Netzagentur-Chef warnt "Verdoppelung bis Verdreifachung der Gaspreise möglich"

Der Chef der Bundesnetzagentur ruft Industrie und Verbraucher noch einmal eindringlich zur Reduktion ihres Gasverbrauches auf. Zudem sollten sich alle auf drastische Preiserhöhungen einstellen.
"Das sind riesige Preissprünge": Bundesnetzagentur-Chef Klaus Müller

"Das sind riesige Preissprünge": Bundesnetzagentur-Chef Klaus Müller

Foto: Christophe Gateau / dpa

Nach Ausrufung der Alarmstufe im Notfallplan Gas warnt der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller (51), vor drastischen Preiserhöhungen. "Schon jetzt werden die Gaspreissteigerungen des letzten Herbstes weitergegeben", sagte Müller am Freitag in der ARD. Und das seien schon teilweise bis zu 80 Prozent höhere Preise gewesen. Seitdem habe sich der Gaspreis Stand vergangene Woche vervierfacht und inzwischen sogar versechsfacht. "Das sind riesige Preissprünge."

Die Bundesnetzagentur habe verschiedene Szenarien berechnet zur Frage, "was passiert wann unter welchen Umständen", sagte Müller. "Und die meisten Szenarien sind nicht schön und bedeuten entweder zu wenig Gas am Ende des Winters oder aber schon, ganz schwierige Situation, im Herbst oder Winter."

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (52) hatte am Donnerstag die zweite von drei Eskalationsstufen im Notfallplan Gas ausgerufen, die sogenannte Alarmstufe. Mit dieser soll Experten zufolge der Ernst der Lage verdeutlicht werden – mit dem Ziel, möglichst viel Energie freiwillig einzusparen. Die erste Stufe, die Frühwarnstufe, galt seit Ende März, also gut vier Wochen nach dem russischen Angriff auf die Ukraine, der die Energiepreise in die Höhe getrieben hat.

Stellt Russland die Gaslieferung nach der Wartung komplett ein?

Russland hat seine Gaslieferungen über die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 bereits stark gedrosselt. Mit flauem Gefühl schauen Branche und Regierung auf die am 11. Juli beginnende Wartung der Gaspipeline Nord Stream 1. Der mehrtägige Prozess ist eigentlich jährliche Routine. Doch diesmal stellt sich die Frage, ob Russland den Gashahn nach zehn Tagen auch tatsächlich wieder aufdreht.

"Für die Firmen wären die Konsequenzen schrecklich und einschneidend."

Klaus Müller, Chef der Bundesnetzagentur

In der ZDF-Sendung "Maybrit Illner" machte Netzagentur-Chef Müller zudem deutlich, dass die Aktivierung der dritten und letzten Stufe des Notfallplans Gas schwerwiegende Folgen hätte. Dann könnten Industriefirmen nicht mehr so viel Gas kaufen, wie sie wollten, sondern sie wären auf Zuteilungen der Netzagentur angewiesen. Für die Firmen wären die Konsequenzen "schrecklich und einschneidend", sagte Müller. Private Haushalte wären zunächst nicht betroffen. "Wir würden private Haushalte so lange schützen, wie das irgendwie möglich wäre", sagte Müller.

Energiesparen helfe, damit es gar nicht so weit komme. "Jeder und jede in der Industrie und privat kann eben dazu beitragen – und ja, dazu gehört auch der Pulli, der Duschkopf, die Heizung ein wenig runterstellen, all das hilft", sagte er. Zudem sollte die Heizung noch vor Beginn der Heizsaison im Herbst optimiert werden. Man müsse damit rechnen, dass die Verbraucherpreise sich je nach Gebäudehülle verdoppeln bis verdreifachen könnten. Daher sollten die Bürger Geld zurücklegen und Richtung Herbst mit den Vermietern reden. "Jetzt kann man noch etwas tun."

mg/dpa-afx, Reuters