Freitag, 28. Februar 2020

Deutsche Europawahlergebnisse im Überblick Grüne triumphieren, Union und SPD verlieren

Unzufrieden mit dem Abschneiden seiner Partei: CSU-Politiker und EVP-Spitzenkandidat Manfred Weber
EMMANUEL DUNAND/ AFP
Unzufrieden mit dem Abschneiden seiner Partei: CSU-Politiker und EVP-Spitzenkandidat Manfred Weber

Bei der Europawahl verzeichnen die Grünen satte Gewinne, CDU und SPD verlieren Wähler. Die AfD erzielt teils kräftige Gewinne - und könnte erstmals einen Bürgermeister stellen.

Bei den Europawahlen haben in Deutschland mehr als 36,5 Millionen Menschen ihre Stimme abgegeben. Laut dem vorläufigen amtlichen Endergebnis lag die Wahlbeteiligung bei 61,4 Prozent - deutlich höher als bei der vorherigen Wahl im Jahr 2014. Damals hatten nur 48,1 Prozent der Menschen ihr Wahlrecht wahrgenommen.

Klarer Gewinner sind nun die Grünen. Sie steigerten ihren Stimmanteil um knapp zehn Prozentpunkte auf insgesamt 20,5 Prozent. "Das ist ein Sunday for Future", sagte Grünen-Spitzenkandidat Sven Giegold in Anspielung auf die "Fridays for Future"-Demonstrationen.

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Bild: REUTERS

Mehr Stimmen erzielte nur die CDU. Trotz schwerer Verluste in Höhe von 7,4 Prozentpunkten im Vergleich zur vergangenen Wahl blieb die Union mit 22,6 Prozent der Stimmen stärkste Partei. Der CSU-Politiker und Spitzenkandidat der Europäischen Volkspartei (EVP), Manfred Weber, sagte, dass die EVP zwar weiter stärkste Fraktion bleibe, er das Ergebnis aber nicht als Sieg sehe. "Wir erleben, wie die Mitte schrumpft", sagte Weber.

Noch heftigere Einbußen musste die SPD hinnehmen. Die Sozialdemokraten verloren gleich 11,5 Prozentpunkte im Vergleich zur Vorwahl. Mit 15,8 Prozent der Stimmen sind sie nun drittstärkste Partei. "Ich habe echt alles gegeben, was ich konnte, mehr ging nicht", sagte Katarina Barley, Europawahl-Spitzenkandidatin der SPD. Auch die Linke sackte leicht ab und verblieb bei 5,5 Prozent der Stimmen (- 1,9 Prozentpunkte).

Gewinne gab es unterdessen bei AfD und FDP. Erstere kam auf 11 Prozent, ein Zuwachs von 3,9 Prozentpunkten. Die Liberalen erhöhten ihren Stimmanteil um zwei Prozentpunkte auf 5,4 Prozent. "Wir sind heute Abend kein großer Wahlgewinner, aber wir sind ein kleiner Wahlgewinner", sagte FDP-Chef Christian Lindner.

Ein Blick auf die Wahlbezirke offenbarte schon früh am Wahlabend: Die Grünen dominierten vor allem in Deutschlands Großstädten. In Berlin, Hamburg, Köln und München holte die Partei teils mit deutlichem Abstand die meisten Stimmen.

Die CSU dominiert in Bayern, die AfD in Sachsen

Mit Ausnahme von Erlangen und der Stadt Würzburg blieb die CSU in Bayern ansonsten überall die stärkste Partei. Ähnlich sah es - teils mit kleineren Ausnahmen - für die CDU in Baden-Württemberg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen aus.

In Brandenburg und insbesondere in Sachsen konnte dagegen die AfD Erfolge verbuchen. Einzig in Leipzig und drei weiteren sächsischen Landkreisen wurde die AfD nicht stärkste Kraft.

In Görlitz, Deutschlands östlichster Stadt, hat der AfD-Kandidat sogar Chancen auf das Amt des Bürgermeisters. Das muss nach Angaben des MDR jedoch in einem zweiten Wahlgang geklärt werden. Die Besetzung eines solchen Postens wäre eine Premiere für die AfD.

spon

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