Dienstag, 2. Juni 2020

Verbraucherstimmung in Deutschland GfK-Konsumklima auf Rekordtief gesunken

Leere Innenstadt in Gotha, Thüringen: Aus Angst vor Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit ist der Konsum in Deutschland dramatisch eingebrochen
Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa
Leere Innenstadt in Gotha, Thüringen: Aus Angst vor Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit ist der Konsum in Deutschland dramatisch eingebrochen

Die Viruskrise drückt die Verbraucherstimmung in Deutschland auf ein Rekordtief. Für Mai prognostizieren die Nürnberger Konsumforscher einen Konsumklimaindex von minus 23,4 Punkten. Das ist ein Rückgang um 25,7 Punkte zum für April ohnehin schon erreichten Tief von 2,3 Punkten. Zum Vergleich: Für den Mai 2019 hatte die GfK einen Konsumklimaindex von 10,2 Punkten ermittelt. Im negativen Bereich war das Barometer bisher überhaupt nur einmal: Nach dem Platzen der sogenannten Dot.com-Blase im Jahr 2003 war der Index auf minus 5 Punkte gefallen.

Der private Konsum gilt als relativ stabiler Indikator für die Wirtschaftslage mit einer vergleichsweise geringen Schwankungsbreite. Der Konsum macht in Deutschland einen Anteil von etwa 55 Prozent der Wirtschaftsleistung aus und hat damit große Bedeutung für die Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes.

"Das Konsumklima befindet sich derzeit im freien Fall", betonte GfK-Experte Rolf Bürkl am Donnerstag. Die Bürger wurden in den ersten beiden Aprilwochen befragt, als sie laut den Nürnberger Marktforschern erstmals das volle Ausmaß der Eindämmungsmaßnahmen wie etwa Schul- und Geschäftsschließungen zu spüren bekamen.

Einkommenserwartung und Anschaffungsneigung ebenfalls im Minus

"Angesichts eines weitgehend eingefrorenen Wirtschaftslebens kommt dieser beispiellose Absturz des Konsumklimas nicht ganz überraschend", erklärte Bürkl. "Handel, Hersteller und Dienstleister müssen sich auf eine unmittelbar bevorstehende, sehr schwere Rezession einstellen." Da sich nun abzeichne, dass die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus aus Vorsichtsgründen nur sehr langsam gelockert würden, dürften auch dem Konsumklima in den nächsten Monaten "schwierige Zeiten bevorstehen", sagte der Konsumforscher.

Das Barometer für die Einkommenserwartungen der Verbraucher zeigt demnach "einen beispiellosen Absturz": Der Indikator verlor im April gegenüber dem Vormonat 47,1 Zähler und sackte auf minus 19,3 Punkte: Niemals seit Beginn der monatlichen Erhebung zur Verbraucherstimmung im Jahre 1980 wurde hier ein höherer Rückgang gemessen. Dies habe vor allem mit der Furcht vor Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit zu tun. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit haben 718.000 Betriebe in Deutschland Kurzarbeit für ihre Mitarbeiter angemeldet, betroffen könnten mehrere Millionen Haushalte sein.

Auch die Bereitschaft der Konsumenten, teure Anschaffungen wie etwa Autos oder Möbel zu tätigen, ist angeknackst. Das Barometer dazu verlor 36 Zähler und rutschte auf minus 4,6 Punkte. Im Vergleich zum Zeitraum des Vorjahres steht laut GfK ein Minus von knapp 58 Punkten zu Buche.

"Die Verunsicherung unter den Konsumenten ist derzeit riesig", so das Fazit von Gfk-Experte Bürkl. Viele hätten Einkommenseinbußen erlitten, zudem sei die Angst vor Jobverlust bei vielen Beschäftigten stark gestiegen: "Dies ist ein beträchtliches Konsumhemmnis."

mg/rtr, dpa-afx

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