Umfrage unter Gas-Großverbrauchern Bundesnetzagentur bereitet sich auf Gasengpass vor

Die Bundesnetzagentur wappnet sich für den Ernstfall und sammelt über eine Umfrage Daten von Gasnetzbetreibern und Gas-Großverbrauchern. Aus den Antworten soll aber keine feste Abschaltreihenfolge abgeleitet werden.
Gas-Großverbraucher im Visier: Die Bundesnetzagentur benötigt Daten von Unternehmen mit einer Anschlusskapazität von zehn Megawatt pro Stunde

Gas-Großverbraucher im Visier: Die Bundesnetzagentur benötigt Daten von Unternehmen mit einer Anschlusskapazität von zehn Megawatt pro Stunde

Foto: Uwe Anspach/ dpa

Vor dem Hintergrund des andauernden Ukraine-Krieges bereitet sich die Bundesnetzagentur vermehrt auf einen Erdgas-Engpass vor. Am Donnerstag startete die Behörde eine Datenerhebung bei deutschen Gasnetzbetreibern. "Wir bereiten uns intensiv auf eine Lage vor, in der die Bundesnetzagentur Lieferreduzierungen von großen Gasverbrauchern verfügen muss. Gleichzeitig tun wir alles, damit diese Situation nicht eintritt", sagte Bundesnetzagentur-Präsident Klaus Müller (51).

Die Datenabfrage bei den Netzbetreibern diene der Vorbereitung auf eine ab Mai geplante weitere Datenabfrage bei den deutschen Gas-Großverbrauchern ab einer Anschlusskapazität von zehn Megawattstunden pro Stunde. Zum Vergleich: Ein Musterhaushalt hat einen Verbrauch von rund 20 Megawattstunden, allerdings pro Jahr.

Im Krisenfall wie etwa einem Lieferstopp für russisches Erdgas wäre es die Aufgabe der Behörde, die knappen Gasmengen zu verteilen. Mit den Daten will die Netzagentur im Ernstfall die Folgen von Maßnahmen für die betroffenen Letztverbraucher und für die Gesellschaft "bestmöglich" einschätzen können. "Aus den Abfrageergebnissen wird keine feste Abschaltreihenfolge abgeleitet", betonte die Behörde. Die Daten sollen in einer sogenannten Sicherheitsplattform Gas zusammengeführt werden.

Die Gasversorgung in Deutschland sei stabil, berichtete die Bundesnetzagentur am Donnerstag in ihrem täglichen Lagebericht. "Es sind keine Beeinträchtigungen der Gaslieferungen nach Deutschland zu verzeichnen." Die Füllstände der Gasspeicher seien mittlerweile deutlich höher als im Frühjahr 2018 und 2021.

Russland hat im Zuge des Ukraine-Kriegs und der Sanktionen des Westens mit einem Stopp seiner Gaslieferungen nach Deutschland gedroht. Umgekehrt wird hierzulande immer wieder die Möglichkeit eines Gas-Embargos diskutiert, um Russland den Geldhahn abzudrehen. Die Bundesregierung hatte kürzlich die erste von insgesamt drei Stufen eines Notfallplans eingeleitet. Die Bundesnetzagentur hat eine Schlüsselrolle für den Fall, dass der Gasverbrauch nicht mehr voll gedeckt ist. Müller hatte in einem "Zeit"-Interview im Falle eines Gasmangels "den uneingeschränkten Schutz" privater Haushalte infrage gestellt.

mg/dpa-afx, Reuters