Sonntag, 31. Mai 2020

Kolumne: Grenzgänger Strammer Rechtsausleger

Hans-Olaf Henkel: Tiraden gegen "Altparteien" und "Gutmenschen"
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Hans-Olaf Henkel: Tiraden gegen "Altparteien" und "Gutmenschen"

3. Teil: "Ich habe nicht einen einzigen Verrückten, Neonazi oder Spinner gesehen."

Wo immer er kann, distanziert er sich vom Rechtspopulismus, er zeigt offene Empörung, dass er angeblich in die rechte Ecke gestellt werde, zelebriert den Sonderstatus eines Mannes, der sich für die Menschenrechte in China einsetzt, dann aber bei AfD-Wahlkampfveranstaltungen in Deutschland Polizeischutz braucht. Mit dieser PR-Politik der weißen Weste landet er durchaus Erfolge, etwa wenn ihm der "Stern" den Gefallen tut, ihn als den sauberen AfD-Mann mit Penthouse in Berlin-Mitte darzustellen. Auch diesen Beitrag hier würde er sicher klar als einen Versuch brandmarken, ihn in eine Ecke zu drängen, in die er nicht gehöre.

Aber er gehört in diese Ecke: Warum sonst gibt er klaren Islamhasser-Medien wie "blu TV", einem Ableger des Blogs "blu news", ein Interview? Hinter diesem Internetmagazin steckt Christian Jung, ehemaliger bayerischer Landesvorsitzender der islamophoben Splitterpartei "Die Freiheit". Henkel begibt sich damit wissentlich in Gesellschaft mit Leuten wie dem Rechts-Publizisten Marco Pino, Pseudonym "Frank Furter", der bis vor einiger Zeit auf dem rassistischen Blog "Politicially Incorrect" sein Unwesen trieb und nun Autor bei "blu news" ist.

Henkel zieht derweil weiter durch die Medien mit seiner immer gleichen Botschaft - Politik brauche Kompetenz, und die AfD habe einen höheren Akademiker-Anteil als andere Parteien. Und so weiter. Das mag sein.

Aber akademische Titel schützen ja bekanntlich nicht vor grobem Unsinn, vor allem wenn der Titelträger zu fachfremden Themen schwadroniert: Wie sonst ist zu erklären, dass der Ökonom Henkel die teils biologistischen und offen rassistischen Thesen des Ex-Bankers Thilo Sarrazins "ohne Wenn und Aber" unterstützt? Wie sonst ist zu erklären, dass er den Muslimen im Land pauschal ins Stammbuch schreibt, "in Clans und Großfamilien" erzogen worden zu sein - das gebe es "in anderen Kulturen nicht". Warum sonst ignoriert er jegliche Migrationsforschung, die ein weitaus differenzierteres Bild zeichnet? Wie passt das zur Kompetenz, die er für sich und seine Mannen so gerne reklamiert?

Im Januar 2014 rief Henkel auf dem Europaparteitag der AfD seinen Parteifreunden zu: "Ich fühle mich wohl bei Ihnen. Ich habe nicht einen einzigen Verrückten, Neonazi oder Spinner gesehen." Gut, Neonazi - das ginge in der Tat zu weit. Aber wer noch glaubt, dass die AfD in zwei Lager gespalten ist - hier Euro-Kritiker, da Rechtsausleger - muss sich angesichts Hans-Olaf Henkels schon die Frage stellen, ob da vieles nicht mittlerweile in Personalunion funktioniert. Die Union muss sich ernsthaft überlegen, ob Henkel ein guter Koalitionspartner für sie sein kann. Und die Union wird sich überlegen müssen, wer diese AfD eigentlich ist: Sie sollte sich dafür das prominenteste Feigenblatt der Partei, Hans-Olaf Henkel, genauer anschauen.

Diesen Text veröffentlichen wir mit freundlicher Genehmigung des Debattier-Portals Opinion Club .

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