Sonntag, 31. Mai 2020

17 Tote in einem Heim. Klinikum Wolfsburg weist Patienten ab Aufnahmestopp für Pflegeheime in Niedersachsen verhängt

Pflegeheime in Deutschland sind vom Coronavirus teils schwer betroffen. Niedersachen verhängt jetzt einen Aufnahmesstopp für Pflegeheimen. Ausnahmezustand auch am Wolfburger Klinikum, das ebenfalls einen weitgehenden Aufnahmestopp für Patienten wegen Ansteckungen unter den Mitarbeitern verhängt hat.
Christoph Schmidt/ picture alliance/ dpa
Pflegeheime in Deutschland sind vom Coronavirus teils schwer betroffen. Niedersachen verhängt jetzt einen Aufnahmesstopp für Pflegeheimen. Ausnahmezustand auch am Wolfburger Klinikum, das ebenfalls einen weitgehenden Aufnahmestopp für Patienten wegen Ansteckungen unter den Mitarbeitern verhängt hat.

Das Land Niedersachsen hat nach dem Tod mehrerer mit dem Coronavirus infizierter Pflegebedürftiger in Wolfsburg einen Aufnahmestopp für Pflegeheime angeordnet. Ausnahmen soll es nur geben, wenn eine 14-tägige Quarantäne für neue Bewohner gewährleistet sei, sagte Gesundheitsministerin Carola Reimann am Montag.

Im Wolfsburger Hanns-Lilje-Heim sind bislang 17 Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben (Stand Montagmittag), wie die Stadt mitteile. Bei den meisten von ihnen seien vor dem Tod keine Covid-19-Symptome aufgetreten. Auch in anderen Bundesländern sind Altenheime teils schwer betroffen.

Die SPD-Politikerin appellierte zudem an Angehörige, auf Besuche älterer Angehöriger zu verzichten. "Bitte besuchen Sie Ihre Lieben nicht. Damit schützen Sie nicht nur Ihre eigene Mutter oder Ihren eigenen Vater, sondern alle." Es gebe viele Hinweise, dass die Besuchsverbote für Alters- und Pflegeheime nicht beachtet worden seien.

Auch das Klinikum in Wolfsburg verhängt Aufnahmestopp

Doch nicht nur in Altenheimen eskalierte die Lage über das Wochenende: Das Klinikum der Stadt verhängte einen weitgehenden Aufnahmestopp für Patienten wegen Ansteckungen unter den Mitarbeitern. Neue Patienten würden auf umliegende Krankenhäuser verteilt, hatte die Stadt mitgeteilt.

Einzige Ausnahmen bei der Aufnahme seien die Notaufnahme der Kinderklinik und der Kreißsaal. Vorerst wird in dem Klinikum jedes Zimmer nur mit einem Patienten belegt, das gesamte Personal arbeitet mit sogenanntem Vollschutz.

Am Montag sollten Mitarbeiter und Patienten weiter auf das Virus getestet werden. Die Ergebnisse wurden für den Abend erwartet. Danach sollte laut Stadt über weitere Schritte entschieden werden.

An einer Zugangstür zu einem Seniorenheim in Würzburg wird Angehörigen von Besuchen dringend abgeraten. Vielerorts sind Besuche strengstens verboten. Dennoch sollen Angehörige ihre Verwandten besucht haben, berichtet Niedersachsen von Verstößen
Nicolas Armer/dpa
An einer Zugangstür zu einem Seniorenheim in Würzburg wird Angehörigen von Besuchen dringend abgeraten. Vielerorts sind Besuche strengstens verboten. Dennoch sollen Angehörige ihre Verwandten besucht haben, berichtet Niedersachsen von Verstößen

Auch Alten- und Pflegeheime in anderen Bundesländern werden derzeit von schweren Corona-Infektionswellen erfasst. Die Zahl der Toten im Seniorenheim St. Nikolaus im bayerischen Würzburg erhöhte sich laut Agenturberichten bis Montagabend sich auf 16.

In einem weiteren bereits seit Tagen betroffenen Heim in Jessen im Sachsen-Anhalt stieg die Zahl der Infizierten nach Angaben des Landkreises Wittenberg vom Sonntag auf 19 Bewohner, dazu kamen sieben Mitarbeiter. Am Samstag starb demnach ein 76-jähriger Bewohner des Pflegeheims mit Vorerkrankungen an dem neuen Virus. Die Gemeinde Jessen kämpft auch insgesamt gegen einen schweren Corona-Ausbruch. Zwei Ortsteile sind seit Donnerstag abriegelt und können bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr betreten oder verlassen werden. Die Einwohner müssen demnach in ihren Wohnungen oder Häusern bleiben. Wenn sie nach draußen gehen wollen, dürfen sie nur von ihnen allein genutzte Grundstücksflächen betreten.

rei/dpa/afp

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