Samstag, 4. April 2020

Fachkräftegipfel setzt auf beschleunigte Visa-Verfahren Bundesregierung will Anwerbe-Offensive starten

Beschleunigte Visa-Verfahren sollen gefragte Fachkräfte nach Deutschland locken (Archivbild)
Joerg Koch / Getty Images
Beschleunigte Visa-Verfahren sollen gefragte Fachkräfte nach Deutschland locken (Archivbild)

Die Bundesregierung will Deutschland für ausländische Fachkräfte attraktiver machen und plant einem Zeitungsbericht zufolge beschleunigte Visa-Verfahren sowie eine Anwerbe-Offensive. Das geht aus einem Entwurf der gemeinsamen Absichtserklärung für den Fachkräftegipfel am Montag im Kanzleramt hervor, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) am Samstag berichtete. An dem Spitzentreffen nehmen unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sowie Vertreter von Wirtschaft und Gewerkschaften teil.

"Deutschland steht international in starkem Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte", heißt es laut RND in dem Papier. "Wir müssen deshalb unsere attraktiven Arbeits- und Lebensbedingungen besser präsentieren, um das Interesse ausländischer Fachkräfte zu wecken."

Anfang März 2020 soll das Fachkräfteeinwanderungsgesetz in Kraft treten, das die Einwanderung qualifizierter Arbeitnehmer aus Staaten außerhalb der Europäischen Union erleichtern soll. Um die Möglichkeiten des Gesetzes voll auszuschöpfen, bedürfe es "noch weiterer konkreter Schritte der praktischen Umsetzung", heißt es in dem Entwurf für das Spitzentreffen.

Dem Bericht zufolge sagt die Bundesregierung darin raschere Visa-Verfahren zu. "Zusätzliches Personal in den Visastellen und der Aufbau einer zentralen Arbeitseinheit zur Unterstützung der Visumbearbeitung aus dem Inland werden den Prozess der Visumerteilung an den Auslandsvertretungen beschleunigen, um derzeit bestehende Wartezeiten zu verringern", heißt es in dem Papier. Ziel sei es, zügig die Voraussetzung für digitale Antragstellung und papierlose Übermittlung der Unterlagen zu schaffen.

Die Bundesregierung will außerdem die Deutsch-Kurse an den Goethe-Instituten ausbauen. Die Wirtschaft solle geeignete Fachkräfte bei den Kosten für die sprachliche Qualifizierung im Herkunftsland unterstützen.

Die Bundesagentur für Arbeit soll mit Hilfe von "Vermittlungsabsprachen mit ausgewählten Herkunftsländern" geeignete Bewerber anwerben. "Diese werden den Einwanderungs- und Anerkennungsprozess zusätzlich beschleunigen und stellen insbesondere für kleinere und mittlere Unternehmen einen wichtigen Zugangsweg dar", heißt es in dem Papier. Mit dem Aufbau solcher Länderpartnerschaften solle zügig begonnen werden.

Die Bundesregierung will dem Bericht zufolge zudem "Rekrutierungsreisen" für kleine und mittelständische Unternehmen fördern. Außerdem solle das Informationsportal "Make it in Germany" ausgebaut und zur zentralen Anlaufstelle für interessierte Fachkräfte und Firmen werden. Ziel sei es, dass Unternehmen mehr Stellenangebote als bislang für die Rekrutierung ausländischer Fachkräfte melden.

DGB fordert mehr Anstrengungen für Fachkräfte im Inland

Laut Papier fehlen in vielen Unternehmen, Branchen und Regionen nicht nur Akademiker, sondern auch Fachkräfte mit beruflicher Qualifikation. "Unabhängig von konjunkturellen Entwicklungen wird der demografische Wandel den Fachkräftemangel weiter verstärken." Dies werde nicht nur für die Unternehmen Folgen haben, sondern für die gesamte Gesellschaft. Gute Arbeitsbedingungen und faire Löhne seien Voraussetzung für eine erfolgreiche Gewinnung von Fachkräften.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat unterdessen die Bundesregierung zu mehr Anstrengungen aufgefordert, damit auch in Deutschland mehr Fachkräfte gewonnen werden. DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach sagte der Deutschen Presse-Agentur, es sei richtig, auf Anwerbung im Ausland zu setzen, denn sonst werde der Fachkräftebedarf in den kommenden Jahren nicht gestillt werden können. "Trotzdem: Die Bundesregierung muss das Eine tun, ohne das Andere zu lassen. Denn hierzulande gibt es bereits ein Fachkräftepotenzial, das über Qualifizierung und Weiterbildung endlich gehoben werden muss."

Dazu gehöre nicht nur eine bessere Beteiligung von Frauen, Älteren und aktuell arbeitslosen Menschen am Erwerbsleben, sondern auch Ausbildung und Integration von Geflüchteten, die bereits in Deutschland seien. Buntenbach sagte, bei der Anwerbung von Fachkräften aus Nicht-EU-Staaten müssten Transparenz und hohe Standards ganz oben auf die Agenda. "Wenn sich die Menschen für die Vermittlungsgebühren dubioser privater Firmen erst einmal verschulden und dann jede Arbeit unter den schlechtesten Bedingungen annehmen müssen, um diese Schulden abzubezahlen, macht sich der Gesetzgeber mitschuldig an ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen." Deshalb sollte der Anwerbeprozess aus Sicht der Gewerkschaften bestenfalls über die öffentliche Arbeitsverwaltung organisiert werden, unter Beteiligung der Sozialpartner.

AFP/dpa/mh

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