Zuwanderung soll im Winter weitergehen Flüchtlingsprognose der Regierung für 2015 bereits übertroffen

Von mm-newsdesk
Flüchtlinge an der deutsch-österreichischen Grenze: Zahl der Asylanträge hat sich verdoppelt

Flüchtlinge an der deutsch-österreichischen Grenze: Zahl der Asylanträge hat sich verdoppelt

Foto: Peter Kneffel/ dpa

In Deutschland sind bis Oktober nach offiziellen Angaben so viele Flüchtlinge angekommen wie der Bund für das Gesamtjahr prognostiziert. In den ersten zehn Monaten hätten die Bundesländer rund 758.000 Einreisen gezählt, teilte das Bundesinnenministerium am Donnerstag in Berlin mit. Allein im Oktober wurde mit 181.000 Migranten ein Höchststand erreicht. Dabei handelt es sich um registrierte Flüchtlinge, die im Datensystem Easy gespeichert wurden.

Vermutlich wurde die vom Bund prognostizierte Zahl von 800.000 Flüchtlingen für 2015 zwei Monate vor Jahresende schon überschritten, weil der tatsächliche Wert meist höher als die Easy-Zahl liegt. Dies liegt daran, dass viele Flüchtlinge noch nicht registriert sind. Einige versuchen auch, einer Registrierung zu entgehen. Experten zufolge ist daher von einer hohen Dunkelziffer auszugehen. Am Mittwoch stellte die Bundespolizei 8432 illegale Einreisen fest, davon 5964 in Bayern.

Die Zahl der beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) eingereichten Asylanträge lag im Oktober bei 54.877. In den ersten zehn Monaten stellten 362.153 Personen einen Asylantrag. Dies entspricht einer Steigerung von 129 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Zugleich wurden nach Angaben des Ministeriums bis Ende Oktober 205.265 Entscheidungen im Bamf getroffen und damit mehr als doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum 2014. Insgesamt sind aber 328.200 Anträge noch nicht entschieden. Bamf-Chef Frank-Jürgen Weise hat eine schnelle Bearbeitung versprochen. Die Koalition hat bereits mehr Personal für die oberste Asylbehörde beschlossen. Schnelle Verfahren sind die Voraussetzung dafür, um Personen ohne Asylgrund schneller abschieben zu können und anerkannte Flüchtlinge rasch zu integrieren.

Die meisten bis Oktober eingereisten Flüchtlinge stammen aus dem Bürgerkriegsland Syrien (243.721), aus Albanien (67.676), Afghanistan (67.191), dem Irak (58.754) und dem Kosovo (32.469). Allerdings deutet sich eine Verschiebung an: Im Oktober befanden sich unter den fünf wichtigsten Ländern keine Westbalkanstaaten wie Albanien und Kosovo mehr. Nach den Syrern bildeten im vergangenen Monat die Afghanen die zweitstärkste Flüchtlingsgruppe.

Die Vereinten Nationen rechnen auch in den Wintermonaten nicht mit einer Verringerung. Von November bis Februar sei mit täglich bis zu 5000 Flüchtlingen zu rechnen, die über die Türkei nach Europa einreisten, teilte das Flüchtlingshilfswerk UNHCR mit.

ts/Reuters