Sonntag, 8. Dezember 2019

Flüchtlingskinder an Schulen 8200 Deutschklassen geschaffen, 8500 Lehrer eingestellt

Deutsch lernen mit Kriegsbildern im Kopf: 19 Jungen und Mädchen im Alter von 10 bis 16 Jahren müssen an der Peter-Ustinov-Schule in Hannover innerhalb eines Jahres so gut Deutsch lernen, dass sie dem Unterricht in einer Regelklasse folgen können

Die Bundesländer haben für die vielen schulpflichtigen Flüchtlingskinder in Deutschland bereits schon mehr als 8200 spezielle Sprachklassen eingerichtet. Rund 196.000 Schüler würden 8264 Klassen besuchen, in denen Deutsch gelehrt wird, berichtet die "Welt am Sonntag". Da sie nach dem Übergang in die Regelklassen nicht mehr gesondert erfasst würden, liege die Zahl der Flüchtlinge an den Schulen vermutlich noch höher.

Die Länder hatten im Oktober ihre Gesamtkosten für die Schulbildung von Flüchtlingskindern 2014/15 auf mindestens 2,3 Milliarden Euro beziffert. "Für Schulen und Kultusverwaltungen hat es so eine Herausforderung noch nie gegeben", sagt die noch bis 1. Januar amtierende Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Sachsens Ressortchefin Brunhild Kurth (CDU).

8500 zusätzliche Lehrer - "Das wird nicht reichen"

Vor einem Kollaps stünden die Schulen nicht. Allerdings sei davon auszugehen, "dass die Ausnahmesituation für eine lange Zeit Normalzustand sein wird".

Dem Zeitungsbericht zufolge haben die Länder bislang rund 8500 zusätzliche Lehrer eingestellt, um die Lage zu bewältigen. Der Deutsche Philologenverband hält jedoch mindestens 20.000 zusätzliche Lehrkräfte für notwendig: "Die zusätzlichen und für 2016 geplanten Lehrerstellen reichen nicht einmal für die bereits in Deutschland befindlichen Flüchtlingskinder", sagte Verbandschef Heinz-Peter Meidinger dem Blatt. "Spätestens im Sommer nächsten Jahres wird sich diese Lücke schmerzhaft bemerkbar machen."

rei/dpa

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