Ex-Wirecard-Vorstand Moskau soll Marsalek zum Verhör angeboten haben

Bundesregierung und deutscher Geheimdienst sollen angeblich das Versteck des flüchtigen Ex-Wirecard-Vorstands Jan Marsalek kennen. Ein Angebot des russischen Geheimdienstes, den Flüchtigen zu verhören, hätten deutsche Behörden nicht wahrgenommen, heißt es.
Wird immer noch gesucht: Der russische Geheimdienst soll dem deutschen Geheimdienst BND angeblich ein Verhör mit dem als flüchtig geltenden Ex-Wirecard-Vorstand Jan Marsalek angeboten haben

Wird immer noch gesucht: Der russische Geheimdienst soll dem deutschen Geheimdienst BND angeblich ein Verhör mit dem als flüchtig geltenden Ex-Wirecard-Vorstand Jan Marsalek angeboten haben

Foto: Daniel Bockwoldt / picture alliance / dpa

Der gesuchte Ex-Wirecard-Vorstand Jan Marsalek (42) soll einem Medienbericht zufolge in Moskau untergetaucht sein und möglicherweise bis heute dort leben. Die "Bild"-Zeitung  (Montagsausgabe) berichtete, dass Marsalek unter der "Obhut" des russischen Geheimdienstes FSB gestanden habe. Demnach sei dessen Aufenthaltsort deutschen Behörden bereits seit Anfang 2021 bekannt gewesen, schreibt das Blatt.

Damals erfuhr die deutsche Botschaft in Moskau laut "Bild", dass ein Förderer der dortigen deutschen Schule ominöse Geschäfte betreibt. Der Mann solle mit dem russischen Impfstoff Sputnik V handeln, mit einer paramilitärischen Söldnertruppe in Verbindung stehen und über beste Kontakte nach Österreich verfügen. Bei dem Mann sollte es sich "Bild" zufolge um Marsalek handeln.

Kurz darauf bot der FSB laut "Bild" dem Bundesnachrichtendienst (BND) ein Treffen und eine Befragung Marsaleks an. Die BND-Zentrale in Berlin sei über das Angebot informiert worden. Darin baten die Moskauer BND-Beamten dem Bericht zufolge um Weisung, ob ein Treffen mit Marsalek stattfinden solle und wie der mutmaßliche Milliardenbetrüger vernommen werden solle.

Gesprächsangebot - Kanzleramt angeblich informiert

Der Zeitung zufolge beantwortete die BND-Zentrale die Frage aus Moskau aber nicht. Das Bundeskanzleramt wurde jedoch über das brisante Gesprächsangebot informiert. Die bayerischen Strafverfolgungsbehörden, die gegen die Verantwortlichen des früheren Dax-Konzerns aus der Nähe von München ermitteln, wurden über das Angebot hingegen offenbar nicht informiert. Sie erhielten demnach nur einen vagen Hinweis auf ein Gebäude in der Nähe einer "langen Chaussee in Moskau" als Versteck Marsaleks.

Ein Sprecher der Bundesregierung teilte der "Bild" mit, dass die Bundesregierung zu Angelegenheiten, "die etwaige nachrichtendienstliche Erkenntnisse oder Tätigkeiten der Nachrichtendienste betreffen, grundsätzlich nicht öffentlich Stellung" nimmt. Im Bundestag wird demnach geprüft, ob zumindest Untersuchungsausschuss und Kontrollgremium ordnungsgemäß informiert waren.

Im Herbst steht die Hauptverhandlung gegen den früheren Wirecard-Chef Markus Braun (53) vor dem Landgericht München I an. Die Wirecard-Chefetage soll über Jahre Scheingeschäfte in Milliardenhöhe verbucht haben, um das damals im Dax gelistete Unternehmen über Wasser zu halten und Kredite zu erschwindeln. Es handelt sich um einen der größten Wirtschaftsskandale der deutschen Geschichte. Neben Braun sind weitere Ex-Spitzenmanager angeklagt. Marsalek gilt offiziell als untergetaucht.

Die Staatsanwaltschaft wirft Braun und anderen Wirecard-Führungskräften vor, wie eine kriminelle Bande agiert und Banken sowie Investoren mithilfe manipulierter Bilanzen um mindestens drei Milliarden Euro geprellt zu haben.

rei/AFP/dpa-afx