Freitag, 19. April 2019

Euro-Kritiker "Der Individualismus ist extrem ausgeprägt"

AfD-Sprecher Bernd Lucke: Selbst unter den Euro-Kritikern ist er umstritten

Frank Schäffler, Peter Gauweiler, Joachim Starbatty, Bernd Lucke, Hans-Olaf Henkel - das Lager der Euro-Kritiker in Deutschland ist prominent besetzt. Doch wenn es um die politische Umsetzung geht, sind die Euro-Gegner zerstritten. Dies dürfte für die Anti-Euro-Partei AfD zum Problem werden.

Hamburg/Berlin - Applaus brandet auf, als Hans-Olaf Henkel das Podium in den Tegeler Seeterassen erklimmt. Der ehemalige BDI-Präsident strahlt. Er ist bei der Alternative für Deutschland ein gern gesehener Gast. Nicht nur beim Gründungsparteitag des Berliner Landesverbandes. Auch schon bei der Gründung der Anti-Euro-Partei AfD wurde der prominente Euro-Kritiker mit Jubel empfangen. Er ist einer von ihnen.

Doch so gerne sich Henkel auch von der AfD feiern lässt: Einen Parteiausweis der neu gegründeten Initiative hat er nicht. Und er will auch gar keinen, wie er bei seiner Rede gleich klarstellt. "Ich war noch nie in einer Partei - und ich werde auch in diese nicht eintreten."

Wie bei Henkel sieht es auch bei vielen anderen Euro-Kritikern aus. Sie sind zwar vereint in ihrer Ablehnung der Euro-Politik, schreiben Bücher und ziehen vor das Bundesverfassungsgericht. Wenn es aber darum geht, ihre Überzeugung politisch umzusetzen, sind viele deutlich zurückhaltender.

Lediglich "Euro-Fighter"Joachim Starbatty, einer der Euro-Rebellen die schon Ende der 90er gegen die Gemeinschaftswährung zu Felde zogen, trat vor wenigen Wochen nun doch der AfD bei - und wurde prompt Spitzenkandidat in Berlin.

"Man kritisiert lieber unabhängig"

Der 73-Jährige Starbatty dürfte wissen, worauf er sich einlässt. In den 90ern gründete er nach mehr als 20-jähriger CDU-Mitgliedschaft mit anderen Euro-Kritikern den Bund freier Bürger. Doch der Kleinstpartei war kein langes Leben beschert. Sie löste sich später auf. Starbatty hatte sie da allerdings schon längst verlassen.

Die meisten Wissenschaftler unter den Kritikern arbeiten hingegen lieber unabhängig. "Gerade für Professoren ist es ja nicht ganz einfach, sich an eine Partei zu binden", kommentiert der Berliner Parteienforscher Oskar Niedermayer das Phänomen. "Man kritisiert lieber unabhängig."

Und diese Kritik macht auch nicht vor den eigenen Gesinnungsgenossen halt.

In der Schusslinie stehen unter anderem die Eurokläger Peter Gauweiler und Frank Schäffler. Sie sind zwar in ihrer Ablehnung der Euro-Rettungsbemühungen vor das Bundesverfassungsgericht gezogen. Ihr CSU- beziehungsweise FDP-Parteibuch haben sie deswegen aber nicht abgegeben.

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