Aufschwung verschoben Ökonomen erwarten erst 2022 mehr Wachstum

Das Frühjahrsgutachten der führenden deutschen Ökonomen fällt mau aus. Die Forscher senken die Wachstumsprognose fürs laufende Jahr wegen der dritten Corona-Welle. Mehr Wachstum und mehr Jobs sagen sie für 2022 voraus.
Noch geht die Sonne am Arbeitsmarkt nicht auf: Wegen der dritten Welle der Corona-Pandemie haben Wirtschaftsforscher die BIP-Prognose deutlich gesenkt

Noch geht die Sonne am Arbeitsmarkt nicht auf: Wegen der dritten Welle der Corona-Pandemie haben Wirtschaftsforscher die BIP-Prognose deutlich gesenkt

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Julian Stratenschulte/ dpa

Die führenden Institute senken ihre Prognose für das Wachstum der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr wegen der dritten Corona-Welle deutlich. Sie rechnen nur noch mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 3,7 Prozent, wie aus der am Donnerstag veröffentlichten Gemeinschaftsdiagnose für die Bundesregierung hervorgeht.

Im Herbst waren sie noch von 4,7 Prozent ausgegangen, doch ist Europas größte Volkswirtschaft wegen der Corona-Beschränkungen wohl schwächer als erwartet ins Jahr gestartet. Die Schätzungen dienen der Regierung als Basis für ihre eigenen Projektionen, die wiederum die Grundlage für die Steuerschätzung bilden. Der Bund geht bislang von 3 Prozent Wachstum im laufenden Jahr aus.

Mehr Wachstum für 2022 erwartet ...

Sobald die Infektionsgefahren in erster Linie durch das Impfen gebannt seien, werde eine kräftige Erholung einsetzen, erklären die Ökonomen in ihrem Frühjahrsgutachten. Für 2022 erhöhten sie deshalb ihre Wachstumsprognose, und zwar von 2,7 auf 3,9 Prozent. Dann solle vor allem der private Konsum zur Erholung beitragen, während im laufenden Jahr besonders die Exporte die Konjunktur stützen dürften - vor allem wegen der höheren Nachfrage aus den USA und China.

2020 war das Bruttoinlandsprodukt wegen der Corona-Krise um 4,9 Prozent eingebrochen. Etwa Anfang kommenden Jahres dürfte die Wirtschaft zur Normalauslastung zurückkehren, erwarten die Institute.

... und damit auch deutlich mehr Jobs

"Die Entwicklung der Pandemie ist weiterhin das bedeutendste Abwärtsrisiko für die Prognose", warnen die Forscherinnen und Forscher. "Nach wie vor kann es bei der Lieferung von Impfstoffen und Tests zu Engpässen und Verzögerungen kommen." Auch könnten neue Virusmutation die Öffnung der Wirtschaft stoppen, was die Erholung abermals zurückwerfen würde.

Mit den erwarteten Lockerungen dürfte die Erholung der Beschäftigung an Fahrt gewinnen. Die Zahl der Erwerbstätigen soll in diesem Jahr um 26.000 zulegen, 2022 um mehr als eine halbe Million. Dabei soll das Vorkrisenniveau im ersten Halbjahr 2022 erreicht werden. Bereits ab diesem Mai soll die Zahl der Arbeitslosen verstärkt sinken.

Die öffentlichen Haushalte dürften in diesem Jahr ein Defizit aufweisen, das mit 159 Milliarden Euro etwas größer wäre als 2020. Zwar sollten konjunkturellbedingt die Steuereinnahmen zunehmen. Dem stünden jedoch Ausgaben für Impfungen und Tests gegenüber. Erarbeitet wird das Gutachten federführend vom RWI in Essen, vom Berliner DIW, vom Ifo-Institut in München, vom Kieler IfW und vom IWH in Halle.

wed/Reuters