs Eröffnungstermine für den drittgrößten deutschen Flughafen geplatzt. Planungsfehler, Baumängel, technische Probleme und Personalwechsel warfen das Projekt immer wieder zurück. "Das war insgesamt keine Meisterleistung von allen Beteiligten", sagte Mehdorn. Er hatte noch mit einer Eröffnung 2017 geplant. Dieses Ziel musste sein Nachfolger, Karsten Mühlenfeld (57), kassieren.

Mühlenfeld sagte nun: "Ich hoffe, dass der Flughafen auch unter hoher Auslastung so gut wie Tegel funktioniert, um die Investitionen wieder hereinzuholen." Er wünsche dem Projekt, dass nicht noch nachträglich weitere Baumängel auftauchen.

Rund sechs Milliarden Euro wurden am BER verbaut, dreimal so viel wie geplant. "Der BER wurde von Beginn an zu klein konzipiert", erklärte Mehdorn die Ursache der vielen Probleme. "Berlin und Brandenburg, nach der Wende, waren arm und hatten sehr viele andere Prioritäten. Sie mussten und wollten sparen."

Deshalb hätten sie keinen Generalunternehmer engagiert, seien aber selbst auch nicht in der Lage gewesen, ein Großprojekt wirksam zu steuern und zu kontrollieren. Verheerend seien die ständigen Planänderungen gewesen. "Wer ein Einfamilienhaus plant und es heimlich in ein Dreifamilienhaus ändert, darf sich am Ende nicht über Zeit- und Terminüberschreitungen wundern." Hinzu komme das komplexe Baurecht, das alle Großprojekte erschwere. Problematisch am BER sei auch die Struktur mit drei Eigentümern gewesen.

lhy/dpa
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