Sonntag, 21. Juli 2019

Frankreich Neuer Pferdefleisch-Skandal

Pferde auf einer Weide: In Frankreich zeichnet sich ein neuer Skandal um das Fleisch der beliebten Tiere ab

In Frankreich soll Fleisch von Pferden, die in der Pharmaindustrie zur Herstellung von Medikamenten genutzt wurden, als Lebensmittel verkauft worden sein. 21 Personen wurden festgenommen.

Paris - Zahlreiche Pferde aus der Pharma-Forschung und Reitställen könnten in Frankreich illegal für die Lebensmittelproduktion geschlachtet worden sein. Ermittler starteten am Montag eine Großrazzia in elf Départements im Süden des Landes. Rund 100 Einsatzkräfte der Polizei durchsuchten Unternehmen und nahmen 21 Verdächtige fest. Unter ihnen sei auch der mutmaßliche Drahtzieher des Betrugs, teilten die Ermittler mit.

Rundfunkberichten zufolge wurden die Pferde an Händler verkauft, die vermutlich die Veterinärdokumente fälschten. Sie seien als Schlachttiere für die Fleischgewinnung deklariert worden. Unter des Festgenommenen befinden sich neben Händlern auch Fleischproduzenten und Tierärzte.

Auf ein konkretes Gesundheitsrisiko für Verbraucher gab es zunächst keine Hinweise. Es gehe diesmal nicht um als Rind deklariertes Pferdefleisch, betonte Verbraucherminister Benoît Hamon in Bezug auf den europaweiten Pferdefleischskandal Anfang des Jahres. Der französische Pharmakonzern Sanofi bestätigte, mit den Ermittlern zu kooperieren.

Nach eigenen Angaben hat sein Tochterunternehmen Sanofi Pasteur in den vergangenen drei Jahren rund 200 Tiere weiterverkauft, die zuvor zur Herstellung von Antikörpern gegen Tollwut und Tetanus sowie von Gegengiften genutzt worden waren. Die Pferde seien nicht für Tierversuche verwendet worden, betonte Sanofi. Dennoch dürften sie aus Vorsichtsmaßnahmen nicht in den Lebensmittelkreislauf gelangen und würden dementsprechend gekennzeichnet. Es sei nicht bekannt, wie lange der Betrug mit dem Pferdefleisch schon gehe. Es könnte sich das Fleisch Hunderter solcher Pferde in den Handel gelangt sein.

Die Ermittlungen sind nach den Worten von Verbraucherschutz-Minister Benoit Hamon eine Folge der Marktbeobachtung nach dem Pferdefleisch-Skandal Anfang dieses Jahres. Damals hatten Händler gefrorenes Pferdefleisch als Rindfleisch etikettiert und in den Handel gebracht. Gefunden wurde das Pferdefleisch durch DNA-Analysen in Fertigprodukten mit Hackfleisch wie Burger und Lasagne.

mihec/rtr,dpa

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