Dienstag, 2. Juni 2020

Frühjahrsprognose der Bundesregierung Der lange Weg aus dem Corona-Loch

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat am Mittwoch die wirtschaftliche Frühjahrsprognose der Bundesregierung vorgestellt.
Tobias Schwarz/AFP/Pool/dpa
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat am Mittwoch die wirtschaftliche Frühjahrsprognose der Bundesregierung vorgestellt.

Auch die Bundesregierung rechnet jetzt nicht mehr mit einem schnellen Comeback der Wirtschaft. Auf den Boom der Kurzarbeit könnte eine echte Jobkrise folgen.

Wie sehr sich die Welt in den vergangenen vier Wochen verändert hat, zeigt ein kurzer Vergleich der Wachstumsprognosen: Die schwere Rezession, die von den "Wirtschaftsweisen" des Sachverständigenrats Ende März als Basisszenario angesetzt wurde, ist aus der heutigen Sicht nur noch ein laues Lüftchen. Die gemeinschaftliche Prognose der Konjunkturinstitute, die kurz vor Ostern vorgestellt wurde, war dann schon deutlich pessimistischer.

In ihrer eigenen Frühjahrsprojektion nimmt die Bundesregierung die Erwartungen jetzt aber noch einmal zurück. Die Regierung, die sonst nicht zum Schwarzmalen neigt, erwartet nun für 2020 den tiefsten BIP-Einbruch in der Geschichte der Bundesrepublik.

Die fortlaufenden Abwärtskorrekturen ergeben sich zum einen daraus, dass die Krise dieses Frühjahrs viel größer ist als zunächst gedacht. Wichtige Teile der Weltwirtschaft stehen still, kein einziges Land wird vom Corona-Schock verschont. Der "Lockdown" im Inland hält bereits länger an als zu Beginn vermutet.

Hinzu kommt aber, dass auch die Hoffnungen auf einen schnellen Aufschwung schwinden. Von der anfangs erwarteten Formation eines scharfen V reden inzwischen nur noch wenige. Die Projektion der Bundesregierung zeichnet eine allmähliche Erholung über rund anderthalb Jahre: Erst Anfang 2022 werde die Wirtschaftsaktivität wieder das Vorkrisenniveau erreichen, so Wirtschaftsminister Peter Altmaier.

Das ist keine Aufholjagd mehr. Das ist ein mühsames Herauskämpfen aus einem tiefen Loch, in einem Umfeld voller Unsicherheiten. Längst nicht alle Unternehmen werden den langen Weg zurück schaffen.

Die Folgen treffen am Ende auch den Jobmarkt. Kurzarbeit verhindert zwar vorerst, dass es zu Massenentlassungen kommt. Doch es wächst die Gefahr, dass dieses Instrument, das sich in der Weltfinanzkrise 2009 so bewährt hat, diesmal überfordert wird.

Anfang des Jahres gab es in Deutschland knapp 100.000 Kurzarbeiter. Jetzt rechnet der Bundeswirtschaftsminister mit einem Corona-bedingten Anstieg auf über drei Millionen. Das ist mehr als das Doppelte der Rekordzahl von 2009.

Damals betraf die Krise fast nur die exportabhängige Industrie, die auch bald von einem weltweiten V-Aufschwung profitierte. Diesmal sind fast alle Branchen betroffen, auch und gerade die Dienstleister. Ohne eine rasche Konjunkturerholung wird es für viele sehr eng werden.

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