Streit ums Gas Wirtschaftsminister Habeck weist Fracking-Vorstoß der FDP zurück

Angesichts schwindender Gasreserven will die FDP prüfen, das in Deutschland geltende Fracking-Verbot aufzuheben. Wirtschaftsminister Robert Habeck hält davon "überhaupt nichts".
Habeck lehnt Fracking-Förderung ab: "Es dauert Jahre, um solche Vorkommen zu erschließen."

Habeck lehnt Fracking-Förderung ab: "Es dauert Jahre, um solche Vorkommen zu erschließen."

Foto: CHRISTIAN MARQUARDT / POOL / EPA

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (52) hält nichts von einer Erdgasförderung in Deutschland durch das sogenannte Fracking und hat einen Vorstoß der FDP zurückgewiesen. Habeck sagte am Sonntag in Flensburg: "Die Debatte über Fracking nützt uns jetzt in dieser Zeit überhaupt nichts. Es dauert Jahre, wenn man es überhaupt machen will, um solche Vorkommen zu erschließen."

Die "Brücke aus Gas" in die Welt der erneuerbaren Energien werde täglich kürzer. Die Vorkommen, die gefrackt werden könnten, seien bisher noch nicht einmal erprobt worden. "Es gibt gar kein Interesse daran, das zu tun", sagte Habeck. Insofern sei es eine Debatte, die zu einer Spaltung in der Gesellschaft führe. "Wir haben eine klare Aufgabe: Die Energiemengen, die wir verbrauchen, reduzieren, auf allen Ebenen." Außerdem müsse der Ausbau der erneuerbaren Energien forciert werden.

FDP verweist auf Fracking-Gas aus den USA

Die FDP hatte zuvor vorgeschlagen, angesichts der Energiekrise das Verbot der Erdgasförderung in Deutschland durch das Fracking auf den Prüfstand zu stellen. "Wie wissenschaftliche Studien zeigen, verursacht Fracking unter modernen Sicherheitsstandards keine relevanten Umweltschäden", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP, Torsten Herbst (48), der "Welt am Sonntag". Wer Fracking-Gas aus den USA importiere, könne nicht gegen eine sichere Fracking-Förderung in Deutschland sein. "Es sollte daher ernsthaft geprüft werden, ob eine größere Schiefergasförderung unter wirtschaftlichen und technischen Gesichtspunkten in Deutschland machbar ist", sagte er.

Beim Fracking wird Gas oder Öl mithilfe von Druck und Chemikalien aus Gesteinsschichten herausgeholt, was Gefahren für die Umwelt birgt. Kritik wird auch an der Verflüssigung durch starkes Abkühlen geübt, weil dies nach Angaben von Umweltschützern bis zu 25 Prozent des Energiegehalts des Gases kostet.

Der russische Staatskonzern Gazprom hatte den Gasfluss durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 in den vergangenen Tagen deutlich verringert. Begründet wurde dies mit Verzögerungen bei der Reparatur von Verdichterturbinen durch die Firma Siemens Energy. Habeck stufte die Maßnahme als politisch motiviert ein.

Kohle statt Gas und mehr Energie sparen

Der Wirtschaftsminister hatte am Sonntag zusätzliche Maßnahmen angekündigt, um Gas einzusparen und die Vorsorge zu erhöhen. "Wir werden den Gasverbrauch im Strombereich und der Industrie senken und die Befüllung der Speicher forcieren", teilte Habeck mit. Bei der Stromproduktion würden dafür "Kohlekraftwerke stärker zum Einsatz kommen müssen".

"In den letzten Tagen hat sich die Lage am Gasmarkt verschärft", erklärte Habeck zur Begründung mit Blick auf die jüngsten russischen Lieferkürzungen. "Die angespannte Situation und die hohen Preise sind eine unmittelbare Folge von Wladimir Putins Angriffskrieg auf die Ukraine", stellte er klar. Gegen die damit verbundene Strategie, zu verunsichern und Preise in die Höhe zu treiben müsse sich Deutschland "entschlossen, präzise und durchdacht zur Wehr setzen".

Dafür werde die Bundesregierung nun "einen weiteren Teil der Werkzeuge herausholen und nutzen". Durch den Ersatz von Gas- durch Kohlekraftwerke könne "der Gasverbrauch zur Stromerzeugung substanziell reduziert werden". 2021 hatte der Gasanteil an der Stromproduktion in Deutschland etwa 15 Prozent betragen, laut Habeck ist er inzwischen aber bereits geringer. Den dafür wieder vermehrten Einsatz von Kohle nannte der Minister "bitter", es sei aber "in dieser Lage schier notwendig".

la/AFP, dpa