Samstag, 20. April 2019

Überschuss im Halbjahr Krankenkassen erzielen Milliardenplus

Der anhaltende Beschäftigungsboom spült den Gesetzlichen Krankenversicherern viel Geld in die Kassen

2. Teil: Kampf um Neumitglieder ist noch härter geworden

Ein solches Gebaren steht jedenfalls in eklatantem Widerspruch zu den Grundprinzipien der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Die zeichnet sich aus durch den solidarischen Ausgleich zwischen Alten und Jungen, zwischen Gesunden und Kranken und zwischen Gutverdienern und Geringverdienern. Dies soll dafür sorgen, dass nicht nur Menschen mit dicker Brieftasche eine gute medizinische Behandlung bekommen. So weit die Theorie.

Doch die Praxis sieht anders aus. Die Kassen stehen im Wettbewerb - und seit Anfang 2009 ist ihnen die Beitragsautonomie genommen. Sie dürfen seither den Beitragssatz nicht mehr selbst festlegen, sondern müssen den von der Politik vorgegebenen Einheitsbeitrag verlangen.

Der liegt derzeit bei 15,5 Prozent des Bruttoeinkommens. Damit ist der Kampf um Neumitglieder noch härter geworden. Das erklärt auch das massive Buhlen um die jungen gesunden Gutverdiener - sofern die nicht schon zu den Privatkassen abgewandert sind.

Interner Finanzausgleich ist unzureichend

Eine Unwucht im System stellt nach Ansicht von Experten auch der interne Finanzausgleich der Kassen dar: Der sei unzureichend, zwinge die Kassen geradezu zur Risikoselektion. Dabei soll gerade der sogenannte Risikostrukturausgleich dafür sorgen, dass besonders belastete Kassen mit vielen Alten und Kranken und den dadurch bedingten Mehrausgaben nicht ins Hintertreffen geraten.

"Der Risikostrukturausgleich überweist den Kassen für Kranke zu wenig, für Gesunde zu viel", sagt der Linken-Gesundheitspolitiker Harald Weinberg. "Die lukrativen Versicherten werden umworben, Alte und Kranke versucht man an andere Kassen loszuwerden - sei es mit legalen, halblegalen oder nicht-legalen Mitteln."

Insgesamt werden im Risikostrukturausgleich 80 Krankheiten berücksichtigt: "Willkürlich und nicht zielgerecht", weil zu wenige, befindet die Grünen-Gesundheitsexpertin Biggi Bender.

wed/dpa-afx

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