Währungsgeschäfte Greenpeace verzockt Millionen-Spenden

3,8 Millionen Euro soll ein Mitarbeiter der Umweltschutzorganisation Greenpeace mit Euro-Spekulationen verzockt haben. Das Geld stammte einem Bericht zufolge aus Spenden - der Mitarbeiter wurde entlassen.
Greenpeace-Aktivisten: "Entgegen sonstiger Praxis gegen Wechselkursschwankungen abgesichert"

Greenpeace-Aktivisten: "Entgegen sonstiger Praxis gegen Wechselkursschwankungen abgesichert"

Foto: Pedro Armestre / dpa

Hamburg - Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat durch "gravierende Fehler" bei Währungsgeschäften 3,8 Millionen Euro Verlust gemacht. Das Geld stammte nach "Spiegel"-Informationen aus Spenden, die von finanzstarken Greenpeace-Länderorganisationen wie der deutschen an die Zentrale in Holland überwiesen wurden.

Greenpeace Deutschland bestätigte einen entsprechenden Bericht und erklärte dazu im Internet : "Wir bedauern den Verlust außerordentlich und möchten uns bei unseren Fördermitgliedern ausdrücklich entschuldigen."

Wie das Nachrichtenmagazin berichtete, hatte ein Mitarbeiter der Finanzabteilung von Greenpeace International in Amsterdam bei Termingeschäften auf sinkende Euro-Kurse gesetzt - ein Irrtum. Dem Mitarbeiter sei eine "ernsthafte Fehleinschätzung" unterlaufen, und man habe ihn mittlerweile entlassen, zitiert das Magazin Mike Townsley von Greenpeace International.

In der Erklärung der deutschen Zentrale hieß es weiter, die internationale Organisation arbeite mit Euro, die nationalen und regionalen Büros in ihren Landeswährungen. Im Jahr 2013 habe sich Greenpeace International entgegen sonstiger Praxis gegen die Wechselkursschwankungen abgesichert, indem es Währungen zu festen Kursen kaufte. "Dabei ist leider ein gravierender Fehler gemacht worden", hieß es. Auch die interne Kontrollen hätten versagt.

Derzeit schließt die Umweltorganisation laut Townsley aus, dass sich der Finanzexperte persönlich bereichern wollte.

Das Greenpeace-Statement in voller Länge

Als internationale Kampagnenorganisation, die in 40 Ländern tätig ist, muss Greenpeace im internationalen Zahlungsverkehr mit zahlreichen Währungen rechnen und arbeiten. Greenpeace International ist für die zentralen Dienstleistungen zuständig und koordiniert die globalen Kampagnen. Dabei wird die internationale Organisation durch Spenden und die Beiträge der 40 nationalen und regionalen Greenpeace-Büros (NROs) finanziert. Das Budget betrug für das Jahr 2013 79 Millionen Euro und beläuft sich 2014 auf 82 Millionen Euro.

Nationale und regionale Greenpeace-Büros, die ihre Kampagnen-Arbeit noch nicht (oder nicht vollständig) selbst finanzieren können, werden finanziell unterstützt. Für die Verteilung dieser finanziellen Hilfen ist Greenpeace International verantwortlich. Dabei arbeitet Greenpeace International mit Euro, die nationalen und regionalen Büros in ihren Landeswährungen. Wechselkursschwankungen können dabei zu Überschüssen führen, aber auch zu Verlusten. Beides ist in den vergangenen Jahren immer wieder vorgekommen, hat sich aber über einen längeren Zeitraum ausgeglichen. Da diese Wechselkursschwankungen für kleinere Büros existenziell werden können, hat Greenpeace International das gesamte Risiko hierfür übernommen.

Im Jahr 2013 hat sich Greenpeace International entgegen sonstiger Praxis gegen die Wechselkursschwankungen abgesichert, indem es Währungen zu festen Kursen kaufte. Dabei ist leider ein gravierender Fehler gemacht worden. Die Absicherungen stellten sich als nachteilig heraus und schufen im Jahr 2013 einen Verlust von etwa 3,8 Millionen Euro. Dabei versagten - soweit das bis jetzt bekannt ist - allerdings auch interne Kontrollen. Die Finanzabteilung von Greenpeace International hatte diese Absicherung der Wechselkurse ohne Rücksprache und Genehmigung der entsprechenden Gremien und der Geschäftsführung vorgenommen. Solche Fehler müssen zukünftig verhindert werden. Zusätzlich zu den vorgenommenen Sofortmaßnahmen hat der Vorstand von Greenpeace International deshalb eine unabhängige Prüfung eingeleitet, aus der auch geeignete Maßnahmen erarbeitet werden sollen. Gleichzeitig wird Greenpeace Deutschland die Ergebnisse der Prüfungen von Greenpeace International auswerten und entsprechend reagieren.

Der von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG erstellte Jahresbericht 2013 von Greenpeace International wird demnächst veröffentlicht und wird das Defizit ausweisen.

Greenpeace Deutschland finanziert ausschließlich internationale Kampagnen und Kampagnenprojekte und darf - auch aus steuerrechtlichen Gründen - keine Infrastrukturkosten (beispielsweise Aufbau von Büros, Investitionen in ICT-Ausstattung oder Fundraising) übernehmen. Deshalb kann und wird Greenpeace Deutschland dieses Defizit weder ganz oder teilweise auffangen. Sollten Spendengelder aus Deutschland nicht für die vorgesehenen Kampagnen ausgegeben werden können, werden diese an Greenpeace Deutschland zurücküberwiesen.

Wir bedauern den Verlust außerordentlich und möchten uns bei unseren Fördermitgliedern ausdrücklich entschuldigen.

Aus Sicht von Greenpeace Deutschland hat das Defizit 2013 keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Handlungsfähigkeit, Kampagnen und Strategien von Greenpeace. Greenpeace Deutschland steht darüber hinaus im direkten Kontakt mit Greenpeace International und wird den von KPMG geprüften Jahresabschluss 2013 nach Erscheinen nochmals prüfen.

Quelle: http://www.greenpeace.de/themen/defizit-bei-greenpeace-international 

ts/dpa
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