Euro-Kritiker "Der Individualismus ist extrem ausgeprägt"

Frank Schäffler, Peter Gauweiler, Joachim Starbatty, Bernd Lucke, Hans-Olaf Henkel - das Lager der Euro-Kritiker in Deutschland ist prominent besetzt. Doch wenn es um die politische Umsetzung geht, sind die Euro-Gegner zerstritten. Dies dürfte für die Anti-Euro-Partei AfD zum Problem werden.
AfD-Sprecher Bernd Lucke: Selbst unter den Euro-Kritikern ist er umstritten

AfD-Sprecher Bernd Lucke: Selbst unter den Euro-Kritikern ist er umstritten

Foto: KAI PFAFFENBACH/ REUTERS

Hamburg/Berlin - Applaus brandet auf, als Hans-Olaf Henkel das Podium in den Tegeler Seeterassen erklimmt. Der ehemalige BDI-Präsident strahlt. Er ist bei der Alternative für Deutschland ein gern gesehener Gast. Nicht nur beim Gründungsparteitag des Berliner Landesverbandes. Auch schon bei der Gründung der Anti-Euro-Partei AfD wurde der prominente Euro-Kritiker mit Jubel empfangen. Er ist einer von ihnen.

Doch so gerne sich Henkel auch von der AfD feiern lässt: Einen Parteiausweis der neu gegründeten Initiative hat er nicht. Und er will auch gar keinen, wie er bei seiner Rede gleich klarstellt. "Ich war noch nie in einer Partei - und ich werde auch in diese nicht eintreten."

Wie bei Henkel sieht es auch bei vielen anderen Euro-Kritikern aus. Sie sind zwar vereint in ihrer Ablehnung der Euro-Politik, schreiben Bücher und ziehen vor das Bundesverfassungsgericht. Wenn es aber darum geht, ihre Überzeugung politisch umzusetzen, sind viele deutlich zurückhaltender.

Lediglich "Euro-Fighter"Joachim Starbatty, einer der Euro-Rebellen die schon Ende der 90er gegen die Gemeinschaftswährung zu Felde zogen, trat vor wenigen Wochen nun doch der AfD bei - und wurde prompt Spitzenkandidat in Berlin.

"Man kritisiert lieber unabhängig"

Der 73-Jährige Starbatty dürfte wissen, worauf er sich einlässt. In den 90ern gründete er nach mehr als 20-jähriger CDU-Mitgliedschaft mit anderen Euro-Kritikern den Bund freier Bürger. Doch der Kleinstpartei war kein langes Leben beschert. Sie löste sich später auf. Starbatty hatte sie da allerdings schon längst verlassen.

Die meisten Wissenschaftler unter den Kritikern arbeiten hingegen lieber unabhängig. "Gerade für Professoren ist es ja nicht ganz einfach, sich an eine Partei zu binden", kommentiert der Berliner Parteienforscher Oskar Niedermayer das Phänomen. "Man kritisiert lieber unabhängig."

Und diese Kritik macht auch nicht vor den eigenen Gesinnungsgenossen halt.

In der Schusslinie stehen unter anderem die Eurokläger Peter Gauweiler und Frank Schäffler. Sie sind zwar in ihrer Ablehnung der Euro-Rettungsbemühungen vor das Bundesverfassungsgericht gezogen. Ihr CSU- beziehungsweise FDP-Parteibuch haben sie deswegen aber nicht abgegeben.

"Es muss auch Indianer geben"

Das stößt nicht nur in der AfD sauer auf. Sie seien das "Feigenblatt von CDU und FDP", erklärte Sprecher Lucke. Und Henkel ätzte Richtung Schäffler: "Wie kann man für den Euro und gegen seine Rettung sein?" Aber auch Henkel bekommt sein Fett weg: Dem ehemaligen BDI-Präsidenten legen viele zur Last, dass er einst vehement für die Einführung des Euro geworben hatte. "Wenn man so auf den Putz gehauen hat, müsste man heute etwas zurückhaltender sein", meint der Euro-Kläger Markus C. Kerber.

Aber auch mit der AfD und ihrem Sprecher Lucke gehen die Kritiker hart ins Gericht: Die Ansätze der AfD seien "ungenügend", kritisierte Schäffler. Und auch Euro-Kläger Kerber, der die Gehversuche der AfD nach eigenen Worten "durchaus mit Sympathie" beobachtet, vermisst bei der AfD die Programmatik. "Da muss sie ein bisschen mehr bieten, als nur gegen den Euro zu sein und dann nicht einmal zu sagen, wie man dieses Abenteuer beenden will."

Auch mit Lucke selbst hat Kerber seine Probleme. "Wer vor einem Jahr noch die Euro-Zone retten wollte, der kann mir jetzt nicht erzählen, dass er total dagegen ist."

Dass in der neu gegründeten AfD Mitglieder in einzelnen Landesverbänden heftigst gestritten wurde, sehen Beobachter im Klientel der Partei begründet. Im bürgerlichen Spektrum seien viele nicht damit zufrieden, nur zu klatschen, sagt Kerber. Aber: "Es kann nicht nur Häuptlinge, es muss auch Indianer geben."

Mit dem Indianertum tun sich offensichtlich aber auch die Euro-Kritiker selbst schwer. Wie schwer, zeigte sich jüngst beim EZB-Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht. Da sei es "fast unmöglich gewesen, sich auf eine Redereihenfolge zu einigen", berichtet Kerber. Und er fügt an: "Der Individualismus ist extrem ausgeprägt. Jeder würde am liebsten ununterbrochen reden."