Start bereits Ende 2022 Turbo für Flüssiggas-Terminals

Die Bundesregierung erhöht beim Aufbau einer Infrastruktur zum Import von Flüssigerdgas das Tempo. Wirtschaftsminister Habeck unterzeichnete Verträge für vier schwimmende Terminals – die erste Plattform soll noch dieses Jahr in Wilhelmshaven in Betrieb gehen.
LNG-Terminal in Wilhelmshaven: Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck und Olaf Lies, Umweltminister von Niedersachsen, unterzeichnen die Vereinbarung zwischen Bund und Ländern

LNG-Terminal in Wilhelmshaven: Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck und Olaf Lies, Umweltminister von Niedersachsen, unterzeichnen die Vereinbarung zwischen Bund und Ländern

Foto: Sina Schuldt / dpa

Der Düsseldorfer Energiekonzern Uniper, die Bundesregierung und das Land Niedersachsen konkretisieren die Planungen zum Bau eines Terminals für verflüssigtes Erdgas (LNG) in Wilhelmshaven. Uniper kündigte am Donnerstag in der niedersächsischen Hafenstadt im Beisein von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (52) und des niedersächsischen Energieministers Olaf Lies (54) an, als Errichter und Betreiber des Terminals 65 Millionen Euro zu investieren.

Der Bund und das Land unterzeichneten eine Absichtserklärung zum Ausbau der LNG- und GreenGas-Importinfrastruktur in Niedersachsen. In Wilhelmshaven soll bereits im Winter Flüssiggas eintreffen. Dafür hat die Regierung ein Beschleunigungsgesetz zur Abkürzung der sonst nötigen Genehmigungen auf den Weg gebracht. Es soll in den nächsten Tagen vom Kabinett beschlossen werden.

LNG spielt eine wichtige Rolle bei den Plänen der Bundesregierung, Deutschland unabhängiger von russischen Gaslieferungen zu machen. Bundeswirtschaftsminister Habeck unterzeichnete in Wilhelmshaven Verträge zur Charterung von vier Spezialschiffen, die das Flüssiggas selbst wieder in Gas-Form bringen können. Das ersetzt den langwierigeren Bau von kompletten Terminals.

Die Bundesregierung will diese "Floating Storage and Regasification Units" (FSRU) anschaffen, um damit bereits vor dem Bau fester Terminals LNG umschlagen zu können. Sie will dafür knapp drei Milliarden Euro zur Verfügung stellen. Das Bundeswirtschaftsministerium mietet nach eigenen Angaben je zwei Schiffe von den Anbietern Höegh und Dynagas. Der Betrieb der Schiffe erfolge durch die Versorger RWE und Uniper, mit denen der Bund jeweils Dienstleistungsverträge schließe. RWE teilte mit, die Betriebsverantwortung von zwei Schiffen zu übernehmen.

Kritik von Umweltschützern

Die Schiffe können LNG von LNG-Tankern aufnehmen, in den gasförmigen Aggregatzustand zurückverwandeln und in das Gasnetz einspeisen. Die Planungen sehen Uniper zufolge vor, dass in Wilhelmshaven im Winter bereits eine schwimmende Anlage zum Einsatz kommt. Diese soll an das 28 Kilometer entfernte Erdgasleitungsnetz und damit auch an den Erdgasspeicher Etzel angebunden werden. Die Anbindung treibt derzeit der Konzern Open Grid Europe voran. Mit einer Kapazität von bis zu 7,5 Milliarden Kubikmeter pro Jahr sollen künftig 8,5 Prozent des deutschen Erdgasbedarfs in Wilhelmshaven angelandet werden.

LNG-Projekte gibt es auch in Brunsbüttel mit Unterstützung von RWE und in Stade mithilfe von EnBW und in Rostock. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) kritisierte das Vorgehen in Wilhelmshaven und forderte Bundesumweltministerin Steffi Lemke zum Einschreiten auf. "Die LNG-Nutzung widerspricht dem Klimaneutralitätsziel der Bundesregierung", erklärte Bundesgeschäftsführerin Antje von Broock.

Statt politischer Schnellschüsse brauche es ein belastbares Konzept für den Import erneuerbarer Energien. "Weder Landesregierungen noch die Bundesregierung sollten in blinden Aktionismus verfallen, sondern Sorgfalt walten lassen." Der Baustart des LNG-Terminals in Wilhelmshaven erfolge, ohne das eigentliche Genehmigungsverfahren abzuwarten.

Deutschland importiert derzeit noch etwa 35 Prozent seines benötigten Gases über Pipelines aus Russland. Die Regierung schätzt, dass trotz des Baus der Flüssiggas-Terminals noch bis 2024 russisches Gas benötigt wird. Bei einem Stopp der Lieferungen müssten in Deutschland vor allem Firmen die Gaszufuhr beschnitten werden.

hr/dpa, Reuters