Trotz Umweltbedenken Gas-Förderung am Wattenmeer doch möglich

Eigentlich sollte es keine Gasförderung im Wattenmeer geben. Nun macht Niedersachsens Landtag den Weg doch frei. Die möglichen Fördermengen für eine stärkere Unabhängigkeit von Russlands Gaslieferungen sind enorm.
Schützenswertes Wattenmeer: Die Gasförderung vor Borkum ist umstritten

Schützenswertes Wattenmeer: Die Gasförderung vor Borkum ist umstritten

Foto: Carsten Rehder/ dpa

Niedersachsen hat sich vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs nun doch für eine Förderung von Erdgas am Rande des Wattenmeeres im Grenzgebiet zu den Niederlanden ausgesprochen. Der Landtag nahm am Donnerstag mit den Stimmen der Regierungsfraktionen SPD und CDU sowie der FDP einen gegenteiligen Beschluss vom Herbst zurück. Die Grünen lehnten das ab. Im Oktober war die Förderung in der Nähe der Insel Borkum wegen Umweltbedenken noch vom Parlament verworfen worden.

Die niederländische Firma One-Dyas will dort fördern, das Gasfeld erstreckt sich sowohl auf niederländische wie deutsche Hoheitsgewässer. Der Bund hat in diesem Fall keine Zuständigkeit, diese liegt beim Land. Als möglich gilt eine Förderung ab 2024. Die Größe des Gasfelds wird auf bis zu 60 Milliarden Kubikmeter geschätzt. Der deutsche Jahresverbrauch liegt bei etwa 90 Milliarden Kubikmetern.

Landeswirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) verwies auf die geänderte Lage seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine im Februar: "Seit dem 24. Februar wissen wir, dass wir das Thema Energie-Versorgungssicherheit völlig neu denken und alte Ansichten revidieren müssen", erklärte er. One-Dyas könne zudem im niederländischen Teil ohnehin fördern, das Weltnaturerbe Wattenmeer bleibe unberührt. Das von deutschem Gebiet geförderte Gas werde auch dem deutschen Markt zugeführt.

Deutschland fördert derzeit noch etwa 5 Prozent seines Verbrauchs selbst. Rund 35 Prozent stammen aus Russland. Nach Angaben der Bundesregierung wird man noch bis 2024 auf russisches Gas angewiesen sein.

hr/Reuters
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