Donnerstag, 27. Februar 2020

Ex-CDU-Star Friedrich Merz Ganz unten

Wirtschaftspolitiker Merz: "Demokratie ist lernfähig"

Vor zehn Jahren scheiterte er als Politiker, auch seine Karriere als Wirtschaftsanwalt geht unrühmlich zu Ende: Das Pech bleibt Ex-CDU-Star Friedrich Merz treu. Wenn er nun vor Industrievertretern über vermurkste Großprojekte referiert, redet er nicht zuletzt über sich selbst.

In Schönhagen, einem Nest südlich von Berlin, ist Friedrich Merz noch der Star. Immer wieder unterbrechen die Zuhörer den ehemaligen Hoffnungsträger des CDU-Wirtschaftsflügels: lachend, raunend, klatschend.

Merz erklärt auf dem Flugplatz der Gemeinde, weshalb es Bau-Großprojekte in Deutschland so schwer haben. Eine Generation saturierter Pensionäre wolle "nichts mehr davon wissen", wie Wohlstand entstehe und protestiere praktisch gegen jeden technischen Fortschritt.

So tröstet der ungebrochen dynamische Merz das Publikum aus Flughafen-Managern und Vertretern der Business-Jet-Industrie, die am von ihnen beklagten deutschen Hang zum Verhindern verzweifeln. "Sie reden mir aus der Seele", sagt einer zu Merz hinterher. Viele nicken. Der Pilot Merz ist einer von ihnen, oft fliegt er sein Flugzeug selbst aus dem Sauerland nach Schönhagen.

Es geht nicht mehr um viel bei Friedrich Merz

Wenig bis nichts hat der Arnsberger von dem eingebüßt, was ihn ausgezeichnet hat - damals, als er um die Jahrtausendwende Millionen für seine Ideen von einer freien Wirtschaft und einem einfachen Steuersystem begeisterte. Immer noch schaltet er konsequent auf Angriff, zielt mit den Augen über den Brillenrand ständig aufs Publikum und betont die entscheidenden Worte, als ginge es um die Kanzlerschaft.

Doch es geht nicht mehr um viel bei Friedrich Merz. Gerade erst hat seine Karriere als Wirtschaftsanwalt eine unrühmliche Wende genommen. Mit gerade 58 Jahren tauschte er seinen Status als Equity-Partner bei der Kanzlei Mayer Brown gegen den eines Senior Counsels ein, der gemeinhin als eine Art Vorruhestand gilt, wie manager magazin berichtete.

Das alles sei lange so geplant gewesen, sagt Merz. Seine Gegner in der Kanzlei verweisen darauf, Merz habe wenig Geschäft herangeschafft, was dieser zurückweist.

In jedem Fall hat der Sauerländer nun mehr Zeit für seine Aufsichtsratsmandate, die allerdings von eher zweitklassiger Qualität sind - unter anderem HSBC Trinkaus & Burkhardt und Axa Deutschland.

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