Montag, 23. September 2019

Berliner Flughafen Wirbel statt Taten

Problem-BER: Hartmut Mehdorn, früherer Chef von Deutscher Bahn und Air Berlin, verantwortet nun als Geschäftsführer den neuen Berliner Flughafen

Berlins Flughafenchef Hartmut Mehdorn geriert sich als großer Antreiber. Tatsächlich kommt der Pannen-Airport BER kaum voran. Nur beim öffentlichen Wirbel gelingen Mehdorn wahre Wunder.

Die Hauptperson fehlte - mehr oder minder glaubhaft entschuldigt. "Herr Mehdorn ist erkrankt", hörten die Parlamentarier, die vergangene Woche in Berlin zusammengekommen waren, um zu erfahren, wie es mit dem ewig unfertigen Hauptstadtflughafen BER weitergehen soll. Später hieß es, BER-Chef Hartmut Mehdorn habe sich den Magen verdorben. Eine Ironie des Schicksals - Bauchgrimmen hatten bislang vor allem jene, die mit Mehdorn zu tun haben.

Rund hundert Tage nach dem Amtsantritt des ehemaligen Bahn- und Air-Berlin-Lenkers ist der Flughafen unfertig wie zuvor. Die Bauarbeiten ruhen, die Fehlerdiagnose läuft, und noch immer weiß niemand, ob das neue Terminal mit seiner eigenartigen Sicherheitstechnik - im Brandfall soll der Rauch durch den Keller abgesaugt werden - je die Zulassung erhält.

Dafür hat Mehdorn zwischenmenschlich viel bewegt: die wesentlichen Beteiligten sind nun in heillose Zerwürfnisse verstrickt.

Das beginnt mit ihm selbst und seinem Cheftechniker Horst Amann. Mehdorn will ihn am liebsten rauswerfen, er wirft dem Ingenieur, der erst mal alle Fehler des Neubaus erfassen will, Trödelei vor. Ein Vorstoß scheiterte zwar am BER-Oberaufseher Matthias Platzeck (SPD), dem Ministerpräsidenten von Brandenburg. Offiziell vertragen sich die Zerstrittenen auch wieder, wie Amann den Parlamentariern bei der Fragestunde treuherzig versicherte. Was Mehdorn aber nicht hindert, bei Berliner Politikern weiter gegen Amann zu pesten.

Drei statt zwei Bahnen für BER?

Platzeck kann Mehdorn nicht wirklich zur Raison bringen, denn er hat ihn ja eingestellt. Würde Mehdorn zurücktreten oder gehen müssen, wäre das für Platzeck unangenehm. Zudem steht Mehdorn neuerdings unter dem Schutz des Aufsichtsratsvizes, Klaus Wowereit (SPD).

Der Berliner Regierungschef findet Gefallen daran, dass Mehdorn nun Positionen vertritt, die auch ihm passen und zugleich dem wenig geschätzten Genossen Platzeck schaden. Dazu zählt Mehdorns Vorhaben, gegen teure Lärmschutzauflagen zu klagen, die das Oberverwaltungsgericht verfügt hat und die vor allem Brandenburgern zugute kämen. Die Klage hat kaum Aussicht auf Erfolg, aber sie bringt Platzeck in seinem Land in Bedrängnis und sieht nach energischem Handeln aus.

Über Kreuz liegt der Airport-Antreiber auch mit den Fluglinien. Sein Plan, den neuen Flugplatz nach und nach zu eröffnen und die Pisten in Tegel länger offen zu halten, empört viele Airline-Chefs, weit über den offiziellen Widerspruch hinaus. Sie befürchten massive Kosten, wenn Sicherheitsleute, Feuerwehren und dergleichen an beiden Ende der Stadt stehen müssten - was am Ende die Passagiere über die Gebühren zahlen müssten.

Als wenn das nicht reichte, hat Mehdorn noch eine Diskussion eröffnet, ob der neue Flughafen nicht auf drei statt zwei Bahnen erweitert werden müsste. Einen Bedarf dafür gibt es angesichts der dümpelnden Wirtschaft der Hauptstadt frühestens in Jahrzehnten. Doch Mehdorn kann so schon heute genießen, was er am meisten zu lieben scheint: öffentlichen Wirbel.

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